Einladung zum 22. Treffen von Phileuropa am 16.4.2019

Liebe Philosophiefreundinnen und -freunde,

hiermit lade ich Euch zum 22. Treffen unserer Phileuropa ‚Diskussionsgruppe‘ ein. Wir werden uns am Dienstag, den 16. April, im Raum C 14.102b treffen. Hier folgt das Programm.

Dienstag, den 16.4.2019

Raum C14.102b, ab 20 Uhr (ACHTUNG: Beginn später als üblich!)

Voraussichtliche Referate:

20.15-21 Uhr

NILS BASSEN

Hat die angelsächsische Philosophie einen Einfluss
auf Hegels Selbstverwirklichung?

Am selben Tag findet eine interessante Veranstaltung an der Universität, und zwar folgende:

PRECHT UND NASSEHI DISKUTIEREN DIGITALISIERUNG

16.04.2019 Lüne­burg. Im Rah­men ei­nes öffent­li­chen Po­di­ums­gesprächs am 16. April wer­den Leu­pha­na-Ho­no­rar­pro­fes­sor Dr. Ri­chard Da­vid Precht und der Münche­ner So­zio­lo­ge Prof. Dr. Ar­min Nas­sehi an der Leu­pha­na Uni­ver­sität Lüne­burg über Chan­cen und Ri­si­ken der Di­gi­ta­li­sie­rung dis­ku­tie­ren. Precht hat­te kürz­lich un­ter dem Ti­tel „Jäger, Hir­ten, Kri­ti­ker“ eine „Uto­pie für die di­gi­ta­le Ge­sell­schaft“ veröffent­licht. Ar­min Nas­sehi re­zen­sier­te die­ses Buch in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung. Die von Precht in sei­nem Buch ver­tre­te­nen The­sen bil­den den Aus­gangs­punkt des Gesprächs, das von Prof. Dr. Chris­toph Jam­me mo­de­riert wird. Die Dis­kus­si­on steht im Zu­sam­men­hang mit dem von der Heinz Nix­dorf Stif­tung und dem Stif­ter­ver­band geförder­ten Pro­jekt „DA­Tax“ am Leu­pha­na Col­le­ge. Die In­itia­ti­ve zielt dar­auf ab, Stu­die­ren­de zu befähi­gen, im Zeit­al­ter des di­gi­ta­len Wan­dels Aus­sa­gen und Zu­sam­menhänge aus Da­ten selbst­be­stimmt, ver­ant­wor­tungs­voll und re­flek­tie­rend zu hin­ter­fra­gen und zu be­wer­ten.

Die Ver­an­stal­tung be­ginnt um 18 Uhr im Li­bes­kind-Au­di­to­ri­um der Leu­pha­na, Uni­ver­sitätsal­lee 1, 21335 Lüne­burg. Alle In­ter­es­sier­ten sind herz­lich ein­ge­la­den.

Zu den Gästen:

Der be­kann­te Phi­lo­soph, Pu­bli­zist und Best­sel­ler-Au­tor Dr. Ri­chard Da­vid Precht ist seit 2011 Ho­no­rar­pro­fes­sor an der Leu­pha­na Uni­ver­sität Lüne­burg. Im Leu­pha­na Col­le­ge und an der Gra­dua­te School der Uni­ver­sität bie­tet er Lehr­ver­an­stal­tun­gen in Phi­lo­so­phie an.

Der So­zio­lo­ge und Pu­bli­zist Prof. Dr. Ar­min Nas­sehi hat seit 1998 den Lehr­stuhl für All­ge­mei­ne So­zio­lo­gie und Ge­sell­schafts­theo­rie an der Lud­wig-Ma­xi­mi­li­ans-Uni­ver­sität München inne. Seit 2012 ist Nas­sehi Her­aus­ge­ber der Zeit­schrift Kurs­buch. Für sei­ne pu­bli­zis­ti­sche und wis­sen­schaft­li­che Ar­beit wur­de er viel­fach aus­ge­zeich­net.

Kontakt:
Lau­ra Picht
Col­le­ge – Mo­dul „Wis­sen­schaft lehrt Ver­ste­hen“
Leu­pha­na Uni­ver­sität Lüne­burg
lau­ra.picht@leu­pha­na.de

 Ich werde an dieser Veranstaltung teilnehmen und erst nach der Veranstaltung zu dem Treffen kommen. Solltet Ihr ohne mich anfangen wollen, geht es selbstverständlich, ich komme dann dazu. Es wäre aber auch interessant, wenn wir alle zu der Veranstaltung hingehen und anschließend darüber diskutieren würden. Diejenigen, die zur Veranstaltung hingehen wollen, sollen sich bei mir bitte melden.

(Dr. Marco de Angelis)

Phileuropa: Protokoll der 20. Sitzung am 22.1.2019

PhilEuropa Lüneburg, Dienstag, den 22. Januar 2019 (19:30 bis 22:00), Leuphana Universität

Das erste Referat von Lara Erichsen Bargallo

Monismus im künstlerischen Schaffensprozess

hat sich mit der Problematik der Beziehung zwischen Musik und Gesellschaft beschäftigt. Lara, die Lieder singt, sich mit der Gitarre begleitet und auch selber komponiert, hat uns über die existentielle Situation eines Musikers, der das Leben um sich herum empfängt und dann durch seine Musik wiedergibt. Die philosophische Theorie des Monismus, die in unserem philosophischen Seminar eine zentrale Rolle spielte, ist die richtige Grundlage, um das Leben eines Musikers richtig zu begreifen.

An einer anschließenden, sehr interessanten Diskussion, konnte Lara leider nicht teilnehmen, da sie zu einem wichtigen Termin sofort hinfahren musste.

Das zweite Referat

Ist das System „Kapitalismus“ im Sinne der philosophischen Wahrheit der richtige Weg oder bedingt es eine Abkehr dieses Systems hinzu einem „kreativen Sozialismus“?

wurde von Nils Bassen gehalten.

Es wurde ein kleiner Einblick in den Kapitalismus in philosophischer Hinsicht gegeben. Anhand Adam Smith, John Maynard Keynes und Karl Marx wurde der Kapitalismus beschrieben und es sind verschiedene Paradoxe durch den angelsächsischen Einfluss verdeutlicht. Anhand der Euro-Krise und den Fehlentscheidungen die nicht wegen, sondern mit Hilfe falscher kapitalistischer und liberal-willkürlicher Entscheidungen getroffen worden sind, wurde klar, dass wir nicht in einer wirtschaftlichen Krise stecken. Die Probleme in Europa sind trotz der gemeinsamen Geschichte viel tiefer, denn die philosophische gemeinsame Grundlage scheint durch Konsum und Sättigung des Individuums abgeschoben worden zu sein.

Eine intensive Diskussion hat das Referat abgerundet.

Alles ist hier zu hören:

https://www.dropbox.com/sh/scxg9q1uni8dtqe/AAB1m5zpA1pZdMNBA2GX47uNa?dl=0

(Marco de Angelis und Nils Bassen)

Seminar über die Agenda 2030: Zusammenfassung der 1. Sitzung am 1.4.2019

Am 1. April – pünktlich zum Semesterbeginn um 8.15 Uhr  – hat  die erste Sitzung des Seminars für das Lüneburger Komplementärstudium stattgefunden. Das Thema des Seminars ist wie auch im Sommersemester 2018 Die philosophischen Voraussetzungen der Agenda 2030: der Begriff „eine Welt“ und die Aufhebung der Nationalstaaten in einen Weltstaat. Auch in diesem Semester erreichen die Anmeldungen die maximale Teilnehmerzahl (42 Studierenden), weitere 10 sind auf der Nachrückerliste: ein voller Erfolg also!.

In der ersten Sitzung wurde im Allgemeinen über die Auffassung eines Weltstaates als der einzigen Dauerlösung für die aktuellen Probleme der Menschheit gesprochen. Es wurden viele Begriffe angesprochen, die dann im Laufe der weiteren Sitzungen vertieft werden sollen. Es wurde insbesondere den Sinn von Europa als Hoffnungsträger für den Frieden auf Erden unterstrichen. Europa hat geschafft, in seinem Inneren Frieden zu stiften und sein philosophischer Sinn müsste es sein, dazu beizutragen, dass Frieden weltweit etabliert wird.

Der Motor dazu soll die Philosophie sein. Es ist darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Geschichte von Europa und die Geschichte der Philosophie zusammenfallen. Im Laufe dieser Geschichte ist es den Philosophen gelungen, gemeinsame Werte zu verstehen und zu definieren, die die Identität des europäischen Volkes sowie auch die Identität von allen Menschen bilden sollen, die ihr Leben auf Vernunft gründen.

Dieses Ziel kann die Philosophie nur erreichen, indem sie sich als richtige Wissenschaft präsentiert, was sie definitiv auch ist. In diesem Bezug ist die Wichtigkeit der philosophischen Bewegung der Aufklärung hervorgehoben worden sowie auch die zentrale Stellung in der Geschichte aber auch in unserem Leben des logischen Prinzips der ‚Aufhebung‘ dargestellt. Dieser ganz wichtige Begriff wurde von Hegel in seiner Logik erläutert und begründet. Damit konnte der Philosoph aus Stuttgart dann auch erklären, wie die Geschichte der Philosophie von einem Fortschritt gekennzeichnet sei. Dieser Fortschritt ist die Grundlage der Wissenschaftlichkeit der Philosophie.

Als Wissenschaft führt die Philosophie zu einer Wahrheit, die ich sich gültig und objektiv ist. Darüber wird man sicherlich viel diskutieren, ist es aber wichtig, diese Auffassung richtig zu begreifen, weil es ohne Wahrheit kaum Wissenschaftlichkeit gibt, sondern nur subjektive Meinung, also kein richtiges Wissen. Das ist natürlich nie als Dogma anzusehen, jede Wahrheit kann immer verbessert werden, deswegen man soll gleichzeitig auch kritisch sein, also kritisch zu sein und von der Wahrheit überzeugt zu sein ist kein Widerspruch. Man soll sicher von den eigenen Argumenten und Schlüssen sein, trotzdem immer auch denken, dass es auch bessere Argumente und bessere Schlüsse geben könnte. Die Würde des Menschen ist zum Beispiel eine solche Wahrheit, die wir objektiv erkennen und begründen können, wir können aber nicht zu 100% sagen, dass es unmöglich ist, dass jemand in Zukunft das Gegenteil beweisen kann.

Es wurde dann viel mit den Studierenden diskutiert und dabei wurden viele andere Begriffe angesprochen, die später im Laufe des Seminars erörtert und begründet werden sollen.

Am Ende wurden einige Infos bezüglich der Bücher, der Hausarbeit und weiteren praktischen Fragen gegeben. Es war insgesamt ein sehr erfolgreicher Start vor einem Publikum von etwa 20-30 Studierenden.

Zu den Dropboxaudiodateien der Sitzung kommt man über diesen Link:

https://www.dropbox.com/sh/oddqf8084xkdpyx/AAAVY2vC6zpqhWpmhDJMtNypa?dl=0

Die zweite Seminarsitzung findet laut Seminaplan am Montag den 15. April statt.

(Dr. Marco de Angelis)

Einladung zum 21. Treffen von Phileuropa am 2.4.2019

Einladung zum 21. Philosophietreffen von Phileuropa.de

Liebe Philosophiefreundinnen und -freunde,

hiermit lade ich Euch zum 21. Treffen unserer Phileuropa ‚Diskussionsgruppe‘ ein. Wir werden uns am Dienstag, den 2. April, im Raum C 14.102b treffen. Hier folgt das

Programm.

Dienstag, den 2.4.2019

Raum C14.102b, ab 19:30 Uhr

Voraussichtliche Referate:

19.45-20.45 Uhr

SARA ZWISCHENBRÜGGER

Identität: Der Schlüssel für ein gemeinsames Europa

20.45-21.00: Pause

21.00-21.45

NILS BASSEN

Hat die angelsächsische Philosophie einen Einfluss
auf Hegels Selbstverwirklichung?

21.45-22.00: Planung der nächsten Sitzung und Abschied

 

Einladung zum 20. Treffen von Phileuropa am 22.1.2019

Liebe Philosophiefreundinnen und -freunde,

hiermit lade ich Euch zum 20. Treffen unserer Phileuropa ‚Diskussionsgruppe‘ ein. Wir werden uns am Dienstag den 22. Januar treffen. Hier folgt das Programm.

Dienstag, den 22.1.2019
Raum C14.203, ab 19:30 Uhr

Voraussichtliches Referat:

19.45-20.45 Uhr

LARA ERICHSEN BARGALLÒ

Monismus im künstlerischen Schaffensprozess
(Lara singt und spielt Gitarre, sie wird uns auch eine kleine
musikalische Unterhaltung schenken)

20.45-21.00: Pause

21.00-21.45

NILS BASSEN

 Ist das System „Kapitalismus“ im Sinne der philosophischen Wahrheit der richtige Weg oder bedingt es eine Abkehr dieses Systems
hinzu einem „kreativen Sozialismus“?

21.45-22.00: Planung der nächsten Sitzung und Abschied

Bis zum kommenden Dienstag!

(Dr. Marco de Angelis)

 

Protokoll der 19. Sitzung von Phileuropa am 15.1.2019

Die 19. Sitzung unserer Gruppe am 15.1.19 war besonders intensiv. Wir hatten das Referat von Sonja Wernicke, die sich in ihren Hausarbeiten mit den Jugendschriften Hegels und den verschiedenen philosophischen Einflüssen, die auf ihn wirkten, beschäftigt hat. Marco de Angelis begleitete beim Referat Sonja, da es sich um sehr spezielle Themen handelt, worüber in den letzten Jahrzehnten eine rege historische Forschung gegeben hat. Dazu kommt eine persönliche Erinnerung, da sich Marco schon als junger Student damit beschäftigte, sowohl sein Magisterarbeit als auch seine Doktorarbeit hatten genau den jungen Hegel als Gegenstand.

Zu Beginn der Sitzung erklärt Marco eben den wissenschaftlichen Grund, der die Grundlage der Erforschung der Jugendschriften eines Philosophen bildet. Jeder Philosoph entwickelt seine Philosophie und natürlich seine eigene Begriffe und die entsprechende Sprache allmählich, Jahr nach Jahr, in einem Prozess der oft Jahrzehnte dauert (bei Hegel z.B. 20-30 Jahre). Wenn wir seine reifen Werke in den Händen nehmen, merken wir gleich, dass uns seine Sprache und seine Begriffe fremd sind. Wie können wir diese Hürde überspringen und die menschliche Bedeutung verstehen, die hinter einer oft abstrakten und akademischen Sprache verborgen sind? Dazu hilft nur die Rekonstruktion der Entstehung dieser Sprache und dieser Begrifflichkeit, also der Jugendentwicklung des Philosophen. Aus diesem Grund widmete Marco seine ‚Jugendjahre‘ der Erforschung der Jugendentwicklung Hegels!

Nach dieser Einleitung  begann das eigentliche Referat von Sonja, die sowohl die Hautgedanke, die sich im Hegels wichtigster Jugendschrift, dem Text 16 der Gesammelten Werke (früher mit dem Titel Volksreligion und Christentum bekannt) befinden. Hegel unterscheidet dabei in erster Linie zwischen objektiver und subjektiver Religion. Die erste ist die institutionelle, dogmatische Religion, die eine Kirche den Gläubigen auferlegt; die zweite dagegen ist die innere Einstellung des Individuums, der sich anstrengt, nach dem Prinzip des Guten zu leben (egal mit welcher religiöser Begründung). Während die objektive Religion schädlich ist, da sie nur Individuen fördert, die das einfach ausführen, was ihnen von oben diktiert wird, ist die subjektive Religion etwas Fundamentales im menschlichen Leben, da sie die Menschen als lebendige Personen animiert und in diesen ein ‚warmes‘ Herz für das Leben und für die Mitmenschen fördert.

Aus diesem Grund ist die subjektive Religion Hegels Meinung nach zu retten und die Kritik der Aufklärung, die damals in Deutschland besonders intensiv  war, nur die objektive Religion betreffen soll.

In Bezug auf diesen ganz wichtigen Begriff der ‚Rettung der Religion‘ von der Kritik durch die Aufklärung interveniert Marco und zitiert Hegels Lehrer Johann Friedrich Flatt, zu dem auch Sonja in ihrem Vortrag schon Stellung genommen hatte.  Marco erzählt etwas über seine Forschungen in Tübingen (Universitätsarchiv, Handschriftenabteilung) und Berlin (Staatsbibliothek). Obwohl Flatt kein bekannter Philosoph bzw. Theologe geworden ist, hatte er eine enormeWichtigkeit damals, da er in seinem Unterricht Kant kritisierte aber dadurch dessen Theorien lehrte. Somit wurden seine Studenten dazu motiviert, eine eigene Stellung zu nehmen. Wie die Forschungen von Dieter Henrich und vor allem Wilhelm Gustav Jacobs gezeigt haben, genau auf den Unterricht von Flatt ist die Tatsache zurückzuführen, dass 3 Weltgenien wie Hegel, Schelling und Hölderlin aus jener Institution, dem evangelischen Stift in Tübingen, stammten. Auch ein Genie, so Jacobs, muss lernen bevor er seiner Genialität  freien Lauf gibt.  Dieses Lernen war damals nur in Tübingen dank Flatt möglich.

Die Frage der Rettung der Religion ist aber nicht nur historischer Bedeutung, sondern auch noch heute aktuell. Brauchen wir heute eine Religion (eine ‚subjektive, selbstverständlich) oder können wir darauf verzichten? Diese im Raum geworfene Frage stiftet eine sehr rege, interessante, aber vor allem menschliche Diskussion.  Jeder Teilnehmer enthüllt seine eigene religiöse Vision bzw. Religionsauffassung.

Zuerst beginnt Georg, der zweifelt, dass die vielen Menschen, die aus der Kirche heutzutage austreten, wirklich Atheist sind. Jeder hat irgendwie eine eigene Religion, so Georg. Dieses wird von Nils bestätigt, der einige persönlichen Erlebnisse von Bekannten erzählt, die angeblich Atheist waren, doch bei einer Filmvorstellung Herz und Empfänglichkeit für religiöse Motiven gezeigt haben.  Marco unterscheidet dann zwischen Materialisten (die wirklich an nichts anderes als die Materie und ihre Kraft glauben), Idealisten (die eine geistige Kraft über erkennen, die über die Materie steht, jedoch kein externer Gott ist) und schließlich die Gläubige, die an einem persönlichen Gott glauben. Marco definiert sich selber als Idealist und bestimmt die geistige Kraft als Kreativität, Das ist seiner Meinung nach die einzige Gottheit, die philosophisch begründet werden kann. Sara unterstützt diese Bezeichnung, die ihrer Meinung nach den Vorzug hat, dem Menschen die volle Freiheit der Handlung zu überlassen. Der Mensch ist bewusst kreativ, niemand schreibt ihm vor, was er zu kreieren hat. Sonja dagegen hält Marcos Bezeichnung als unangemessen, da diese geistige Kraft eh etwas ‚Unbeschreibbares‘ ist (dabei erinnert ihre fundierte Argumentation an Schelling, der das Absolute als Indifferenz von Natur und Geist in seiner Schrift System des transzendentalen Idealismus, bezeichnete). Paula erklärt, dass ihrer Meinung nach ‚Leben‘ die bessere Bezeichnung sei, und alles, was irgendwie lebt, bzw. existiert, das Göttliche in sich trägt (eine ähnliche Position wurde von Hegel im Frankfurter Systemfragment 1800 vertreten). Unsere Sprache weist hier jedoch Unzulänglichkeiten auf, da „göttlich“ hier nicht als Attribut eines externen Gottes zu verstehen ist, es aber an einem besseren Ausdruck mangelt. Für Anna ist die zwischenmenschliche Anerkennung, die die christliche Religion als heiligen Geist bezeichnet, der absolute Wert. Am Ende lässt Peter merken, dass wir uns über Religion und Gott unterhalten haben, nichts aber über die Hoffnung gesagt wurde.

Wir hoffen eben, dies in einer der nächsten Sitzungen aufzuholen!

(Dr. Marco de Angelis)

In der 6. und 7. Sitzung unserer Seminare wird die philosophische Ethik dargestellt

Wir werden uns mit der teilweise neuen vorgeschlagenen philosophisch-idealistischen Ethik beschäftigen, die in Philosophie für alle präsentiert wird und den Anspruch erhebt, als Vernunftreligion eine philosophisch-idealistische Globalisierung weltweit zu stiften.

Begriffe wie Vernunftreligion, universelle und unsichtbare Kirche wurden von Immanuel Kant 1793 in seinem Buch Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft formuliert. Es sind Begriffe, die heute aktueller denn je scheinen.

Darüber hinaus gründete Hegel in den darauffolgenden Jahren seine Auffassung einer Philosophie als Begründung einer selbstbewussten, freien Zivilisation. Wir finden diese in seiner ersten Ethikauffassung (Manuskript System der Sittlichkeit von 1802) sowie in dessen späterem Schluss, der mit dem Titel Fortsetzung des Systems der Sittlichkeit (1803-05) von seinem Biographen Karl Rosenkranz überliefert wurde. Darin definiert Hegel diese Zivilisation als ‚freies Volk‘, das er dann später in seinen Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte mit den germanischen Völkern identifizierte, worunter er die nordeuropäischen, protestantischen Völkern  meinte.

Gleichzeitig sprach der Philosoph dabei aber auch von einem ‚absoluten‘, universellen Geist, einem ‚Weltgeist‘, der dazu strebt, über die internationalen Beziehungen Freiheit für alle Menschen auf Erden (und nicht nur bei den ‚germanischen‘ Völkern) zu verwirklichen. Diese ist als Hegels Meinung über den Sinne der Geschichte zu betrachten.

Hegel war also nicht in der Lage, in seinem Leben diese Kontrast zu lösen zwischen einem Weltgeist, der auf Erden überall die Freiheit für alle früher oder später stiften wird, und der Identifizierung zu damaliger Zeit mit der ‚germanischen‘ Zivilisation, die wir heute im Allgemeinen als Westen bezeichnen würden (wobei eigentlich auch die kommunistischen bzw. ex-kommunistischen Ländern dazu gehören könnten). Seine Philosophie enthält aber die Grundideen für eine solche Lösung, die sich zwar in dem Begriff ‚Weltgeist‘ befindet, wurde aber von ihm aaus historischen Gründen nicht adäquat entwickelt.

In Philosophie für alle habe ich diese Problematik gelöst und eine Vernunftreligion für die Menschheit präsentiert. Die intersubjektive Anerkennung spielt dabei eine entscheidende Rolle, da nur sie dem Menschen ermöglicht, seinen Geist zu verwirklichen, also frei im wahren Sinne des Wortes zu leben. In diesem Bezug spielt eine Schlüsselrolle der Unterschied zwischen wahrer und falscher Unendlichkeit. Diese ist die die logische Grundlage, worauf die Unterscheidung zwischen wahrer und falscher Freiheit, die Willkür eigentlich ist, begründet werden kann.

Die wahre Freiheit verwirklicht sich dagegen im ethischen Leben, d.h. in den Institutionen der Gesellschaft, in denen wir unausweichlich leben. Diese sind:

  1. der Staat, der als Weltstaat seinen philosophisch begründeten Ausdruck finden;
  2. die Arbeit, die als Dienst angesehen werden soll;
  3. die Familie, deren Grundlage die Liebe zwischen Frau und Mann ist.

Nur ein Leben, das bewusst innerhalb diesen Institutionen gelebt wird, kann die Selbstverwirklichung des Geistes und deswegen sein Glück im Sinne von Erfüllung, Zufriedenheit ermöglichen. Grund dafür ist, dass die wahre Unendlichkeit, also die Fähigkeit, sich kreative Ziele zu geben und diese im eigenen Leben zu verwirklichen, die logische Grundstruktur des Geistes, sein Wesen, seine Natur ist. Ein authentisch geistiges und deshalb glückliches, erfülltes Leben kann deshalb nur dann erfolgen, wenn man kreativ, also nach dem Prinzip der wahren Freiheit bzw. der wahren Unendlichkeit lebt. Diese bestehen darin, einen Sinn zusammen mit anderen Menschen dem eigenen Leben zu geben und dieses Ziel gemeinsam zu verwirklichen.

In den letzten zwei Sitzungen beider Seminare werden wir uns mit dieser Problematik beschäftigen, und die Rolle untersuchen, die dabei die Digitalisierung spielen kann.

(Dr. Marco de Angelis)

Einladung zum 19. Philosophietreffen am 15.1.2019

Liebe Philosophiefreundinnen und -freunde,

hiermit lade ich Euch zum 19. Treffen unserer Phileuropa ‚Diskussionsgruppe‘ ein. Wir werden uns am Dienstag den 15. Januar treffen. Hier folgt das Programm.

Dienstag, den 15. 1.2019

Raum C14.203, ab 19:30 Uhr

19.45-20.45 Uhr

Sonja Wernicke
(und Marco de Angelis)

Die Relevanz praktischer Philosophie im Allgemeinen und
Kants 
Moralphilosophie im Besonderen in der heutigen Zeit

20.45-21.00: Pause

21.00-21.45

Sonja Wernicke
(und Marco de Angelis)

Einflüsse von Rousseau und Kant auf Hegel in seiner Jugendzeit
am Beispiel von Text 16 aus den Frühen Schriften

21.45-22.00: Planung der nächsten Sitzung und Abschied

(Dr. Marco de Angelis)

Mit der 5. Sitzung unserer Seminare fürs Leuphana-Semester erfolgt die Wende von der theoretischen zur ethischen Philosophie

Mit der Erörterung der tiefen Bedeutung einer monistischen Weltauffassung haben wir bei der 4. Sitzung die Darstellung des theoretischen Teils des Systems der Philosophie zu Ende gebracht. Ergebnis davon ist, dass der Mensch in seinem Wesen logische Kreativität ist und diese darin besteht, ‚Begriffe‘, ‚Konzepte‘ auszuarbeiten und zu verwirklichen. Diese Tätigkeit allerdings ist auch die Tätigkeit des Absoluten, d.h. der Kraft, die dem Monos, dem Ganzen zugrundeliegt und überall im Universum sowie zu jederzeit neue Seienden schöpft, kreiert.

Dabei ist es hervorgekommen, wie wichtig es ist, das Denken richtig zu definieren. Insbesondere scheint das Denken als Vernunft nicht nur etwas Subjektives, sondern ebenso etwas Objektives zu sein. Es gibt selbstverständlich Vernunft im Menschen, es gibt aber auch Vernunft überall auf der Welt. Die Welt ist vernünftig strukturiert. Alles entwickelt sich nach einigen logischen Prinzipien, die dann die Grundlagen der Gesetze der Natur bilden. Diese logischen Prinzipien bilden  die Grundstruktur des ‚Monos‘, der einzigen Totalität von dem, was gibt (Welt, Universum, Seiendes, Ganzes usw. egal wie wir es ausdrücken wollen).

Wir können diese Prinzipien erkennen, indem wir unsere Vernunft erforschen, da eben diese Prinzipien sind die Kategorien, die reinen Begriffe, worüber insbesondere schon Aristoteles, Kant, Hegel geschrieben haben), worin unsere subjektive Vernunft besteht. Die Kategorien sind das Wesen der Vernunft, ihr Stoff, sozusagen.

Das Hauptmerkmal der Vernunft, also der Kategorien, ist die Kreativität. Die Kategorien sind nicht etwas Festes, sondern in ständiger Bewegung, in kontinuierlicher Entwicklung, und das bildet das Leben des Geistes. Wir sind eben ständig geistig in Bewegung, nie zufrieden, wir wollen immer etwas Neues erschaffen, erreichen im Leben.

Die Kreativität ist aber auch das Hauptmerkmal der Materie, also der Natur, die ebenso ständig in Bewegung, in Entwicklung ist. Es könnte nicht anders sein, weil eben die Vernunft also die Kreativität überall wirkt.

Diese Erkenntnis führt dazu, dem Menschen einen absoluten Wert, eine absolute Würde zuzusprechen. Der Mensch ist die Verkörperung der absoluten Vernunft, des Prinzips der Welt (im Sinne der ‚causa finalis‘).

Damit wird der Mensch als ‚absoluter Geist‘ definiert, d.h. der Mensch ist ein geistiges Wesen, das sich schon teilweise in der Religion, aber dann vollständig in der Philosophie mit dem Absoluten identifiziert.

Diese Auffassung des Absoluten gründet eine neue Zivilisation, eine philosophische Zivilisation. Dieser Zivilisation liegt eine philosophische Vernunftreligion bzw. Vernunftethik zugrunde.

Diesbezüglich werden wir einige sehr wichtigen Texte gelesen, und zwar aus Kants praktischer Philosophie und aus Hegels Philosophie des Geistes.

Kant fordert uns auf, die Menschheit sowohl in uns selbst als auch in den anderen Menschen immer als Zweck und nie als Mittel zu behandeln.

Hegel erklärt uns, dass die gegenseitige Anerkennung die Grundlage aller Formen des Zusammenseins ist, wie etwa Freundschaft, Familie, Staat und dass diese philosophische Haltung eine neue Phase in der Geschichte der Menschheit eröffnet.

Dem Verständnis dieser neuen philosophischen Zivilisation wollen wir uns in den letzten drei Sitzungen beider Seminare widmen.

(Dr. Marco de Angelis)

Einladung zur philosophischen Weihnachtsfeier am 11.12.2018

Nächsten Dienstag wollen wir zusammen eine kleine Weihnachtsfeier gestalten, in der wir munter und in gemütlicher Athmosphäre diskutieren können! Einen Ausblick auf die Themen findet ihr in der Einladung! Da aber ein hungriger Geist nicht denken kann und nicht inspiriert ist, wollen wir ein buntes Büffet zusammentragen! Jeder bringt was mit – dann wird es so super wie im Sommer!

Vorweihnachtliche Grüße von Ulrike, Patrick und Paula!