Das Seminarende nähert sich, es werden logische Schlüsse gezogen

Morgen, Montag den 26. Juni 2017, gehen die Seminare über die Agenda 2030 (Begriff Weltstaat) bzw. über die Anerkennung weiter. Beim Seminar über die Agenda 2030 wird die 6., während beim Anerkennungsseminar wird die 5. Sitzung sein.

Wir werden uns mit der neuen vorgeschlagenen philosophisch-idealistischen Auffassung beschäftigen, die ich in Philosophie für alle präsentiert habe und den Anspruch erhebt, als Vernunftreligion eine philosophisch-idealistische Globalisierung weltweit zu stiften.

Begriffe wie Vernunftreligion, universelle und unsichtbare Kirche wurden von Immanuel Kant 1793 in seinem Buch Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft formuliert. Es sind Begriffe, die heute aktueller denn je scheinen.

Darüber hinaus gründete Hegel in den darauffolgenden Jahren seine Auffassung einer Philosophie als Begründung einer selbstbewussten, freien Zivilisation. Wir finden diese in seiner ersten Ethikauffassung (Manuskript System der Sittlichkeit von 1802) und in dessen späterem Schluss, der mit dem Titel Fortsetzung des Systems der Sittlichkeit (1803-05) von seinem Biographen Karl Rosenkranz überliefert wurde. Darin definiert Hegel diese Zivilisation als ‚freies Volk‘, das er dann später in seiner Philosophie der Geschichte mit den germanischen Völkern identifizierte, gleichzeitig sprach er dabei aber auch von einem ‚absoluten‘, universellen Geist, einem ‚Weltgeist‘, der dazu strebt, Freiheit für alle Menschen auf Erden zu verwirklichen, was Hegels Meinung nach der Sinn der Geschichte bildet.

Hegel war also nicht in der Lage, in seinem Leben diesen Wiederspruch zu lösen zwischen einem Weltgeist, der auf Erden überall die Freiheit für alle früher oder später stiften wird und der Identifizierung zu damaliger Zeit mit der Zivilisation, die wir heute als Westen bezeichnen wurden. Seine Philosophie enthält aber die Grundideen für eine solche Lösung. Diese befindet sich in dem Begriff vom ‚Weltgeist‘.

In Philosophie für alle habe ich diese Problematik gelöst und eine Vernunftreligion für die Menschheit präsentiert. Die intersubjektive Anerkennung spielt dabei eine entscheidende Rolle, da nur sie dem Menschen ermöglicht, seinen Geist zu verwirklichen, also frei im wahren Sinne des Wortes zu leben (Unterschied zwischen wahrer und falscher Freiheit, die reine Willkür eigentlich ist).

Die wahre Freiheit verwirklicht sich im ethischen Leben, d.h. in den Institutionen der Gesellschaft, in denen wir unausweichlich leben.  Diese sind:

  • der Staat, der als Weltstaat seinen philosophisch begründeten Ausdruck finden;
  • die Arbeit, die als Dienst angesehen werden soll;
  • die Familie, deren Grundlage die Liebe zwischen Frau und Mann ist.

Nur ein Leben, das in diesen Institutionen gelebt wird, kann die Selbstverwirklichung des Geistes und deswegen sein Glück im Sinne von Erfüllung, Zufriedenheit ermöglichen.

In den letzten Sitzungen beider Seminare werden wir uns mit dieser Problematik beschäftigen, wobei im Seminar über die Agenda 2030 werden wir uns eher auf die politischen Themen konzentrieren, während im Seminar über die Anerkennung eher psychologisch-existentielle Aspekte im Mittelpunkt  stehen werden.

(In der Rubrik ‚Lehre‘ dieser Website sind heute die einzelnen Seminarpläne sowie Texte und Audiodateien beider Seminare aktualisiert und veröffentlicht worden).

Dr. Marco de Angelis

 

Im Seminar über die Agenda 2030 gehen wir morgen (12. Juni) von den theoretischen zu den ethischen Themen herüber

Mit der Erörterung der tiefen Bedeutung einer monistischen Weltauffassung haben wir bei der 4. Sitzung vom 22. Mai die Darstellung des theoretischen Teils des Systems der Philosophie zu Ende gebracht. Ergebnis davon ist, dass der Mensch in seinem Wesen logische Kreativität ist und diese darin besteht, ‚Begriffe‘, ‚Konzepte‘ auszuarbeiten und zu verwirklichen. Diese Tätigkeit allerdings ist auch die Tätigkeit des Absoluten, d.h. der Kraft, die dem Monos, dem Ganzen zugrundeliegt und überall im Universum jederzeit neue Seienden schöpft, kreiert.

Somit entsteht eine neue Vision der Welt und des Menschen, eine neue Religion, die eine Vernunftreligion ist. In der 5. Sitzung von morgen 12. Juni (16.30, Raum C14.203) werden wir uns der Darstellung dieser neuen Vernunftreligion widmen. Sie ist in den Lektionen 8, 9 und 10 des Handbuchs Philosophie für alle dargestellt.

Lüneburger Phileuropagruppe: Philosophisches Protokoll der 2. Sitzung vom 23.5.2017

Achtung: Nächste Sitzung findet am Dienstag den 27. Juni um 19.30 Uhr, Raum C11.319, statt

Am 23. Mai 2017 um 19.15 Uhr hat die 2. Sitzung der Philosophiegruppe stattgefunden. Es sind mehrere Studierende aus allen Seminaren gekommen, die ich bisher in Lüneburg gehalten habe. Darüber habe ich mich sehr gefreut! In erster Linie möchte ich mich hier also bei diesen Studierenden herzlichst bedanken. Um eine eindeutigere Identifizierung zu ermöglichen, möchte ich Sie hier namentlich nennen, und zwar von der Sitzposition an meiner rechten Seite bis zur Sitzposition an meiner linken Seite (so wie sie die eigenen Hausarbeiten dargestellt haben).

Anne-Caroline Bringmann (Seminar ‚Philosophie der Menschenrechte‘, Leuphana Semester, WS 2016/17; Hausarbeit über die Anerkennung)

Sara Diekmannshenke (Seminar ‚Philosophie als Lebensorientierung‘, Leuphana Semester, WS 2016/17; Hausarbeit über Umweltschutz und Weltstaat; in diesem Semester wird Sara eine weitere Hausarbeit bei mir schreiben) (Sara musste leider etwa gegen 20 Uhr weggehen)

Nico Töberich (Seminar ‚Philosophie als Lebensorientierung‘, Leuphana Semester, WS 2016/17; Hausarbeit über Kants Idee einer Weltrepublik; in diesem Semester arbeitet an einer Hausarbeit über Hegels Staatsphilosophie)

Georg Vohwinkel (Seminar ‚Die philosophische Identität Europas‘, Komplementärstudium SoSe 2016, Hausarbeit über die philosophische Identität Europas)

Cécile Nebel (Seminar ‚Die philosophische Identität Europas‘, Komplementärstudium SoSe 2016, Hausarbeit Appell zur philosophischen Identität der Menschheit; in diesem Semester wird auch Cécile eine weitere Hausarbeit bei mir schreiben)

Emina Hupe (mit Freund) (Seminar ‚Philosophie der Menschenrechte‘, Leuphana Semester, WS 2016/17; Hausarbeit über die Rolle der Gefühle im menschlichen Leben)

Steffi Graf (Seminar ‚Philosophie der Menschenrechte‘, Leuphana Semester, WS 2016/17; Hausarbeit über den Begriff ‚Weltstaat‘; in diesem Semester wird Steffi voraussichtlich eine Hausarbeit bei mir über Trotzskis Auffassung eines weltweiten Sozialismus gegenüber Stalins Auffassung des Sozialismus in einem einzigen Land)

Finja Löher (Seminar ‚Philosophie der Menschenrechte‘, Leuphana Semester, WS 2016/17; Hausarbeit über Umweltschutz und Weltstaat; in diesem Semester wird Finja bei mir eine zweite Hausarbeit schreiben, in der sie mehrere Aspekte der ersten Hausarbeit vertiefen wird , insbesondere Fukuyamas Interpretation vom 1989 als ‚Ende der Geschichte‘ sowie Hegels Auffassung der Bewusstseinsstufen)

Jan Rüpke (Seminar ‚Philosophie als Lebensorientierung‘, Leuphana Semester, WS 2016/17; Hausarbeit über die Wahrheitstheorie (Jan musste leider etwa gegen 20 Uhr weggehen)

Carolina Ortega Guttack (Seminar ‚Die philosophischen Voraussetzungen der Agenda 2030, Komplementärstudium SoSe 2017;  Carolina wird eine Hausarbeit über einen Vergleich zwischen dem Begriff Weltstaat und der UNO schreiben)

Patrick Schultz (Seminar ‚Philosophie der Menschenrechte‘, Leuphana Semester, WS 2016/17; Hausarbeit über Klonen und Ethik)

Georg Boldyreff (Gasthörer bei meinen Seminaren, Herr Boldyreff  folgt sehr sorgfältig die philosophische Diskussion in deutschen Zeitschriften (Zeit, Welt usw.) und im Radio (WDR – philosophisches Radio) und so hält uns über die Themen am Laufenden, die im deutschen öffentlichen Kulturleben am meisten diskutiert werden.

Wir Ihr sehen könnt, ist ein hochkarätiges Teilnehmerfeld. Es sind Themen in den Hausarbeiten behandelt worden, die heute hochaktuell sind und sich auf Philosophen wie Kant und Hegel beziehen, die die Grundlagen unserer heutigen Zeit gestellt haben.

Dank dieser positiven Voraussetzungen hatten wir eine sehr interessante Diskussion, die sich über 2 Stunden und 15 Min. erstreckte! Im Folgenden werde ich versuchen, die Hauptthemen der Diskussion zusammenzufassen. Sollte ich was vergessen bzw. nicht getreu dargestellt haben, bitte um Rückmeldung!

Zuerst begann Anna-Caroline Bringmann ihre Hausarbeit über die Anerkennung zu schildern. Diesen Begriff wurde wieder von Nico aufgegriffen, als er seine Lektüre von Kant und Hegel in Bezug auf die Geschichtstheorie kurz berichtete. Dazwischen hatte auch Sara ihre Hausarbeit über Umweltschutz und Weltstaat dargestellt.

Nico brachte sofort den Unterschied zur Diskussion, den er zwischen Kant Auffassung eines Weltfriedens und Hegels Auffassung der Notwendigkeit des Krieges in der Geschichte bemerkt hatte. In diesem Bezug äußerte ich mich über die Gründe, die für Hegels Auffassung sprechen, und die, die diese Auffassung als veraltet und überholt zeigen. Ich versuchte dabei zu deuten, wie eine Theorie heute zu erarbeiten wäre, die Kants Auffassung eines friedlichen Weltstaates und Hegels Auffassung des Krieges vereinbaren kann.

Dieses Thema wurde insbesondere in Bezug auf die Anerkennung bezogen: Musst die Anerkennung immer Kampf sein oder kann man den Kampf vermeiden, wenn man die Theorie der Anerkennung kennt? Kann man vermeiden, sich zu bekriegen, wenn die Menschen verstehen, welchen Zweck der Krieg hat? Kann man nicht diesen Zweck auch dann ohne Krieg erreichen? Europa scheint aus den Kriegen des letzten Jahrhunderts gelernt zu haben und eben den Weg des Friedens eingeschlagen zu haben.

Darüber wurde ziemlich intensiv diskutiert. Dann stellten zuerst Georg Vohwinkel und danach Cécile die eigenen Hausarbeiten dar. Beide waren am Seminar über die Identität Europas im SoSe 2016 dabei. Cécile setzte das Akzent auf den Begriff der Identität und stellte die interessante Frage: Wenn die Identität Ergebnis der Anerkennung ist und diese Kampf ist, wie kann man Identität ohne Kampf erreichen?  Meine Antwort lautete, dass die Erziehung  dabei eine enorm wichtige Rolle spielt, da sie die Menschen daran vorbereitet, die anderen Menschen ohne Kampf als Zweck anzuerkennen.  Die Erziehung soll in uns die Bereitschaft fördern, gegenüber anderen Menschen offen zu sein und diese nicht als Mittel, sondern immer als Zweck zu betrachten, auch wenn wir sie unausweichlich brauchen. Auch darüber wurde viel diskutiert. Georg Vohwinkel sprach sich eher für die Erfahrung als ‚Lehrerin‘ des Menschen als die Erziehung. Darüber wurde ebenso intensiv diskutiert.

Emina sprach dann über die eigene Hausarbeit und die Zentralstellung der Gefühle im menschlichen Leben. Diesbezüglich erklärte ich, dass genau die Problematik der Gefühle die große Kritik an Kant seitens der damaligen Studenten des Tübinger Stifts, wo Hegel, Schelling und Hölderlin studiert haben, gewesen sei. Kant Theorie war richtig in sich aber viel zu intellektuell, viel zu hart. Die Menschen brauchen auch Gefühle, nicht nur Gedanken. Auch in diesem Bezug wurde intensiv diskutiert.

Auch die Teilnehmer an meiner linken Seite (Steffi, Finja, Caralina, Patrick, Georg Boldyreff)  nahmen Stellung zu den verschiedenen Diskussionen, wir konnten aber die Runde nicht abschließen und auch ihre philosophischen Hauptinteressen sowie Hausarbeiten diskutieren, da die Zeit um war und wir alle auch müde waren.

Mein Vorschlag für das nächste Mal (Dienstag den 27. Juni um 19.30 Uhr, Raum C11.319), ist, dass wir zuerst die Runde abschließen, d.h. diese Teilnehmer der linken Seite zum Wort kommen und ihre Hausarbeiten kurz darstellen. Herr Georg Boldyreff  könnte dazu über einige Zeitungartikel berichten, die er in letzter Zeit gelesen hat und unsere Problematik betreffen.

Dann werde ich einige sehr kurze Referate über die verschiedenen Themen halten, die wir bisher behandelt haben (Krieg und Kampf, Gefühle und Gedanken, Erziehung und Erfahrung) und dabei einschlägige weiterführende Literatur empfehlen.

Es ist aber vorrangig gewünscht, dass die Teilnehmer zum Wort kommen, zum Beispiel mit kurzen Referaten (10-15 Minuten), bei denen jeder die Möglichkeit hat, die eigenen Überlegungen bzw. Lektüren vorzustellen, die er/sie in Bezug auf die diskutierten Themen gemacht hat (wie auch neue Themen einleiten, selbstverständlich).

Solche Kurzreferate können über die schon geschriebene Hausarbeit sein, über die nächste Hausarbeit, die noch nicht fertig ist, aber genau deswegen kann behilflich  sein, darüber mit Gleichgesinnten zu diskutieren (dabei kann es sich auch um eine Hausarbeit handeln, die für ein anderes Seminar angefertigt wird, solange die Themen ähnlich sind). Es kann auch über ein gelesen Buch sein, das man für besonders interessant gehalten hat und darüber in der Gruppe  diskutieren will (über eine besondere Reise, Erfahrung usw.).

Ich denke also, dass wir schon genug interessanten Gesprächsstoff  für die Sitzung in Juni haben, die die letzte vor der Sommerpause sein wird. Juli und August werde ich voraussichtlich nicht in Lüneburg sein, so dass die 4. Sitzung unserer Gruppe erst in September sein wird.

Ich freue mich schon auf die 3. Sitzung!

Dr. Marco de Angelis

PS. Bei der letzten Sitzung hat uns Herr Boldyreff auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht, die in Köln ab dem 6. Juni stattfinden wird. Alle Infos sind hier zu finden:

https://www.philcologne.de/de/programm/phil-cologne-2017/

Das Webseite www.philcologne.de ist prinzipiell sehr wichtig, da die Radioprogrammen des WDR über die Philosophie hier zu finden sind. Darüber werden wir bei der 3. Sitzung ebenso sprechen.

Wie immer: Diesen Text habe ich von meiner Lektorin nicht korrigieren lassen. Es ist nur für unsere interne Benutzung bestimmt und es ist sicherlich keine Tragödie, wenn ein paar Fehler bzw. Ungenauigkeiten darin geblieben sind.