Einladung zum 20. Treffen von Phileuropa am 22.1.2019

Liebe Philosophiefreundinnen und -freunde,

hiermit lade ich Euch zum 20. Treffen unserer Phileuropa ‚Diskussionsgruppe‘ ein. Wir werden uns am Dienstag den 22. Januar treffen. Hier folgt das Programm.

Dienstag, den 22.1.2019
Raum C14.203, ab 19:30 Uhr

Voraussichtliches Referat:

19.45-20.45 Uhr

LARA ERICHSEN BARGALLÒ

Monismus im künstlerischen Schaffensprozess
(Lara singt und spielt Gitarre, sie wird uns auch eine kleine
musikalische Unterhaltung schenken)

20.45-21.00: Pause

21.00-21.45

NILS BASSEN

 Ist das System „Kapitalismus“ im Sinne der philosophischen Wahrheit der richtige Weg oder bedingt es eine Abkehr dieses Systems
hinzu einem „kreativen Sozialismus“?

21.45-22.00: Planung der nächsten Sitzung und Abschied

Bis zum kommenden Dienstag!

(Dr. Marco de Angelis)

 

Protokoll der 19. Sitzung von Phileuropa am 15.1.2019

Die 19. Sitzung unserer Gruppe am 15.1.19 war besonders intensiv. Wir hatten das Referat von Sonja Wernicke, die sich in ihren Hausarbeiten mit den Jugendschriften Hegels und den verschiedenen philosophischen Einflüssen, die auf ihn wirkten, beschäftigt hat. Marco de Angelis begleitete beim Referat Sonja, da es sich um sehr spezielle Themen handelt, worüber in den letzten Jahrzehnten eine rege historische Forschung gegeben hat. Dazu kommt eine persönliche Erinnerung, da sich Marco schon als junger Student damit beschäftigte, sowohl sein Magisterarbeit als auch seine Doktorarbeit hatten genau den jungen Hegel als Gegenstand.

Zu Beginn der Sitzung erklärt Marco eben den wissenschaftlichen Grund, der die Grundlage der Erforschung der Jugendschriften eines Philosophen bildet. Jeder Philosoph entwickelt seine Philosophie und natürlich seine eigene Begriffe und die entsprechende Sprache allmählich, Jahr nach Jahr, in einem Prozess der oft Jahrzehnte dauert (bei Hegel z.B. 20-30 Jahre). Wenn wir seine reifen Werke in den Händen nehmen, merken wir gleich, dass uns seine Sprache und seine Begriffe fremd sind. Wie können wir diese Hürde überspringen und die menschliche Bedeutung verstehen, die hinter einer oft abstrakten und akademischen Sprache verborgen sind? Dazu hilft nur die Rekonstruktion der Entstehung dieser Sprache und dieser Begrifflichkeit, also der Jugendentwicklung des Philosophen. Aus diesem Grund widmete Marco seine ‚Jugendjahre‘ der Erforschung der Jugendentwicklung Hegels!

Nach dieser Einleitung  begann das eigentliche Referat von Sonja, die sowohl die Hautgedanke, die sich im Hegels wichtigster Jugendschrift, dem Text 16 der Gesammelten Werke (früher mit dem Titel Volksreligion und Christentum bekannt) befinden. Hegel unterscheidet dabei in erster Linie zwischen objektiver und subjektiver Religion. Die erste ist die institutionelle, dogmatische Religion, die eine Kirche den Gläubigen auferlegt; die zweite dagegen ist die innere Einstellung des Individuums, der sich anstrengt, nach dem Prinzip des Guten zu leben (egal mit welcher religiöser Begründung). Während die objektive Religion schädlich ist, da sie nur Individuen fördert, die das einfach ausführen, was ihnen von oben diktiert wird, ist die subjektive Religion etwas Fundamentales im menschlichen Leben, da sie die Menschen als lebendige Personen animiert und in diesen ein ‚warmes‘ Herz für das Leben und für die Mitmenschen fördert.

Aus diesem Grund ist die subjektive Religion Hegels Meinung nach zu retten und die Kritik der Aufklärung, die damals in Deutschland besonders intensiv  war, nur die objektive Religion betreffen soll.

In Bezug auf diesen ganz wichtigen Begriff der ‚Rettung der Religion‘ von der Kritik durch die Aufklärung interveniert Marco und zitiert Hegels Lehrer Johann Friedrich Flatt, zu dem auch Sonja in ihrem Vortrag schon Stellung genommen hatte.  Marco erzählt etwas über seine Forschungen in Tübingen (Universitätsarchiv, Handschriftenabteilung) und Berlin (Staatsbibliothek). Obwohl Flatt kein bekannter Philosoph bzw. Theologe geworden ist, hatte er eine enormeWichtigkeit damals, da er in seinem Unterricht Kant kritisierte aber dadurch dessen Theorien lehrte. Somit wurden seine Studenten dazu motiviert, eine eigene Stellung zu nehmen. Wie die Forschungen von Dieter Henrich und vor allem Wilhelm Gustav Jacobs gezeigt haben, genau auf den Unterricht von Flatt ist die Tatsache zurückzuführen, dass 3 Weltgenien wie Hegel, Schelling und Hölderlin aus jener Institution, dem evangelischen Stift in Tübingen, stammten. Auch ein Genie, so Jacobs, muss lernen bevor er seiner Genialität  freien Lauf gibt.  Dieses Lernen war damals nur in Tübingen dank Flatt möglich.

Die Frage der Rettung der Religion ist aber nicht nur historischer Bedeutung, sondern auch noch heute aktuell. Brauchen wir heute eine Religion (eine ‚subjektive, selbstverständlich) oder können wir darauf verzichten? Diese im Raum geworfene Frage stiftet eine sehr rege, interessante, aber vor allem menschliche Diskussion.  Jeder Teilnehmer enthüllt seine eigene religiöse Vision bzw. Religionsauffassung.

Zuerst beginnt Georg, der zweifelt, dass die vielen Menschen, die aus der Kirche heutzutage austreten, wirklich Atheist sind. Jeder hat irgendwie eine eigene Religion, so Georg. Dieses wird von Nils bestätigt, der einige persönlichen Erlebnisse von Bekannten erzählt, die angeblich Atheist waren, doch bei einer Filmvorstellung Herz und Empfänglichkeit für religiöse Motiven gezeigt haben.  Marco unterscheidet dann zwischen Materialisten (die wirklich an nichts anderes als die Materie und ihre Kraft glauben), Idealisten (die eine geistige Kraft über erkennen, die über die Materie steht, jedoch kein externer Gott ist) und schließlich die Gläubige, die an einem persönlichen Gott glauben. Marco definiert sich selber als Idealist und bestimmt die geistige Kraft als Kreativität, Das ist seiner Meinung nach die einzige Gottheit, die philosophisch begründet werden kann. Sara unterstützt diese Bezeichnung, die ihrer Meinung nach den Vorzug hat, dem Menschen die volle Freiheit der Handlung zu überlassen. Der Mensch ist bewusst kreativ, niemand schreibt ihm vor, was er zu kreieren hat. Sonja dagegen hält Marcos Bezeichnung als unangemessen, da diese geistige Kraft eh etwas ‚Unbeschreibbares‘ ist (dabei erinnert ihre fundierte Argumentation an Schelling, der das Absolute als Indifferenz von Natur und Geist in seiner Schrift System des transzendentalen Idealismus, bezeichnete). Paula erklärt, dass ihrer Meinung nach ‚Leben‘ die bessere Bezeichnung sei, und alles, was irgendwie lebt, bzw. existiert, das Göttliche in sich trägt (eine ähnliche Position wurde von Hegel im Frankfurter Systemfragment 1800 vertreten). Unsere Sprache weist hier jedoch Unzulänglichkeiten auf, da „göttlich“ hier nicht als Attribut eines externen Gottes zu verstehen ist, es aber an einem besseren Ausdruck mangelt. Für Anna ist die zwischenmenschliche Anerkennung, die die christliche Religion als heiligen Geist bezeichnet, der absolute Wert. Am Ende lässt Peter merken, dass wir uns über Religion und Gott unterhalten haben, nichts aber über die Hoffnung gesagt wurde.

Wir hoffen eben, dies in einer der nächsten Sitzungen aufzuholen!

(Dr. Marco de Angelis)

In der 6. und 7. Sitzung unserer Seminare wird die philosophische Ethik dargestellt

Wir werden uns mit der teilweise neuen vorgeschlagenen philosophisch-idealistischen Ethik beschäftigen, die in Philosophie für alle präsentiert wird und den Anspruch erhebt, als Vernunftreligion eine philosophisch-idealistische Globalisierung weltweit zu stiften.

Begriffe wie Vernunftreligion, universelle und unsichtbare Kirche wurden von Immanuel Kant 1793 in seinem Buch Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft formuliert. Es sind Begriffe, die heute aktueller denn je scheinen.

Darüber hinaus gründete Hegel in den darauffolgenden Jahren seine Auffassung einer Philosophie als Begründung einer selbstbewussten, freien Zivilisation. Wir finden diese in seiner ersten Ethikauffassung (Manuskript System der Sittlichkeit von 1802) sowie in dessen späterem Schluss, der mit dem Titel Fortsetzung des Systems der Sittlichkeit (1803-05) von seinem Biographen Karl Rosenkranz überliefert wurde. Darin definiert Hegel diese Zivilisation als ‚freies Volk‘, das er dann später in seinen Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte mit den germanischen Völkern identifizierte, worunter er die nordeuropäischen, protestantischen Völkern  meinte.

Gleichzeitig sprach der Philosoph dabei aber auch von einem ‚absoluten‘, universellen Geist, einem ‚Weltgeist‘, der dazu strebt, über die internationalen Beziehungen Freiheit für alle Menschen auf Erden (und nicht nur bei den ‚germanischen‘ Völkern) zu verwirklichen. Diese ist als Hegels Meinung über den Sinne der Geschichte zu betrachten.

Hegel war also nicht in der Lage, in seinem Leben diese Kontrast zu lösen zwischen einem Weltgeist, der auf Erden überall die Freiheit für alle früher oder später stiften wird, und der Identifizierung zu damaliger Zeit mit der ‚germanischen‘ Zivilisation, die wir heute im Allgemeinen als Westen bezeichnen würden (wobei eigentlich auch die kommunistischen bzw. ex-kommunistischen Ländern dazu gehören könnten). Seine Philosophie enthält aber die Grundideen für eine solche Lösung, die sich zwar in dem Begriff ‚Weltgeist‘ befindet, wurde aber von ihm aaus historischen Gründen nicht adäquat entwickelt.

In Philosophie für alle habe ich diese Problematik gelöst und eine Vernunftreligion für die Menschheit präsentiert. Die intersubjektive Anerkennung spielt dabei eine entscheidende Rolle, da nur sie dem Menschen ermöglicht, seinen Geist zu verwirklichen, also frei im wahren Sinne des Wortes zu leben. In diesem Bezug spielt eine Schlüsselrolle der Unterschied zwischen wahrer und falscher Unendlichkeit. Diese ist die die logische Grundlage, worauf die Unterscheidung zwischen wahrer und falscher Freiheit, die Willkür eigentlich ist, begründet werden kann.

Die wahre Freiheit verwirklicht sich dagegen im ethischen Leben, d.h. in den Institutionen der Gesellschaft, in denen wir unausweichlich leben. Diese sind:

  1. der Staat, der als Weltstaat seinen philosophisch begründeten Ausdruck finden;
  2. die Arbeit, die als Dienst angesehen werden soll;
  3. die Familie, deren Grundlage die Liebe zwischen Frau und Mann ist.

Nur ein Leben, das bewusst innerhalb diesen Institutionen gelebt wird, kann die Selbstverwirklichung des Geistes und deswegen sein Glück im Sinne von Erfüllung, Zufriedenheit ermöglichen. Grund dafür ist, dass die wahre Unendlichkeit, also die Fähigkeit, sich kreative Ziele zu geben und diese im eigenen Leben zu verwirklichen, die logische Grundstruktur des Geistes, sein Wesen, seine Natur ist. Ein authentisch geistiges und deshalb glückliches, erfülltes Leben kann deshalb nur dann erfolgen, wenn man kreativ, also nach dem Prinzip der wahren Freiheit bzw. der wahren Unendlichkeit lebt. Diese bestehen darin, einen Sinn zusammen mit anderen Menschen dem eigenen Leben zu geben und dieses Ziel gemeinsam zu verwirklichen.

In den letzten zwei Sitzungen beider Seminare werden wir uns mit dieser Problematik beschäftigen, und die Rolle untersuchen, die dabei die Digitalisierung spielen kann.

(Dr. Marco de Angelis)

Einladung zum 19. Philosophietreffen am 15.1.2019

Liebe Philosophiefreundinnen und -freunde,

hiermit lade ich Euch zum 19. Treffen unserer Phileuropa ‚Diskussionsgruppe‘ ein. Wir werden uns am Dienstag den 15. Januar treffen. Hier folgt das Programm.

Dienstag, den 15. 1.2019

Raum C14.203, ab 19:30 Uhr

19.45-20.45 Uhr

Sonja Wernicke
(und Marco de Angelis)

Die Relevanz praktischer Philosophie im Allgemeinen und
Kants 
Moralphilosophie im Besonderen in der heutigen Zeit

20.45-21.00: Pause

21.00-21.45

Sonja Wernicke
(und Marco de Angelis)

Einflüsse von Rousseau und Kant auf Hegel in seiner Jugendzeit
am Beispiel von Text 16 aus den Frühen Schriften

21.45-22.00: Planung der nächsten Sitzung und Abschied

(Dr. Marco de Angelis)

Mit der 5. Sitzung unserer Seminare fürs Leuphana-Semester erfolgt die Wende von der theoretischen zur ethischen Philosophie

Mit der Erörterung der tiefen Bedeutung einer monistischen Weltauffassung haben wir bei der 4. Sitzung die Darstellung des theoretischen Teils des Systems der Philosophie zu Ende gebracht. Ergebnis davon ist, dass der Mensch in seinem Wesen logische Kreativität ist und diese darin besteht, ‚Begriffe‘, ‚Konzepte‘ auszuarbeiten und zu verwirklichen. Diese Tätigkeit allerdings ist auch die Tätigkeit des Absoluten, d.h. der Kraft, die dem Monos, dem Ganzen zugrundeliegt und überall im Universum sowie zu jederzeit neue Seienden schöpft, kreiert.

Dabei ist es hervorgekommen, wie wichtig es ist, das Denken richtig zu definieren. Insbesondere scheint das Denken als Vernunft nicht nur etwas Subjektives, sondern ebenso etwas Objektives zu sein. Es gibt selbstverständlich Vernunft im Menschen, es gibt aber auch Vernunft überall auf der Welt. Die Welt ist vernünftig strukturiert. Alles entwickelt sich nach einigen logischen Prinzipien, die dann die Grundlagen der Gesetze der Natur bilden. Diese logischen Prinzipien bilden  die Grundstruktur des ‚Monos‘, der einzigen Totalität von dem, was gibt (Welt, Universum, Seiendes, Ganzes usw. egal wie wir es ausdrücken wollen).

Wir können diese Prinzipien erkennen, indem wir unsere Vernunft erforschen, da eben diese Prinzipien sind die Kategorien, die reinen Begriffe, worüber insbesondere schon Aristoteles, Kant, Hegel geschrieben haben), worin unsere subjektive Vernunft besteht. Die Kategorien sind das Wesen der Vernunft, ihr Stoff, sozusagen.

Das Hauptmerkmal der Vernunft, also der Kategorien, ist die Kreativität. Die Kategorien sind nicht etwas Festes, sondern in ständiger Bewegung, in kontinuierlicher Entwicklung, und das bildet das Leben des Geistes. Wir sind eben ständig geistig in Bewegung, nie zufrieden, wir wollen immer etwas Neues erschaffen, erreichen im Leben.

Die Kreativität ist aber auch das Hauptmerkmal der Materie, also der Natur, die ebenso ständig in Bewegung, in Entwicklung ist. Es könnte nicht anders sein, weil eben die Vernunft also die Kreativität überall wirkt.

Diese Erkenntnis führt dazu, dem Menschen einen absoluten Wert, eine absolute Würde zuzusprechen. Der Mensch ist die Verkörperung der absoluten Vernunft, des Prinzips der Welt (im Sinne der ‚causa finalis‘).

Damit wird der Mensch als ‚absoluter Geist‘ definiert, d.h. der Mensch ist ein geistiges Wesen, das sich schon teilweise in der Religion, aber dann vollständig in der Philosophie mit dem Absoluten identifiziert.

Diese Auffassung des Absoluten gründet eine neue Zivilisation, eine philosophische Zivilisation. Dieser Zivilisation liegt eine philosophische Vernunftreligion bzw. Vernunftethik zugrunde.

Diesbezüglich werden wir einige sehr wichtigen Texte gelesen, und zwar aus Kants praktischer Philosophie und aus Hegels Philosophie des Geistes.

Kant fordert uns auf, die Menschheit sowohl in uns selbst als auch in den anderen Menschen immer als Zweck und nie als Mittel zu behandeln.

Hegel erklärt uns, dass die gegenseitige Anerkennung die Grundlage aller Formen des Zusammenseins ist, wie etwa Freundschaft, Familie, Staat und dass diese philosophische Haltung eine neue Phase in der Geschichte der Menschheit eröffnet.

Dem Verständnis dieser neuen philosophischen Zivilisation wollen wir uns in den letzten drei Sitzungen beider Seminare widmen.

(Dr. Marco de Angelis)

Einladung zur philosophischen Weihnachtsfeier am 11.12.2018

Nächsten Dienstag wollen wir zusammen eine kleine Weihnachtsfeier gestalten, in der wir munter und in gemütlicher Athmosphäre diskutieren können! Einen Ausblick auf die Themen findet ihr in der Einladung! Da aber ein hungriger Geist nicht denken kann und nicht inspiriert ist, wollen wir ein buntes Büffet zusammentragen! Jeder bringt was mit – dann wird es so super wie im Sommer!

Vorweihnachtliche Grüße von Ulrike, Patrick und Paula!

Einladung zum 18. Philosophietreffen der Diskussionsgruppe am 11.12.2018

Liebe Philosophiefreundinnen und -freunde,

hiermit lade ich Euch zum 18. Treffen unserer Phileuropa ‚Diskussionsgruppe‘ ein. Wir werden uns wie gewöhnt am Dienstag den 11. Dezember  (19.30 Uhr, Raum C14.203) treffen.

Es sind keine Referate vorgesehen, wir werden uns in Gruppen aufteilen und philosophische Fragen diskutieren, die Paula Gürtler zusammen mit anderen Teilnehmern vorbereiten wird.

Jeder kann an Paula (lg074158@stud.leuphana.de) eine Nachricht mit einer philosophischen Frage zukommen lassen.

Liebe Grüße,

(Dr. Marco de Angelis)

PS.Dazu:

  1. Protokoll des 17. Treffens der Diskussionsgruppe vom 27.11.2018 (s. unten auf dieser Homepage)
  2. Protokoll der Treffen der Aktiv-Gruppen am 28. Und 29.11.2018 (s. unten auf dieser Homepage)
  3.  Hier ist das Link zu den Audiodateien: https://www.dropbox.com/sh/scxg9q1uni8dtqe/AAB1m5zpA1pZdMNBA2GX47uNa?dl=0
  4. Videodateien sind vorhanden und von mir zu bekommen.

Protokoll der 3. Sitzung von PhilEuropa Lüneburg am 28.11.2018 (Aktivgruppen)

Treffen der Aktiv-Gruppen Finanzierung und Politik am 28.11.2018 – Protokoll

Die Philosophie-Gruppe am Dienstag ist ein Raum für Diskussionen, in dem unterschiedliche Themen offen besprochen werden können, jede*r willkommen ist und vor allem neue Mitglieder aus den Seminaren e von Herrn de Angelis aufgenommen werden. Darüber hinaus sind nun „aktive Gruppen“ geplant, die in Aktion treten, etwas Konkretes erarbeiten und philosophisch relevante Aspekte nach außen tragen.

Es soll mehrere kleine Gruppen geben, die sich aktiv mit jeweils einem bestimmten Thema auseinandersetzen und ein Ziel haben, an dem sie arbeiten. Als Themen sind bisher die Umsetzung einer philosophischen Zeitschrift, die Finanzierung der Initiativen sowie die Vorbereitung und Gründung einer philosophischen Bewegung bzw. Partei angedacht. Dabei bilden sich die Gruppen aus Herrn de Angelis und wenigen anderen Personen, zu denen im Laufe der Zeit mehr Mitglieder dazukommen können.

Momentan formen sich vor allem die Gruppen zur Finanzierung der Initiative und zu den inhaltlichen Grundsätzen einer philosophischen Partei und heißen gerne weitere Mitglieder willkommen. Ab Januar sollen zwei weitere AktivGruppen starten, und zwar eine erste Gruppe, die sich mit der philosophischen deutsch-italienischen Zeitschrift beschäftigen wird, und eine zweite Gruppe, die sich darüber Gedanken machen wird, wie ein philosophisches (europäisches, weltweites) Schulsystem aussehen soll.

Aktivgruppe Finanzierung

Beim ersten Treffen hat die Gruppe beschlossen, über die Möglichkeiten nachzuforschen, Finanzierungen für unsere Projekte zu finden. Dabei sind 3 Hauptrichtungen identifiziert worden:

  1. Europäische Projektgelder ERC (Europäisches Forschungsrat): https://www.eubuero.de/erc.htm
  2. Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG): http://www.dfg.de/
  3. Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD): https://www.daad.de/de/
  4. Verschiedene Einzelstiftungen: https://www.stiftungen.org/startseite.html

In den kommenden Monaten soll intensiv nach einer Finanzierung gesucht werden, damit Projekte wie die philosophische deutsch-italienische Zeitschrift und andere in die Wege geleitet werden können.

Aktivgruppe Politik

Die Gruppe, die sich heute getroffen hat, wird sich mit der Vorbereitung und Gründung einer philosophischen Partei bzw. Bewegung beschäftigen. Dabei ist geplant, die Grundsätze einer solchen Partei zu diskutieren und aufzustellen. Dieser europäischen/weltweiten/kosmopolitischen Partei soll der Gedanke zugrundeliegen, dass Europa als Staatengemeinschaft bzw. als Staat eine neue und gerechtere Denkweise vertreten sollte.

 „Europa soll ein Staat sein, dem – auch laut seiner Verfassung –  die Philosophie statt der Wirtschaft zugrundeliegt. Europa soll nicht im wirtschaftlichen und politischen Sinne den eigenen Vorteil verfolgen, sondern sich zum allgemeinen Gemeinwohl bekennen und für das Wohlergehen der gesamten Menschheit einstehen.“

Dieser Grundsatz würde eine fundamentale Änderung bestehender Auffassungen und Handlungsweisen bedeuten und könnte die Zustände auf der Welt nennenswert verändern. Die Idee hängt auch mit dem Gedanken zusammen, dass Frieden nicht nur die Abwesenheit von Krieg bedeutet, sondern auch Frieden mit sich selbst und anderen –  also auch damit, alles Mögliche zu tun, um zum Wohlergehen aller Menschen beizutragen. Wie kann man in Frieden mit sich selbst sein, wenn man sich dessen bewusst ist, dass so viele Menschen, darunter Kinder, nicht einmal etwas zu essen auf dem Tisch haben? Oder wenn man sich der Gefahr bewusst ist, der die Umwelt und somit die Lebensgrundlage der Menschheit ausgesetzt ist?

Sich für den Frieden einzusetzen, was laut Manifest von Ventotene der ursprüngliche Sinn des europäischen Projekts ist, bedeutet also weitaus mehr als Abwesenheit von Kriegen. Das Projekt ‚Europa‘ hat also einen weltweiten, kosmopolitischen, philosophisch tiefen Sinn.

Es ist als ein Ziel angedacht, diese Bewegung auf europäischer Ebene Ende 2019 formal zu gründen, nachdem Statute und Grundsätze erarbeitet wurden, und sich ab 2020 damit zu beschäftigen, was daraus werden kann. Insgesamt scheint eine Bewegung notwendig, die zukunftsorientierte Gruppen und Personen verbindet und damit eine große Veränderung möglich macht. Oft sind Bewegungen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen, gespalten, obwohl sie ähnliche Ziele haben. Sie sollten durch einen „gemeinsamen Nenner“ geeint werden, damit sie stärker werden können. Die Philosophie könnte so einen gemeinsamer Nenner bilden und als ‚philosophische Bewegung‘ andere Gruppen und Strömungen vereinen.

Für die Gruppe, die sich damit beschäftigt, ist zuerst eine eher theoretische Beschäftigung mit dem Thema und den Grundlagen geplant. Als Erstes sollen die Grundsätze und die Statute der neuen philosophischen Bewegung erarbeitet werden. Dazu gibt es die Überlegung, eine Art Glossar für die oft verwendeten Begriffe zu erstellen sowie wichtige Textstellen aus den Originalwerken von Plato, Rousseau, Kant, Hegel, Marx und anderen wichtigen Philosophen gemeinsam zu lesen. Diesbezüglich ist auch zu überlegen, ob die Lektüre als ein offizieller Kurs an der Universität, zum Beispiel im Rahmen des Minors Philosophie bzw. des Komplementärstudiums, anzubieten wäre. Auf diesen Grundlagen, die im Wesentlichen in dem von Herrn de Angelis verfassten Buch und den zugrundeliegenden Theorien bestehen, können die Grundsätze und Statute der europäischen/kosmopolitischen philosophischen Bewegung bzw. Partei diskutiert und erarbeitet werden.

(Ada Huntebrinker, Marco de Angelis)

 

 

Protokoll der 17. Sitzung der Philosophiegruppe Lüneburg am 27.11.2018 (Diskussionsgruppe)

Protokoll des 17. Treffens von PhilEuropa Lüneburg
Dienstag, den 27. November 2018 (19:30 bis 22:00)
Leuphana Universität Lüneburg

Referate:

1. Referat: Zur Aktualität von Kants Religionsschrift – Jannis Kallinich 2. Referat: Ideen zu einer europäischen Schule – Patrick Schulz

Jannis führt in das Thema ein. Kant unterscheidet zwischen dem statutarischen Gesetz und dem moralischen Gesetz. Dabei sollen die Gebote Gottes den Menschen durch Verbote negativ sensibilisieren. Der Mensch muss jedoch zeitlebens sich gegen „böse“ Entscheidungen/Taten wehen. Das Ziel sei es unter Tugendgesetzen (Vernunft-vorstellungen) eine Gesellschaft zu bilden.

Man benötigt für eine solche Gesellschaft einen ethischen Gesetzgeber. Des Weiteren strebt Kant die „unsichtbare Kirche“ an, was meint, alle Menschen in einem Gemeinwesen zusammenzuführen, um nach den Tugendgesetzen zu leben. Regelungen würden in einer Schrift festgehalten und können grundsätzlich weiterentwickelt, aber nicht aufgehoben werden.

Patrick führt in das Thema ein. Wenn man die Schule einordnet, so ist diese eine Institution mit einem Bildungsauftrag, welcher von der organisatorischen Einheit bestimmt wird. Darüber hinaus soll die schulische Bildung das Ziel der Mündigkeit der SuS verfolgen. Durch den Beutelsbacher Konsens wurden das Überwältigungsverbot, das Kontroversitätsgebot und die Schülerorientierung festgeschrieben, welches der Lehrkraft Grenzen setzt.

Einige Perspektiven zeigt Patrick auf, was in einem zukünftigen Bildungssystem wichtig ist (Einheitsschule – Inklusion statt Selektion, Berufsschulen mit Hochschulen gleichsetzen). Auch Baustellen zeigt er auf (Religionsunterricht – wichtig oder kann weg?). Zur Debatte stand unter anderem die Wissen- und Kompetenzvermittlung sowie die Stellung des Fachs „Philosophie“.

(Malte Harlapp)

PS. Von dieser Sitzung sind Audio- und Videoaufnahmen vorhanden

Die 3. Sitzung beider Philosophieseminare fürs Leuphana-Semester hat ein Zeichen gesetzt! (21.11.2018)

Es ist heutzutage eine weitverbreitete Meinung, dass es keine objektive, absolute Wahrheit gibt.  Daraus resultieren zwei Denk- und Lebenseinstellungen, Skeptizismus und Relativismus, die sich dann besonders in der  Ethik bemerkbar machen und verheerende Folgen haben. Wenn es keine objektive Wahrheit gibt, dann gibt es auch keine objektive, allgemeingeltende Werte Es ist alles richtig, Rassismus ist ebenso richtig wie Menschenliebe. Das wollen wir natürlich nicht, so ist es absolut wichtig, die Fähigkeit des Menschen zu verstehen und zu begründen, Wahrheit zu erlangen. Das Gegenteil wäre in der Tat für die menschliche Gesellschaft fatal. Ein Minimum an Konsens über die Werte, wie etwa Respekt, Freiheit, Demokratie usw., ohne die selbst das Zusammenleben der Menschen unmöglich ist, ist in der Tat in jeder Gesellschaft absolut nötig. Ohne allgemeingeltende Werte würde es auch keine Menschenrechte geben wie auch keine Orientierung im Leben, die im Prinzip für alle gelten kann.

 In dieser Sitzung haben wir damit begonnen, die theoretischen und praktischen Gründe für die Objektivität und Absolutheit der Wahrheit zu erläutern. Es handelt sich um die von uns entwickelte Theorie des ‚ich verstehe‘. Diese ist in den Lektionen 4-6 des Buches Philosophie für alle behandelt.

Diese Theorie wird vor allem durch eine Umkehrung des Blickpunktes gekennzeichnet, aus dem wir die Objektivität bzw. die Welt betrachten. Das alltägliche Leben wie auch die obenerwähnten philosophischen Auffassungen des Skeptizismus und des Relativismus verbergen einen ‚dualistischen‘ Standpunkt. Damit ist gemeint, dass der Mensch, das Subjekt, sich von der Natur, vom Objekt, völlig unterschieden ansieht und die Natur als etwas ‚Fremdes‘ ansieht, etwas das außen ihm gegenüber ist. Subjekt und Objekt stehen sich aus der Perspektive dieses Blickpunktes  gegenüber, das Subjekt betrachtet die Welt als etwas, das vor ihm steht.

Aus dieser Perspektive heraus entwickelt sich die Problematik der Wahrheit, d.h. einer korrekten Korrespondenz zwischen dem, was das Subjekt vom Objekt weiß, und dem, was das Objekt an sich ist. Der letzte große, weltberühmte Philosoph, der diese Problematik besonders intensiv behandelt, hat, ist Immanuel Kant gewesen. Sein Hauptwerk Die Kritik der reinen Vernunft  ist genau aus diesem Blickpunkt heraus verfasst worden.

Die Trennung von Subjekt und Objekt, Geist und Materie, Mensch und Natur hat auch gravierende Folgen in der Ethik. Die verheerendste ist die Spaltung des Menschen in Seele und Körper, so dass die Sinnlichkeit, die Gefühle, die Leidenschaften und im Allgemeinen alles, was im menschlichen Körper seinen Ursprung hat,  als etwas Negatives, als Sünde betrachtet wird. Die christliche Religion und die monotheistischen Religionen überhaupt vertreten z.B. Moraltheorien, die das Glück des Menschen nicht in diesem materiellen Leben auf Erden, sondern in einem völlig spirituellen Leben im Jenseits ansehen.

Allen diesen Theorien, die unser Alltag nicht nur in der Vergangenheit bestimmt haben, sondern noch heute die Lebensweise von Millionen von Menschen prägen, liegt eben eine dualistische Vision des Verhältnisses zwischen Subjekt und Objekt zugrunde.

Dagegen hat sich in der Vergangenheit die gegensätzliche Auffassung gestellt, die des ‚Monismus‘. Während Dualismus kommt aus dem Lateinischen ‚duo‘, also zwei, das Wort ‚Monismus‘ kommt aus dem altgriechischen ‚Monos‘, d.h. ‚eins‘.

Dieser Auffassung nach sind Subjekt und Objekt eine untrennbare Einheit, sie sind ein einziges Ding, das zwei verschiedene Aspekte hat, ein materielles – die Natur als Materie und ‚Außenwelt‘ – sowie ein geistiges, der Mensch als Seele und ‚Innenwelt‘. Die ‚Innenwelt‘ unserer Seele ist aber gleichzeitig Teil der Außenwelt, die sie wiederspiegelt und zu erkennen versucht. Die Außenwelt ist, sozusagen, der Behälter, in dem die seelische Innenwelt lebt und tätig ist.

Das, was auf der Welt also richtig existiert, ist also das ‚Monos‘, das die Philosophen dieser Denkrichtung verschieden formuliert haben (z.B. der griechisch Parmenides im vierten Jahrhundert v. C. als ‚das Seiende‘, Spinoza im siebzehnten Jahrhundert als ‚die Substanz‘ von allem, Hegel im neunzehnten Jahrhundert als ‚das Absolute‘ usw.). Das Monos ist das Ganze, wovon Geist und Materie, Mensch und Natur die zwei Hauptteile darstellen.

Die Ergebnisse der Naturwissenschaften, z.B. die Evolutionstheorie, beweisen heutzutage die Richtigkeit einer solchen monistischen Weltauffassung.

Aus diesem ganzheitlichen Standpunkt heraus lässt sich sowohl die erkenntnistheoretische Problematik der Wahrheit als auch die ethische Problematik des Verhältnisses zwischen Körper und Seele im Menschen einfach lösen. Da die Menschen ein Teil der Natur sind, insbesondere derer selbstbewusstes und freies Teil, sind sie ihr total angepasst und deshalb fähig, mit der Natur zu kommunizieren, sie zu verstehen, also die Wahrheit zu erkennen. Die Menschen sind also wahrheitsfähig, genauso wie sie gehfähig, sprachfähig usw. sind. Was die Ethik betrifft, sind die Hauptinstinkte, die den Menschen zu Handlungen bewegen, in sich ‚gut‘, da sie in der Natur verankert sind und zu einem glücklichen Leben auf dieser Erde, nicht erst im Jenseits, führen können.

Diesbezüglich lässt es sich noch viel mehr sagen, was wir im Unterricht auch gesagt haben und sowohl in den entsprechenden Audioaufnahmen zu hören ist als auch in den Lektionen 4-6 des Buches Philosophie für alle, wo alles dargestellt und begründet wird, gelesen werden kann.

Nachforschungszweige sind in diesem Bezug folgende Begriffe und Themen:

Erkenntnistheorie,
Wahrheitstheorie
Subjekt-Objekt
Körper-Seele
Relativismus
Skeptizismus
Dualismus
Monismus

Die Philosophen, die erwähnt worden sind: (Parmenides, Bruno, Spinoza, Kant und Hegel.

Jeder von diesen Themen könnten Gegenstand der Hausarbeit sein.

Am Montag, den 26. November, gehen beide Seminare weiter. Es wird die Begründung der Richtigkeit einer monistischen Welt- und Menschenauffassung abgeschlossen sowie die Schlüsse für die entsprechende Menschenauffassung gezogen. Danach werden sich dann ab der 5. Sitzung die Seminare auf verschiedenen Schienen weiterentwickeln: Das eine wird eher die politische Theorie des Staates und der Menschenrechte behandeln, während das andere sich vornehmlich mit der Theorie einer glücklichen Lebensführung beschäftigen wird. Da es aber keine glückliche Lebensführung in einem ungerechten Staat geben kann, werden sich auch in den folgenden Sitzungen die Themen beider Seminare unausweichlich kreuzen sowie sich aufeinander beziehen.

(Dr. Marco de Angelis)