Inhalte der 6. und 7. Sitzungen des Seminars über ‚Philosophie als Lebensorientierung‘

In den 6. Sitzung des Seminars ‚Philosophie als Lebensorientierung‘ (16.1.17) haben wir uns vor zwei Wochen den logisch-metaphysischen Grundlagen der Theorie der Anerkennung gewidmet. Diese wurde von Hegel ist im § 436 seiner Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften  formuliert (dazu s. mein Buch Philosophie für alle, Lektion 11).

Dabei haben wir uns mit den Kategorien der Endlichkeit, der falschen und der wahren Unendlichkeit beschäftigt (s. dazu die Lektion 7 von Philosophie für alle).  Die Kategorie der wahren Unendlichkeit begründet die Ethik und die ethischen Werte des Staates (Weltstaates), der Arbeit und der Familie als Lebenssinn (s. dazu die Lektionen von 12 bis 14 von Philosophie für alle).

Grund dafür ist es, dass sich der Geist in einem für diese Werte gelebten Leben kreativ agiert, also sich ein Ziel setzt, das er zu verwirklichen versucht. Dadurch lebt er nach der Kategorie der wahren Unendlichkeit, die sein Vernunftwesen bildet. Indem der Geist nach seinem Wesen lebt, ist er frei und schließlich glücklich. Dabei handelt es sich um ein reifes, philosophisches Glück, also um das Gefühl eines erfüllten Lebens (Philosophie für alle, Lektion 15).

‚Sich im Leben philosophisch zu orientieren‘ heißt also, das eigene Leben nach dem Prinzip der wahren Unendlichkeit zu führen. Man soll demnach also versuchen, die lebensnotwendigen Bedürfnisse, die wir als Körper unausweichlich haben und uns zur Befriedigung zwingen, als Geist kreativ zu befriedigen, d.h.:

  • Das Bedürfnis der Assimilation (Aufnahme von Nahrung und im Allgemeinen die Absicherung unseres Überlebens als Individuen) soll womöglich durch eine kreative Arbeit  befriedigt werden bzw., falls es gar nicht möglich wäre, in der Freizeit eine kreative geistige Tätigkeit zu pflegen.
  • Das Bedürfnis der Reproduktion (sexuelle Anziehung und im Allgemeinen die Absicherung des Überlebens unserer Art) soll durch eine in der Zeit ausdauernde Familie befriedigt werden (natürliche Geburt der Kinder sowie auch ihre geistige Geburt durch die Erziehung – Begriff von 2. Natur).

Grundlage und Voraussetzung für diese zwei Werte ist der Wert des Staates, d.h. die geistige kreative Tätigkeit, die jeder von uns als Recht aber auch als Pflicht, eben als freien Lebenssinn, ansehen soll. Diese bildet den Rahmen innerhalb dessen die Menschen die Familie und die Arbeit geistig-frei und nicht körperlich-unfrei als Wert verwirklichen können.

Der Staat, dessen Inhalt Familie und Arbeitswelt sind, setzt die Anerkennung unten Menschen voraus (horizontale Anerkennung). Diese setzt aber ihrerseits die Anerkennung des Absoluten durch den Menschen, also die Erkennung der absoluten, kreativen Vernunft als des eigenen Wesens voraus. Das ist der ‚absolute Geist‘ (vertikale Anerkennung; für beide Begriffe s. Philosophie für alle, S. 50-51).

Das Individuum identifiziert sich hiermit mit dem Absoluten, er ist das Absolute wie eben seine Mitbürger auch zumindest für die Zeit des Lebens. Als das Absolute sagt er ‚ja‘ zu dem Leben, ‚ja‘ zum Leben trotz dessen negative Seiten, also trotz des Schmerzens und des Todes, trotz der Endlichkeit also, er akzeptiert diese Endlichkeit und sieht darin die wahre Unendlichkeit.

Der Mensch als das Absolute weiß, dass er in der Lage ist, die Materie zu verstehen und zumindest teilweise zu beherrschen. Er kann als Geist zwar die Materie zu 100% verstehen und beherrschen, als Körper aber eben noch nicht. Er versucht also so gut und so lange wie möglich als Körper zu leben. Die Medizinwissenschaft z.B. ist dazu ein wichtiges Werkzeug. Ob er als Körper unendlich im Sinne der falschen Unendlichkeit jemals leben können wird, ist es zurzeit unbekannt und eher unwahrscheinlich, obwohl die Frage noch offen ist. Aber als Geist kann er schon in diesem aktuellen Leben unendlich, im Sinne der wahren Unendlichkeit, leben. Er lebt unendlich nicht weil er immer als Körper in der Zeit leben wird, sondern weil er die begrenzte Zeit seines Lebens sinnvoll verbringen wird.

Das ist der Inhalt eines erfüllten, sinnvollen, reifen und in diesem Sinn glücklichen Lebens! Das ist ein philosophisch geführtes Leben, eine philosophische Orientierung im Leben!

(Dr. phil. Marco de Angelis)

 

 

 

Inhalte der 6. und 7. Sitzungen des Seminars über die Menschenrechte

In der 6. Sitzung haben wir uns mit der idealistischen Philosophie der Geschichte befasst. Diese besagt, dass sich in der Geschichte der Geist (Weltgeist) verwirklicht und dies tut er in verschiedenen Stufen. In jeder Stufe gibt es mehr Freiheit, nach dem folgenden Schema.

Am Anfang der Geschichte ist die Freiheit für nur eine Person (orientalische Diktaturen z.B.), dann für wenige Personen (z.B. die Aristokratien in Griechenland und Rom, Sklaverei), dann für viele mit der allmählichen Transformation der Knechte in Leibeigenen und Bürger (Mittelalter und Moderne bis zur amerikanischen und vor allem französischen Revolution), schließlich für alle Menschen in den heutigen den Verfassungsstaaten und hoffentlich auch in den Staaten der Zukunft.

In der Geschichte verwirklicht sich also der Geist, die kreative Vernunft, die Freiheit im wahren Sinne des Wortes, die substantielle Freiheit.

Die Menschenrechte sind dafür die Voraussetzung, die Garantie. Die Anerkennung der Menschenrechte seitens der Staaten bedeutet, dass sich diese dazu verpflichten, die Gesetze so zu gestalten, dass die Menschenrechte dabei berücksichtigt und dadurch verwirklicht werden.

Die Freiheit als solche findet ihre Verwirklichung in den Artikeln 1 bis 15 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und dazu auch in den folgenden Artikeln:

Artikel 17 (Recht auf Eigentum, wobei es fraglich ist, ob Eigentum ein echtes Recht sei oder nicht, s. z.B. das Denken von Proudhon und Marx-Engels)

Artikel 18 (Gedanken-, Gewissens-, Religionsfreiheit)
Artikel 19 (Meinungs- und Informationsfreiheit)
Artikel 20 (Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit)

Die drei ethischen Werte, Staat, Familie und Arbeit, die den Inhalt dieser Freiheit und somit der Menschenwürde bilden, sind wie folgt in der Erklärung berücksichtigt.

Wert des Staates:

Artikel 21 (Allgemeines und gleiches Wahlrecht)
Artikel 22 (Recht auf soziale Sicherheit)
Artikel 25 (Recht auf Wohlfahrt)
Artikel 26 (Recht auf Bildung)
Artikel 27 (Freiheit des Kulturlebens)
Artikel 28 (Soziale und internationale Ordnung)

Wert der Arbeit:

Artikel 23 (Recht auf Arbeit, gleichen Lohn)
Artikel 24 (Recht auf Erholung und Freizeit)

Wert der Familie:

Artikel 16 (Eheschließung, Familie)

Hierbei können wir also sehen, wie sich die philosophischen Gedanken in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte widerspiegeln. Diese ist also nicht als ein rein politischer, sondern eher als ein philosophischer Akt zu betrachten.

In diesem Bezug entsteht die Frage, um welche Philosophie sich handelt. Die Philosophie, die die Grundlage der Menschenrechte bildet, ist im Allgemeinen die Philosophie des englischen Empirismus, wie dieser in 17.-18.  Jahrhundert formuliert wurde (vor allem John Locke, 1632-1704, unter anderen) und der französischen Aufklärung (18. Jahrhundert). Dabei handelt es sich um eine Philosophie, die die Vernunft als individuelle Vernunft betrachtet, also um eine dualistische Welt- und Menschenauffassung.

Was dieser Auffassung fern bleibt, ist die Betrachtung des Ganzen, sowohl der Einheit zwischen Menschen und Natur als auch der Einheit zwischen Menschen.

Die erste wird in Artikeln berücksichtigt, die sich in den neueren Charta der Europäischen Rechte (2000 s. den Artikel 37 ‚Umweltschutz‘). Darin spricht man auch über die Wichtigkeit einer nachhaltigen Entwicklung, was Anerkennung der  Rechte der künftigen Generationen implizit bedeutet.

Die zweite findet nur teilweise ihren Ausdruck im Titel IV (Solidarität), dessen Artikel aber auf den Schutz der Menschen in den Staaten der Union eingeht, aber außer Acht die Notwendigkeit einer Einheit aller Staaten der Erde in einer übernationalen Organisation lässt. Allerdings die EU ist genau eine solche Organisation, sie verwirklicht also zumindest teilweise und ansatzweise das Prinzip eines Weltstaates, also einer Zugehörigkeit aller Staaten zu einer gemeinsamen politischen Einheit.

Zum Schluss kann man also sagen, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948, die die Grundlage der Menschenrechte weltweit bildet, die Absicherung der individuellen Rechte untermauert, wie diese in der dualistischen Philosophie im allgemeinen und insbesondere in der empiristischen Philosophie formuliert sind, die dann politisch den Liberalismus und wirtschaftlich den Kapitalismus gefördert hat, während die neuere Europäischen Charta der Menschenrechte zumindest den Versuch enthält, die individuellen Menschenrechte durch eine ganzheitliche, monistische Vision (Umweltschutz, Nachhaltigkeit, übernationaler Staat) zu erweitern.

Es wäre von einem monistischen Standpunkt aus wünschenswert, dass sich auf allgemeine Weltebene künftig eine Theorie der Menschenrechte etablieren würde, die das Recht auf einen demokratischen Weltstaat (in irgendeiner Form) berücksichtigen würde. Der demokratische Weltstaat müsste von zwei ganz wichtigen und unabdingbaren Rechten Garant sein:

  • das Recht auf Frieden unter den Völkern
  • das Recht auf Schutz der Lebensbedingungen für die aktuelle und die künftige Menschheit.

Diese Rechte sind in der Tat von keinem Nationalstaat zu garantieren, da sie über die nationalen Grenzen hinaus gehen. Ohne die Absicherung dieser Rechte macht aber die Absicherung der individuellen Rechte wenig Sinn!

Das Engagement für diese Rechte (die sogenannten Rechte der ‚zweiten Generation‘) ist eine der heutigen wichtigsten Aufgaben der Politik für die Menschenrechte.

Ich hoffe, Euch in diesem Seminar einen Einblick in eine zum Teil neue Philosophie der Menschenrechte angeboten zu haben. Ich konnte es nicht ausführlicher tun, da die Zeit wenig war, wir waren trotzdem in der Lage, die Grundlagen  einer solchen Vision sowie auch der ganzen philosophischen Problematik zur Sprache zu bringen. Im kommenden Semester werde ich für das Komplementärstudium ein Seminar über die Agenda 2030 und den Begriff ‚eine Welt‘, der ihr zugrundeliegt, jedoch nicht explizit formuliert wird, anbieten. Wir könnten innerhalb dieses Seminars die Thematik der Weltstaatlichkeit und der monistischen Begründung der Menschenrechte gemeinsam weiter behandeln. Ihr seid deshalb alle herzlichst eingeladen, Euch für dieses Seminar anzumelden. Bitte mich dazu per Mail zur richtigen Zeit kontaktieren.

(Dr. phil. Marco de Angelis)

 

In der 5. Sitzung des Seminars über ‚Lebensorientierung‘ wird das Thema ‚philosophische Vernunftreligion und Vernunftethik‘ behandelt

In der vierten Sitzung des Seminars, die am vergangenen 5. Dezember stattgefunden hat, haben wir das Thema der kreativen Vernunft behandelt und vertieft. Dabei haben wir festgestellt, dass die Vernunft sowohl das Absolute ist, also das kreative Prinzip, das überall im Universum wirkt, als auch das Wesen des Menschen bildet.

Diese Erkenntnis führt dazu, dem Menschen einen absoluten Wert, eine absolute Würde zuzusprechen. Der Mensch ist die Verkörperung der absoluten Vernunft, des Prinzips der Welt.

Damit wird der Mensch als ‚absoluter Geist‘ definiert, d.h. der Mensch ist ein geistiges Wesen, das sich schon teilweise in der Religion, aber dann vollständig in der Philosophie mit dem Absoluten identifiziert.

Diese Auffassung des Absoluten gründet eine neue Zivilisation, eine philosophische Zivilisation. Dieser Zivilisation liegt eine philosophische Vernunftreligion bzw. Vernunftethik zugrunde.

Diesbezüglich haben wir zwei sehr wichtige Texte gelesen, und zwar aus Kants praktischer Philosophie und aus Hegels Philosophie des Geistes.

Kant fordert uns auf, die Menschheit sowohl in uns selbst als auch in den anderen Menschen immer als Zweck und nie als Mittel zu behandeln.

Hegel erklärt uns, dass die gegenseitige Anerkennung die Grundlage aller Formen des Zusammenseins ist, wie etwa Freundschaft, Familie, Staat.

Dieser Gedankengang wollen wir bei der 5. Sitzung am kommenden 19.12. gehen und vertiefen.

Die Texte, die die Grundlagen der vergangenen vier Sitzungen bilden, befinden sich in meinem Buch Philosophie für alle, das ab dem 20.12 bei der Buchhandlung auf dem Campus zu erwerben ist. Auszüge davon sind in dieser Website, Rubrik ‚Lehre‘, zu lesen.

Die entsprechenden Audioaufnahmen können hier heruntergeladen werden:

https://www.dropbox.com/home/LEBENSORIENTIERUNG

https://www.dropbox.com/home/MENSCHENRECHTE

Sollten Schwierigkeiten beim Herunterladen auftreten, kontaktieren Sie mich.

Dr. Marco de Angelis

In der 5. Sitzung des Seminars über ‚Menschenrechte‘ wird das Thema ‚Recht’ und ‚Menschenrecht‘ auf der Grundlage des bisher festgelegten absoluten, kreativen Wesens des Menschen behandelt

In der vierten Sitzung des Seminars, die am vergangenen 5. Dezember stattgefunden hat, haben wir das Thema der kreativen Vernunft behandelt und vertieft. Dabei haben wir festgestellt, dass die Vernunft sowohl das Absolute ist, also das kreative Prinzip, das überall im Universum wirkt, als auch das Wesen des Menschen bildet.

Diese Erkenntnis führt dazu, dem Menschen einen absoluten Wert, eine absolute Würde zuzusprechen. Der Mensch ist die Verkörperung der absoluten Vernunft, des Prinzips der Welt.

Aus diesem Grund hat jeder Mensch das Recht auf Anerkennung dieser absoluten Würde. Das ist ein Recht und gleichzeitig auch eine Pflicht: Ein Recht, anerkannt zu werden, aber auch eine Pflicht, die Würde anderer Menschen anzuerkennen.

Diesbezüglich haben wir zwei sehr wichtige Texte gelesen, und zwar aus Kants praktischer Philosophie und aus Hegels Philosophie des Geistes.

Kant fordert uns auf, die Menschheit sowohl in uns selbst als auch in den anderen Menschen immer als Zweck und nie als Mittel zu behandeln.

Hegel erklärt uns, dass die gegenseitige Anerkennung die Grundlage aller Formen des Zusammenseins ist, wie etwa Freundschaft, Familie, Staat.

Im ersten Teil der 5.Sitzung (19.12.) wollen wir uns Gedanken über die menschliche Gesellschaft machen, vom Begriff dieser Definition des Menschen und der Anerkennung ausgehend. Dabei werden wir den Begriff ‚Recht‘ philosophisch definieren.

Im zweiten Teil der Sitzung werden wir dann in Arbeitsgruppen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 lesen und die Begriffe, die wir bisher philosophisch festgelegt haben, darin suchen.

Die Texte, die die Grundlagen der vergangenen vier Sitzungen bilden, befinden sich in meinem Buch Philosophie für alle, das ab dem 20.12 bei der Buchhandlung auf dem Campus zu erwerben ist. Auszüge davon sind in dieser Website, Rubrik ‚Lehre‘, zu lesen.

Die entsprechenden Audioaufnahmen können hier heruntergeladen werden:

https://www.dropbox.com/home/LEBENSORIENTIERUNG

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Dr. Marco de Angelis

Hauptinhalt und Ergebnis der 3. Sitzung beider Philosophieseminare

Bei den dritten Sitzungen der Seminare über Menschenrechte und Philosophie als Lebensorientierung ist es hervorgekommen, wie wichtig es sei, das Denken richtig zu definieren. Insbesondere scheint das Denken als Vernunft nicht nur etwas Subjektives, sondern ebenso etwas Objektives zu sein. Es gibt selbstverständlich Vernunft im Menschen, es gibt aber auch Vernunft überall auf der Welt. Die Welt ist vernünftig strukturiert. Alles entwickelt sich nach einigen logischen Prinzipien, die dann die Grundlagen der Gesetze der Natur bilden. Diese logischen Prinzipien bilden  die Grundstruktur des ‚Monos‘, der einzigen Totalität von dem, was gibt (Welt, Universum, Seiendes, Ganzes usw. egal wie wir es ausdrücken wollen).

Wir können diese Prinzipien erkennen, indem wir unsere Vernunft erforschen, da eben diese Prinzipien sind die Kategorien, die reinen Begriffe (Aristoteles, Kant, Hegel), woraus unsere subjektive Vernunft besteht. Die Kategorien sind das Wesen der Vernunft, ihr Stoff, sozusagen.

Das Hauptmerkmal der Vernunft, also der Kategorien, ist die Kreativität. Die Kategorien sind nicht etwas Festes, sondern in ständiger Bewegung, in kontinuierlicher Entwicklung, und das bildet das Leben des Geistes. Wir sind eben ständig geistig in Bewegung, nie zufrieden, wir wollen immer etwas Neues erschaffen, erreichen im Leben.

Die Kreativität ist aber auch das Hauptmerkmal der Materie, also der Natur, die ebenso ständig in Bewegung, in Entwicklung ist. Es könnte nicht anders sein, weil eben die Vernunft ist überall, also die Kreativität ist überall.

In den vierten Sitzungen beider Seminare, die am kommenden 5. Dezember stattfinden werden, werden wir dieses Thema weiter behandeln und vertiefen und dabei verstehen, wie die Kreativität der Vernunft sowohl di Grundlage der Menschenrechte als auch einer philosophischen Lebensorientierung bildet.

Auf dieser Website, Rubrik Lehre, sind die Texte der Sitzungen veröffentlicht. Die entsprechenden Audioaufnahmen können hier heruntergeladen werden:

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Dr. Marco de Angelis

Die zweiten Sitzungen beider Philosophieseminare fürs Leuphana-Semester haben ein Zeichen gesetzt!

Es ist heutzutage eine weitverbreitete Meinung, dass es keine objektive, absolute Wahrheit gibt.  Daraus resultieren zwei Denk- und Lebenseinstellungen, Skeptizismus und Relativismus, die sich dann besonders in der  Ethik bemerkbar machen und verheerende Folgen haben. Wenn es keine objektive Wahrheit gibt, dann gibt es auch keine objektiven, allgemeingeltenden Werte.

Das ist aber für die menschliche Gesellschaft fatal. Ein Minimum an Konsens über die Werte, wie etwa Respekt, Freiheit, Demokratie usw., ohne die selbst das Zusammenleben der Menschen unmöglich ist, ist in der Tat in jeder Gesellschaft absolut nötig.

Ohne allgemeingeltende Werte würde es auch keine Menschenrechte geben wie auch keine Orientierung im Leben, die für alle gelten kann.

In dieser Sitzung haben wir damit begonnen, die theoretischen und praktischen Gründe für die Objektivität und Absolutheit der Wahrheit zu erläutern. Es handelt sich um die von uns entwickelte Theorie des ‚ich verstehe‘. Diese ist in den Lektionen 4-6 des Buches Philosophie für alle behandelt.

Diese Theorie wird vor allem durch eine Umkehrung des Blickpunktes gekennzeichnet, aus dem wir die Objektivität bzw. die Welt betrachten. Das alltägliche Leben wie auch die obenerwähnten philosophischen Auffassungen des Skeptizismus und des Relativismus verbergen einen ‚dualistischen‘ Standpunkt. Damit ist gemeint, dass der Mensch, das Subjekt, sich von der Natur, vom Objekt, völlig unterschieden ansieht und die Natur als etwas ‚Fremdes‘ ansieht, etwas das außen ihm gegenüber ist. Subjekt und Objekt stehen sich aus der Perspektive dieses Blickpunktes  gegenüber, das Subjekt betrachtet die Welt als etwas, das vor ihm steht.

Aus dieser Perspektive heraus entwickelt sich die Problematik der Wahrheit, d.h. einer korrekten Korrespondenz zwischen dem, was das Subjekt vom Objekt weiß, und dem, was das Objekt an sich ist. Der letzte große, weltberühmte Philosoph, der diese Problematik besonders intensiv behandelt, hat, ist Immanuel Kant gewesen. Sein Hauptwerk Die Kritik der reinen Vernunft  ist genau aus diesem Blickpunkt heraus verfasst worden.

Die Trennung von Subjekt und Objekt, Geist und Materie, Mensch und Natur hat auch gravierende Folgen in der Ethik. Die verheerendste ist die Spaltung des Menschen in Seele und Körper, so dass die Sinnlichkeit, die Gefühle, die Leidenschaften und im Allgemeinen alles, was im menschlichen Körper seinen Ursprung hat,  als etwas Negatives, als Sünde betrachtet wird. Die christliche Religion und die monotheistischen Religionen überhaupt vertreten z.B. Moraltheorien, die das Glück des Menschen nicht in diesem materiellen Leben auf Erden, sondern in einem völlig spirituellen Leben im Jenseits ansehen.

Allen diesen Theorien, die unser Alltag nicht nur in der Vergangenheit bestimmt haben, sondern noch heute die Lebensweise von Millionen von Menschen prägen, liegt eben eine dualistische Vision des Verhältnis zwischen Subjekt und Objekt zugrunde.

Dagegen hat sich in der Vergangenheit die gegensätzliche Auffassung gestellt, die des ‚Monismus‘. Während Dualismus kommt aus dem Lateinischen ‚duo‘, also zwei, das Wort ‚Monismus‘ kommt aus dem altgriechischen ‚Monos‘, d.h. ‚eins‘.

Dieser Auffassung nach sind Subjekt und Objekt eine untrennbare Einheit, sie sind ein einziges Ding, das zwei verschiedene Aspekte hat, ein materielles – die Natur als Materie und ‚Außenwelt‘ – sowie ein geistiges, der Mensch als Seele und ‚Innenwelt‘. Die ‚Innenwelt‘ unserer Seele ist aber gleichzeitig Teil der Außenwelt, die sie wiederspiegelt und zu erkennen versucht. Die Außenwelt ist, sozusagen, der Behälter, in dem die seelische Innenwelt lebt und tätig ist.

Das, was auf der Welt also richtig existiert, ist also das ‚Monos‘, das die Philosophen dieser Denkrichtung verschieden formuliert haben (z.B. der griechisch Parmenides im vierten Jahrhundert v. C. als ‚das Seiende‘, Spinoza im siebzehnten Jahrhundert als ‚die Substanz‘ von allem, Hegel im neunzehnten Jahrhundert als ‚das Absolute‘ usw.). Das Monos ist das Ganze, wovon Geist und Materie, Mensch und Natur die zwei Hauptteile darstellen.

Die Ergebnisse der Naturwissenschaften, z.B. die Evolutionstheorie, beweisen heutzutage die Richtigkeit einer solchen monistischen Weltauffassung.

Aus diesem ganzheitlichen Standpunkt heraus lässt sich sowohl die erkenntnistheoretische Problematik der Wahrheit als auch die ethische Problematik des Verhältnisses zwischen Körper und Seele im Menschen einfach lösen. Da die Menschen ein Teil der Natur sind, insbesondere derer selbstbewusstes und freies Teil, sind sie ihr total angepasst und deshalb fähig, mit der Natur zu kommunizieren, sie zu verstehen, also die Wahrheit zu erkennen. Die Menschen sind also wahrheitsfähig, genauso wie sie gehfähig, sprachfähig usw. sind. Was die Ethik betrifft, sind die Hauptinstinkte, die den Menschen zu Handlungen bewegen, in sich ‚gut‘, da sie in der Natur verankert sind und zu einem glücklichen Leben auf dieser Erde, nicht erst im Jenseits, führen können.

Diesbezüglich lässt es sich noch viel mehr sagen, was wir im Unterricht auch gesagt haben und sowohl in den entsprechenden Audioaufnahmen zu hören ist als auch in den Lektionen 4-6 des Buches Philosophie für alle, wo alles dargestellt und begründet wird, gelesen werden kann (siehe die Rubrik Lehre-Menschenrechte bzw. Lehre-Lebensorientierung dieser Website für die Texte und die Audioaufnahmen).

Nachforschungszweige sind in diesem Bezug folgende Begriffe und Themen:

Erkenntnis
Wahrheit
Subjekt-Objekt Problematik
Körper-Seele Problematik
Relativismus
Skeptizismus
Dualismus
Monismus
Die Philosophen, die erwähnt worden sind (Parmenides, Spinoza, Kant, Hegel)

Am Montag, den 21. November, gehen beide Seminare weiter. Es wird die Begründung der Richtigkeit einer monistischen Welt- und Menschenauffassung abgeschlossen sowie die Schlüsse für die entsprechende Menschenauffassung gezogen. Danach werden sich dann ab der 4. Sitzung die Seminare auf verschiedenen Schienen weiterentwickeln: Das eine wird eher die politische Theorie des Staates und der Menschenrechte behandeln, während das andere sich vornehmlich mit der Theorie einer glücklichen Lebensführung beschäftigen wird. Da es aber keine glückliche Lebensführung in einem ungerechten Staat geben kann, werden sich auch in den folgenden Sitzungen die Themen beider Seminare unausweichlich kreuzen sowie sich aufeinander beziehen.

(Dr. Marco de Angelis)

Erfolgreicher Start beider Philosophieseminare fürs Leuphana-Semester

Am 24.10. haben beide Seminare von Herrn Dr. Marco de Angelis (Phileuropa Zentrum) in Lüneburg begonnen. Bei den zwei Seminaren, insbesondere bei dem Seminar über Philosophie als Lebensorientierung, gab es sehr viele interessierte Teilnehmer.

Die ersten 2-3 Sitzung beider Seminare sind ähnlich, d.h. es wird darin die Welt- und Menschenauffassung präsentiert, wie aus den wichtigsten philosophischen Theorien abzuleiten ist und heute als noch gültig und ‚letztbegründet‘ gehalten werden kann.

(Forschungshinweis: Begriff ‚Letztbegründung‘).

Es handelt sich um die Auffassung, die den Inhalt des Buches Philosophie für alle (1.0)  Manifest für die philosophische Identität des europäischen Volkes bildet. Das Buch ist im Druck und wird in Deutschland um den 15. November in Handel zu erwerben sein (Preis 10 Euro).

In der ersten Sitzung sind die Inhalte der Kapitel (im Buch: Lektionen) 1 bis 3 behandelt worden. Darin wird den Begriff der Philosophie als ‚Wissenschaft der Weisheit‘ nach Kant definiert (Lektion 1), das Verhältnis der Philosophie zu Religion und Einzelwissenschaften erläutert (Lektion 2) und  schließlich die Identität zwischen Philosophie und Idealismus nach Hegel dargestellt und begründet (Lektion 3).

(Forschungshinweise: Kant über Weisheit und Begriff ‚Philosophie als Weisheit im allgemeinen; Hegel über Identität von Philosophie und Idealismus).

Dadurch hat man schon einen sehr großen Schritt in Richtung Verständnis der Menschenrechte (1. Seminar)  bzw. der Lebensorientierung (2. Seminar) getan, da diese ersten 3 Lektionen des Buches Voraussetzung für die Theorie der objektiven, wissenschaftlichen Wahrheitsfähigkeit des Menschen und der Philosophie sind.

In der Tat ist es  absolut notwendig, in erster Linie diese grundlegende  Wahrheit zu begründen, dass die Philosophie eine echte Wissenschaft ist und als solche die Wahrheit in der Ethik und in der Politik begreifen kann, da nur auf dieser festen und sicheren Grundlage die darauffolgende Begründung von objektiven, absolut geltenden Menschenrechten bzw. von einer echt glückbringenden Lebensführung möglich ist.

Wie könnten wir in der Tat von Menschenrechten und von einer glückbringenden Lebensführung reden, wenn die Philosophie überhaupt nicht in der Lage wäre, zu wissenschaftlich und vernünftig begründeten Schlüssen zu führen?

Die Studierenden haben ein reges Interesse für die behandelte Problematik gezeigt, viele wichtigen und interessanten Fragen gestellt, und dadurch sehr geholfen, die vier Stunden Seminars lebhaft zu gestalten. Am Ende waren wir alle müde aber auch sicher davon bewusst, die Zeit sinnvoll genutzt zu haben.

Am kommenden Montag den 7.11. geht es mit der 2. Sitzung beider Seminare weiter. Die Thematik wird immer spannender und die Diskussion mit den Studierenden mit Sicherheit auch. Wir nähern uns langsam aber sicher zur Theorie der objektiven Wahrheit der Philosophie.

Den Studierenden stehen sowohl die Audioaufnahmen als auch die Textvorlage beider Sitzungen zu Verfügung. Sie können per Mail an die Adresse marco.deangelis@leuphana.de  angefordert bzw. vor dem Seminar aufs Stick kopiert werden. Die im Seminar gelesenen Quellentexte sind schon über myStudy geschickt worden. Diese sollen bei jeder Sitzung von den Studierenden mitgenommen werden.

Wir wünschen allen Teilnehmern eine spannende 2. Sitzung!

 

 

Beginn der Seminartätigkeit in Lüneburg für das Leuphana-Semester 2016/17

Nach dem Erfolg des Seminars Die philosophische Identität Europas, das im SoSe 2016 mit reger Teilnahme von Studierenden stattgefunden hat, wird Dr. Marco de Angelis am 24. Oktober in Lüneburg zwei Seminare für das Leuphana-Semester zum Start bringen. Um 8.15 Uhr beginnt das erste Seminar „Philosophische Meleinsteine der Menschenrechte: Woher wir kommen und wohin wir gehen“ und um 16.15 Uhr das zweite Seminar „Die Bedeutung der Philosophie für die Orientierung im eigenen Leben„.

Beide Seminare haben großes Interesse bei den Studierenden geweckt und die Anmeldungen sind weitaus über die ursprüngliche Grenze von 30 Studierenden (jetzt auf 32 aufgestockt) gewesen. Insbesondere das Seminar Orientierung hat einen Ansturm von Studierenden erlebt (fast 70) und leider konnten nicht alle aufgenommen werden. Angesichts aber der Wichtigkeit der Problematik insbesondere für junge Menschen, wird man wahrscheinlich am Ende doch mehr aufnehmen als ursprünglich vorgesehen.

Hier sind die Kurzdarstellungen der Inhalte und Ziele beider Seminare:

Philosophischemeilensteine
Philosophiealsorientierung

Hier können die Studierenden die Papiergrundlage für die erste Sitzung des Seminars Meilensteine herunterladen (Menschenrechte-1).

Hier ist die Papiergrundlage für die erste Sitzung des Seminars Orientierung (Orientierung1-3).

Wir wünschen allen Beteiligten interessante Seminare und viel Erfolg mit den bezüglichen Hausarbeiten.

In der Sektion Lehre von dieser Website werden wir über die Fortschritte beider Seminare laufend informieren.

Grundinhalt der sechsten und siebten Sitzung des Seminars “Die philosophische Identität Europas“

Bei den letzten zwei Sitzungen konnten wir die notwendigen Schlüsse aus der Auffassung des logischen Monismus (Lektion 6) und aus der dialektischen Logik (Lektion 7) ziehen. Wir haben einige ganz wichtige Begriffe für eine aktuelle Vernunftethik entwickelt:

  1. Der Begriff des absoluten Geistes (Lektion 8), also der Mensch insofern davon bewusst ist, dass er in seiner universellen Vernunft das Absolute ist und sich als solches erkennt. Diese Haltung haben wir, Kant folgend, eine Vernunftreligion genannt (Lektion 9).
  2. Sie gründet eine neue philosophisch-idealistische Zivilisation (Lektion 10). Diese Zivilisation folgt und ersetzt die monotheistischen Zivilisationen (Judentum, Christentum, Islam) in ihren verschiedenen geographischen Einzelvarianten. Daraus resultiert eine neue, auf Vernunft basierte Weltzivilisation. Die Zivilisation der westlichen Welt, in der wir leben, ist schon eine philosophisch-idealistische Zivilisation, sie gründet sich aber auf dem Verstand (materiell, rechnerisch, egoistisch, ökonomisch ausgerichtet, Profit-Denken fördernd) und nicht auf der Vernunft (ideell, nicht rechnerisch, altruistisch, sozial ausgerichtet, Sozial-Denken fördernd). In der westlichen Welt hat sich die individuelle, formelle Freiheit (Willkür) aber noch nicht die wahre, substantielle Freiheit verwirklicht. Das heißt, dass der Mensch frei ist, und das ist richtig, diese Freiheit ist aber ohne Inhalt, ohne Orientierung, und das ist falsch, da das Leben doch einen Inhalt hat, den wir mit der Vernunft verstehen sollen, um ihn dann zu verwirklichen, um danach zu leben. Die neue Weltzivilisation hebt also nicht nur die monotheistischen Religionen, sondern auch die auf Verstand basierte westliche Zivilisation auf.
  3. Das ethische Fundament dieser neuen Weltzivilisation soll die gegenseitige Anerkennung zwischen den Menschen sein (Lektion 11). Die Menschen erkennen sich gegenseitig als Absolut an. Sie sind füreinander Zweck und nicht Mittel, Kants 2. Kategorischen Imperativ folgend. Sie dürfen nie als Mittel behandelt werden.
  4. Daraus entwickelt sich eine ethische Weltgesellschaft, die die drei Hauptwerte der philosophisch-idealistischen Ethik verwirklicht. Diese Werte bilden den Inhalt der Freiheit, also die substantielle Freiheit. Sie sind:
    1. der Staat als Weltstaat und Weltgemeinde der sich als Zweck gegenseitig anerkennenden Menschen (Lektion 12).
    2. Die Familie als die Kleingemeinde, in der das neue Menschenleben in der Liebe geschöpft (1. Natur) und erzogen (2. Natur) wird und in der die Menschen nicht nur vernünftig sondern auch gefühlsmäßig miteinander verbunden sind (Lektion 13).
    3. Die Arbeitswelt als das Netz der Beziehungen unter den Familien und den Individuen einer Gesellschaft (vom Dorf bis zur Weltgesellschaft), in dem die Güter gegenseitig und füreinander produziert werden, die jeder für sein Leben braucht (Arbeitsteilung). Die Arbeit soll somit als Dienst für die Gesellschaft verstanden und gelebt werden (Lektion 14).
  5. Weltstaat, Familie und Arbeit sind auf der einen Seite die unvermeidlichen Dimensionen, in denen sich das Leben eines jeden Individuums entwickelt, auf der anderen Seite die Werte, die seinem Leben eine sinnvolle Orientierung geben können und sollen. Das Individuum soll den Sinn von seinem Leben in seiner Tätigkeit für den Weltstaat, für die Familie, für die Arbeit sehen und finden können. Indem das Individuum für diese intersubjektiven, auf gegenseitiger Anerkennung fundierten Institutionen lebt, verwirklicht er seinen Geist und ist somit glücklich (Lektion 15). Dafür gibt es selbstverständlich eine logische Erklärung, und zwar das nur indem das Individuum in diesen Institutionen lebt, wird er als Geist anerkannt (als Bürger, als Familienmitglied bzw. als berufstätiger Arbeiter) und dadurch kann er seine natürlichen und notwendigen Bedürfnisse, die ihm zur Materie und zur Natur anketten, in einer freien Art als Kreation (einer Familie, einer Dienstleistung) und nicht nur als Konsumation (Verbrauch) leben.Bei diesen Bedürfnissen handelt es sich um die Zusicherung des Überlebens der Spezies (Reproduktion) sowie des eigenen Überlebens (Assimilation), durch die entsprechenden körperlichen Akten. Bei der Kreation wirkt die Kategorie der wahren Unendlichkeit in uns, wir sind also als Absolutes tätig, wir kreieren, wir schöpfen und somit wir verwirklichen unser vernünftiges Wesen; als reine Konsumenten wirkt in uns dagegen die Kategorie der falschen Unendlichkeit, d. h. wir konsumieren, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen, diese aber nach kürzer Zeit wieder entstehen und uns zu einem erneuten Konsum bewegen, und so weiter zig mal ohne etwas Festes, Stabiles zu kreieren, zu schöpfen. Dabei sind wir also nicht kreativ, sondern „konsumativ“, also agieren wir konsumorientiert, nicht „kreationorientiert“, nicht kreativ. Das entspricht aber nicht unserem Wesen, wir sind keine Tiere mehr, die sich nur am Leben zu erhalten brauchen, sondern Menschen, wir haben das Absolute in uns, wir sind schöpferisch und kreativ wie das Absolute und wir sind erst dann zufrieden, wenn wir etwas Vernünftiges, Positives, Beständiges, Sinnvolles zustande gebracht haben. Genau wie das Absolute die Sonne, die Erde, den Himmel usw. geschöpft hat und ständig schöpft, so schöpfen wir Familien, Gesellschaften, Krankenhäuser, Schulen, Universitäten usw. Auf diese Weise, dank unserer schöpferischen Tätigkeit, geht die Kreation im Universum weiter, zu der Kreation von materiellen Wesen (Planeten, Sternen, Meere, Bäume, Tiere usw.) kommt die Kreation von geistigen Wesen hinzu (Schulen usw.) wie auch die Kreation von Menschen, die beides sind, materielle und vor alle geistige Wesen, da sie eben das Absolute verkörpern.

Somit ist das neue System der Philosophie gegründet und in einer einfachen, von allen Menschen verständlichen Sprache ausgedruckt, vorausgesetzt, dass sie bereit sind, „auf sich die Anstrengung des Begriffs zu nehmen“ (Hegel). Dieses System fördert eine Sozial-Ethik, keine Profit-Ethik. Die Sozial-Ethik führt die Menschen zu einem erfüllten, sinnvollen Leben, da sie anerkennen und anerkannt werden und dadurch als Geist nach der Kategorie der wahren Unendlichkeit leben dürfen. Die Profit-Ethik dagegen führt zu einem unerfüllten, sinnlosen Leben, sie kann zwar zu einer vorübergehenden Sättigung der Bedürfnisse führen, die aber immer wieder und stärker wie vorher entstehen.  Damit entsteht eine Kette von Bedürfnissen-Sättigung-neuen Bedürfnissen, die nie endet und den Menschen Knecht macht. Aus Freiheit wird also Knechtschaft! Dabei lebt der Mensch nach der Kategorie der falschen Unendlichkeit und somit als Materie, nicht als Geist. 

Schluss

Um zu unserem Hauptthema zurückzukommen, also zu Europa, ist genau diese Sozial-Ethik meines Erachtens das Hauptergebnis der Geschichte der Philosophie, wie sich diese in den philosophischen Systemen von Kant und Hegel niederschlägt. Und die Geschichte der Philosophie fällt zusammen mit der Geschichte Europas! Das Werden der Philosophie ist das Werden Europas! Aus diesem Grund ist die Philosophie als Sozial-Ethik die Identität Europas.

Was nach Hegel passiert ist, Marxismus, Nietzsche, Nihilismus, Imperialismus, zwei Weltkriege usw. bedarf sicherlich einer historischen Erklärung, die ich hier in wenigen Worten nicht geben kann.

Die Zeit ist aber heute reif, damit dem europäischen Einigungsprozess eine philosophische Grundlage gegeben wird, die einzige, die in der Lage wäre, diesen Prozess zu seinem richtigen Ende eines gemeinsamen europäischen philosophischen Staates führen könnte. Dieser europäische Staat, der schon in der Lage gewesen ist, Frieden in seinem Inneren zu schaffen, müsste dann die weitere Aufgabe übernehmen, sich für den Weltfrieden einzusetzen und in den kommenden Jahrhunderten zu einem Weltstaat führen. Damit würde Europa die neue weltweite philosophische Zivilisation stiften, die Kant in seiner Schrift vom 1795 Zum ewigen Frieden entworfen hatte und wovon Hegel dann die philosophischen Grundlinien expliziter dargelegt hat.

Natürlich wird den Menschen in einem hypothetischen europäischen bzw. sogar Weltstaat niemand befehlen, sich für eine Sozial-Ethik und gegen eine Profit-Ethik zu entscheiden. Es ist ihre freie Entscheidung. Wie könnte man dem Absoluten etwas befehlen?

Aber jungen Menschen darf und soll die Philosophie in unserer weitgehend säkula-risierten, oft orientierungslosen Gesellschaft eine Lebensorientierung zeigen und anbieten, die ihnen zu einem erfüllten, sinnvollen Leben führen kann. Das ist die heutige Aufgabe und Pflicht der Philosophie.

In diesem Sinn hoffe ich, trotz aller Schwierigkeiten der Sprache und der geographischen Entfernung, die aber nie eine Entfernung der Geister zwischen uns gewesen ist, diese Aufgabe und diese Pflicht in unserem Seminar erfüllt zu haben. Es war ein wunder-schönes Erlebnis, mit so interessierten, aktiven und geistreichen Teilnehmern diese lebenswichtige Inhalte diskutieren zu dürfen.

Grazie di cuore!

Marco de Angelis