In der 6. und 7. Sitzung unserer Seminare wird die philosophische Ethik dargestellt

Wir werden uns mit der teilweise neuen vorgeschlagenen philosophisch-idealistischen Ethik beschäftigen, die in Philosophie für alle präsentiert wird und den Anspruch erhebt, als Vernunftreligion eine philosophisch-idealistische Globalisierung weltweit zu stiften.

Begriffe wie Vernunftreligion, universelle und unsichtbare Kirche wurden von Immanuel Kant 1793 in seinem Buch Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft formuliert. Es sind Begriffe, die heute aktueller denn je scheinen.

Darüber hinaus gründete Hegel in den darauffolgenden Jahren seine Auffassung einer Philosophie als Begründung einer selbstbewussten, freien Zivilisation. Wir finden diese in seiner ersten Ethikauffassung (Manuskript System der Sittlichkeit von 1802) sowie in dessen späterem Schluss, der mit dem Titel Fortsetzung des Systems der Sittlichkeit (1803-05) von seinem Biographen Karl Rosenkranz überliefert wurde. Darin definiert Hegel diese Zivilisation als ‚freies Volk‘, das er dann später in seinen Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte mit den germanischen Völkern identifizierte, worunter er die nordeuropäischen, protestantischen Völkern  meinte.

Gleichzeitig sprach der Philosoph dabei aber auch von einem ‚absoluten‘, universellen Geist, einem ‚Weltgeist‘, der dazu strebt, über die internationalen Beziehungen Freiheit für alle Menschen auf Erden (und nicht nur bei den ‚germanischen‘ Völkern) zu verwirklichen. Diese ist als Hegels Meinung über den Sinne der Geschichte zu betrachten.

Hegel war also nicht in der Lage, in seinem Leben diese Kontrast zu lösen zwischen einem Weltgeist, der auf Erden überall die Freiheit für alle früher oder später stiften wird, und der Identifizierung zu damaliger Zeit mit der ‚germanischen‘ Zivilisation, die wir heute im Allgemeinen als Westen bezeichnen würden (wobei eigentlich auch die kommunistischen bzw. ex-kommunistischen Ländern dazu gehören könnten). Seine Philosophie enthält aber die Grundideen für eine solche Lösung, die sich zwar in dem Begriff ‚Weltgeist‘ befindet, wurde aber von ihm aaus historischen Gründen nicht adäquat entwickelt.

In Philosophie für alle habe ich diese Problematik gelöst und eine Vernunftreligion für die Menschheit präsentiert. Die intersubjektive Anerkennung spielt dabei eine entscheidende Rolle, da nur sie dem Menschen ermöglicht, seinen Geist zu verwirklichen, also frei im wahren Sinne des Wortes zu leben. In diesem Bezug spielt eine Schlüsselrolle der Unterschied zwischen wahrer und falscher Unendlichkeit. Diese ist die die logische Grundlage, worauf die Unterscheidung zwischen wahrer und falscher Freiheit, die Willkür eigentlich ist, begründet werden kann.

Die wahre Freiheit verwirklicht sich dagegen im ethischen Leben, d.h. in den Institutionen der Gesellschaft, in denen wir unausweichlich leben. Diese sind:

  1. der Staat, der als Weltstaat seinen philosophisch begründeten Ausdruck finden;
  2. die Arbeit, die als Dienst angesehen werden soll;
  3. die Familie, deren Grundlage die Liebe zwischen Frau und Mann ist.

Nur ein Leben, das bewusst innerhalb diesen Institutionen gelebt wird, kann die Selbstverwirklichung des Geistes und deswegen sein Glück im Sinne von Erfüllung, Zufriedenheit ermöglichen. Grund dafür ist, dass die wahre Unendlichkeit, also die Fähigkeit, sich kreative Ziele zu geben und diese im eigenen Leben zu verwirklichen, die logische Grundstruktur des Geistes, sein Wesen, seine Natur ist. Ein authentisch geistiges und deshalb glückliches, erfülltes Leben kann deshalb nur dann erfolgen, wenn man kreativ, also nach dem Prinzip der wahren Freiheit bzw. der wahren Unendlichkeit lebt. Diese bestehen darin, einen Sinn zusammen mit anderen Menschen dem eigenen Leben zu geben und dieses Ziel gemeinsam zu verwirklichen.

In den letzten zwei Sitzungen beider Seminare werden wir uns mit dieser Problematik beschäftigen, und die Rolle untersuchen, die dabei die Digitalisierung spielen kann.

(Dr. Marco de Angelis)