Tag der offenen Hausarbeit 2018: Audiodateien auf Dropbox hochgeladen (26.3.2018)

 

Gestern sind  auf Dropbox die Audiodateien hochgeladen worden , die beim Tag der offenen Hausarbeit aufgenommen wurden.

Dieser Link führt zu dem Ordner der Dateien. Jedes Referat ist einzeln aufgenommen worden.

https://www.dropbox.com/sh/4589weje7ja6wmz/AADByX4fb5-eSizYaNXEMc37a?dl=0

Es war ein sehr schöner Nachmittag und eine gute Gelegenheit für ein sinnvolles Beisammensein. Zahlreiche, sehr interessante Referate, offene Diskussionen unter den Studierenden, auflockernde Pausen zum Kennenlernen, alles hat also geklappt.

Vielen Dank an die Studierenden, die dies ermöglicht haben.

Dr. Marco de Angelis

Tag der offenen Hausarbeit 2018 – Programm

Tag der offenen Hausarbeit 2018 – Programm

Uhrzeit des Referats Student-In Thema der Hausarbeit
Teil: Philosophie und Religion
16.30 Sonja Wernicke Philosophie/Religion: der junge Hegel und der Sinn der Religion
16.40 Thore Rausch Phil/Religion: Kant über die Gottesbeweise
16.50 Katharina Greve Phil. /Religion: Hegel, Feuerbach, de Angelis
17 Anna Reinhard Phil/Geschichte: Geist der Zeit aufheben
17.10 Malte Bödecker Phil./Pädagogik: Philosophie in der Schule
Kurze Pause
2. Teil: Philosophie/Politik/Ökonomie/Psychologie/Ökologie
17.20 Claudia Schmidt Phil./Politik. Aufbau eines Weltstaates
17.30 Eleonora Murero Phil/Politik: Zuwanderung und Weltstaat
17.40 Steffi Graf Phil. /Ökonomie: Über den Begriff vom Eigentum
17.50 Nils Bassen Phil./Politik:  S.Wagenknecht, der kreative Sozialismus
18.00 Lars Harten Phil.Politik: das Dilemma von Europa
18.10 Luisa Schiffner Phil/Politik: Europa als föderaler Staat?
18.40 Christoph Völtzke Phil./Pysychologie: über die wahre Freiheit
18.50 Mirko Jankowiak Phil./Ökologie: Monismus-Dualismus
19.00 Tim Theiss Phil./Ökonomie Adam Smith und die Freiheit
19.15-19.30: Ende, Verabschiedung und … Arrivederci!
 

Protokoll des 7. Treffens der PhilEuropa Gruppe Lüneburg

Dienstag, den 09.01.2018
(19:30-22.30  Uhr)

Leuphana Universität Lüneburg

Den ersten Vortrag des Abends hält Sara Diekmannshenke. Darin stellt sie die zwei Hausarbeiten vor, die sie innerhalb der letzten beiden Semester geschrieben hat.

Die erste der beiden Hausarbeiten („Inwiefern bietet der Monismus dem westlich geprägten Menschen in der heutigen Zeit eine Orientierung in seiner Beziehung zur Natur?“) bezieht sich maßgeblich auf die Frage, ob der Monismus ein Denkansatz ist, der mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen kann. Der monistische Gedanke beschreibt die Einheit diverser Komponenten, ursprünglich in Bezug auf Materie und Geist bzw. Natur und Mensch. Sara überträgt dies aber auch auf die Welt an sich. Allerdings kann man bei dem aktuellen Umgang mit der Welt nicht von einer monistischen Betrachtung sprechen. Durch den verbreiteten Kapitalismus werden die Welt und ihre Ressourcen als Ware gesehen, die dem Markt unterliegen und dem Menschen somit nicht ebenbürtig sind. Durch diese fehlende Anerkennung kommt es zur Ausbeutung und Zerstörung.

Die Nachhaltigkeit fordert einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur, stellt damit die Gegenposition dar und ist dem Gedanken des Monismus‘ somit viel enger verbunden. Eines von zahlreichen Nachhaltigkeitsmodellen, welches Sara uns vorstellt, sieht Wirtschaft und Menschen mit ihren Bedürfnissen als Teilmenge der Erde. Diese setzt bio-physikalische Grenzen, die somit Wirtschaft und Menschen begrenzen. Der Mensch muss also die Erde schützen, um sich selbst zu schützen.

Die Forschungsfrage wird wie folgt beantwortet: Ja, die monistische Sichtweise auf die Welt hält den Menschen dazu an, naturverbunden zu fühlen/ zu denken und sich nachhaltig zu verhalten, um den Monos, dessen er selbst Teil ist, zu schützen.

Saras zweite Hausarbeit hat den Titel „Was ist unter philosophisch-monistischer Bildung zu verstehen und inwieweit kann diese zur nachhaltigen Entwicklung beitragen?“. Hierin setzt sie Bildung und Nachhaltigkeit in den Zusammenhang. Bildung kann hierbei auf dreierlei Art definiert werden. Zum Einen als der Erwerb von Abschlusszertifikaten, des Weiteren als das, was zu Verringerung von Ungleichheiten beiträgt und als Drittes als Weg zur selbstbestimmten Subjektivierung. Nachhaltigkeit ist dann erreicht, wenn sowohl aktuell als auch in der Zukunft die Sicherung des Lebensstandards aller Menschen sicher gestellt ist.

Bildung schafft Solidarität, mündige Bürger, Auseinandersetzen mit dem Selbst, dem Anderen und der Welt. Und somit kann (philosophische) Bildung die Fähigkeit erwecken, zu erkennen. Zu erkennen, dass nachhaltige Entwicklung unabdingbar ist. Hier kann man dann auch den Bogen zur ersten Hausarbeit schlagen, da die Philosophie eine monistische Bildung vermittelt, die die Welt als schützenswerte Einheit darstellt, ohne dabei ihre Vielfältigkeit zu untergraben.

Durch die folgende Diskussion wurden die folgenden Punkte nochmal unterstrichen dargestellt oder ergänzend geäußert, teils auch in Fragen:

  • Der Mensch hat eine „moderierende Rolle“ auf der Welt und setzt sich durch die Wissenschaft mit der Natur auseinander. Gleichzeitig ist er aber auch Teil der Natur, sodass er eine duale Rolle in einem monistischen System hat.
  • Wenn man die Natur als Ware bezeichnet, so muss man auch den Menschen als Ware sehen. Zum Einen, da der Mensch laut monistischem Standpunkt ein Teil der Natur/ Welt ist, zum anderen, da sich auch die Arbeitskraft des Menschen mit den Ressourcen auf dem Markt befindet.
  • Das Konzept ‚Bildung für Nachhaltige Entwicklung‘ (BNE) wurde genannt. Die ist ein erster Ansatz dem Menschen in seinem egoistischen Handeln zu begegnen und das entgegengesetzte Denken zu verbreiten. Allerdings ist dies noch kein vollkommenes Konzept. Ob es Früchte tragen wird, wird man vermutlich erst in einigen Jahren bis Jahrzehnten feststellen können. Hoffentlich ist es dann nicht zu spät.
  • Ein wichtiges Kriterium dafür, ob man sich nachhaltig oder egoistisch verhält, ist die Unterscheidung, ob man sich über das „Haben“ oder das „Sein“ definiert. Die vom Kapitalismus geprägte Gesellschaft definiert sich zunehmend über das „Haben“. Die Philosophie ist hiervon losgelöst und kann somit Antwort sein.
  • Was können wir tun? Gibt es eine Lösung?

Es darf nicht weiterhin an materiellem Wohlstand festgehalten werden, das ständige Wachstum muss gestoppt werden und es muss mehr Wert auf die immateriellen/ sozialen Komponenten Wert gelegt werden. (Suffizienz-Gedanke).
→ Dabei muss klar zwischen Wachstum und Fortschritt unterschieden werden. Der Fortschritt birgt Potential die nachhaltige Entwicklung zu fördern und zu stärken.

  • Kann mit der aktuellen Bevölkerungszahl überhaupt eine Nachhaltigkeit erreicht werden?
  • Es ist politisches Eingreifen notwendig, um die Probleme des Systems zu beheben. „Wenn ich es nicht ausnutze, dann tut es ein anderer.“ Diese Gedanken dürfen nicht mehr möglich sein. Was der Natur übermäßig schadet, muss verboten und abgeschafft werden.
    → Die richtigen Leute müssen in die Politik. Politik sollte möglicherweise als angewandte Philosophie verstanden werden.
  • Der Kapitalismus gibt vor, dass das Glück der Menschen unweigerlich mit Wachstum verbunden ist. Allerdings gibt es einige philosophische Theorien, die nicht davon ausgehen.
    → In diesem Fall könnte man der Philosophie Recht geben, indem man die Aussagen gewichtet. Die Philosophie ist die Wissenschaft aller Wissenschaften und somit mehr als eine Meinung.

Den zweiten Vortrag des Abends hören wir von Clara Tempel mit dem Titel „Die Vorbereitung auf den Weltstaat entlang des Prinzips ‚Global denken, lokal handeln‘ am Beispiel der Transition-Bewegung“. Sie unterteilt ihren Vortrag in drei Bereiche. Zunächst erläutert sie die 5 Punkte, die es ihrer Ansicht nach braucht, um einen Weltstaat errichten zu können, erklärt dann als nächstes die Transition-Bewegung und wendet dann die 5 genannten Kriterien auf diese Bewegung an, um zu ergründen, ob diese zur Errichtung eines Weltstaats tauglich wäre. Wichtig ist ihr dabei, dass die Kriterien zuerst und somit unabhängig von der Kenntnis der Transition-Bewegung aufgestellt wurden. Der einfacheren Darstellung wegen werde ich nun zuerst über die Bewegung schreiben und dann Kriterien mit Überprüfung gemeinsam darstellen.

Die Transition-Bewegung  („Global denken, lokal handeln“) organisiert weltweit lokale Projekte, die globale Probleme aufgreifen und diese lokal verbessern, um so gesamtheitlich eine Verbesserung zu erzielen. Dabei beziehen sie sich schwerpunktmäßig auf die Themengebiete Energie (Ölförderung), Klima (Klimawandel, CO2-Ausstoß) und Wirtschaft (Wirtschaftskrise, Wachstumsgedanke). Zwar fordern sie Veränderung und appellieren durch ihre Projekt an die Menschen etwas zu verändern, das vordergründige Ziel besteht aber vor Allem darin selbst aktiv zu werden und Veränderung zu schaffen.

Notwendige Kriterien zur Errichtung eines Weltstaats:

  • Auflösen von alten eingefahrenen Strukturen, um Platz für Neues zu schaffen und Barrieren zu durchbrechen.
    Nicht erfüllt. Es wird nichts Altes aufgelöst.
  • Verbindende Elemente, die eine gemeinsame Identifikation ermöglichen. Die wichtigsten Elemente sind Vernunft, Kreativität, Negativität und Anerkennung.
    Vollkommen erfüllt! Mit Vernunft betrachtet man die Welt und ihre Kapazitäten und geht entsprechend damit um. Durch Kreativität und Negativität sind die Projekte gestaltet und ins Leben gerufen und man fördert die Anerkennung durch Gemeinschaftsbildung und die Anerkennung gegenüber der Natur.
  • Selbstermächtigung: Es bedarf mündiger Bürger, die von sich aus teilhaben und neues schaffen. Gut erfüllt. Durch den Ansatz direkt zu handeln, ergreifen die Teilnehmer Initiative und machen Gebrauch von ihrer Mündigkeit.
  • Neue Strukturen aufbauen: Regierung, Informationssysteme etc. müssen miteinander vernetzt sein. Es muss eine funktionierende Struktur geben.
    Die Transitions-Bewegung kommt ohne hierarchische Strukturen aus, allerdings bietet sie keine Vorschläge/ Antworten für neue staatliche Systeme.
  • Lokale Stabilität: Es muss nicht alles gleich werden, es muss nur alles gemeinsam funktionieren, sodass die Unterschiedlichkeit von lokalen Stützpunkten aus die Gemeinschaft stützt.
    Gut erfüllt. Lokale Projekte = lokaler Zusammenhalt und Stabilität. Zusätzlich bleiben die Investitionen und Entscheidungsvollmachten in der jeweiligen Region.

Somit kommt Clara zu dem Fazit, dass globales Denken für die Idee von einem Weltstaat und deren Umsetzung unabdingbar ist. Lokales Handeln könnte ein Weg dorthin sein.

Durch die folgende Diskussion wurden die folgenden Punkte nochmal unterstrichen dargestellt oder ergänzend geäußert, teils auch in Fragen:

  • Es wird die Frage aufgeworfen, ob es notwendig ist, neue Strukturen zu schaffen (aktives Vorgehen gegen alte Strukturen) oder ob nicht ein gutes Projekt/ Idee/ System so gut sein kann, dass es das alte ablöst.
    → Gegenbeispiel: Braunkohle-Abbau. Es gibt bereits erneuerbare Energien, die den Braunkohl-Abbau vollkommen ersetzen könnten und trotzdem geschieht dies nicht.
  • Wie kann man die Menschen von der Idee des Weltstaates überzeugen?

Wir sind uns einig, dass es nicht mit „Missionierarbeit“ geht, sondern, dass die Menschen es sich aus ihrem Inneren erschießen müssen. Dies führt wieder zurück zum Thema der Bildung. Eine andere Idee von Marco sieht vor alle gleichgesinnten Bewegungen zusammenzuführen und eine Bewegung der Bewegungen zu schaffen. Diese könnte die lokalen Träger zusammenführen. Wenn man nun darüber ein funktionierendes Konzept eines Weltstaates aufspannt, so werden die Nationalstaaten als Zwischenebene überflüssig. Eine Idee. Ein Traum.

Wir schließen die Sitzung mit dem Gedanken daran, dass die Vernunft der Wert ist, der uns alle miteinander und mit allen Menschen dieser Welt verbindet. Und mit der Hoffnung, dass die Vernunft die Wahrheit erkennen kann und sich die Wahrheit immer durchsetzt.

(Der Termin für die nächste Sitzung ist für den 10. April um 19.30 Uhr angesetzt. Eine Einladung mit Angabe der Referate, die gehalten werden, wird in den kommenden Wochen verschickt).

(Alles ist auch auf facebook: https://www.facebook.com/philosophiefueralle.de/ zu lesen.)

Anna Caroline Bringmann

In der 6. und 7. Sitzung wird die philosophische Ethik dargestellt

Am Montag den 9.1. gehen unsere Lüneburger Seminare weiter.

Wir werden uns mit der teilweise neuen vorgeschlagenen philosophisch-idealistischen Ethik beschäftigen, die in Philosophie für alle präsentiert wird und den Anspruch erhebt, als Vernunftreligion eine philosophisch-idealistische Globalisierung weltweit zu stiften.

Begriffe wie Vernunftreligion, universelle und unsichtbare Kirche wurden von Immanuel Kant 1793 in seinem Buch Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft formuliert. Es sind Begriffe, die heute aktueller denn je scheinen.

Darüber hinaus gründete Hegel in den darauffolgenden Jahren seine Auffassung einer Philosophie als Begründung einer selbstbewussten, freien Zivilisation. Wir finden diese in seiner ersten Ethikauffassung (Manuskript System der Sittlichkeit von 1802) sowie in dessen späterem Schluss, der mit dem Titel Fortsetzung des Systems der Sittlichkeit(1803-05) von seinem Biographen Karl Rosenkranz überliefert wurde. Darin definiert Hegel diese Zivilisation als ‚freies Volk‘, das er dann später in seinen Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte mit den germanischen Völkern identifizierte, worunter er die nordeuropäischen, protestantischen Völkern  meinte.

Gleichzeitig sprach der Philosoph dabei aber auch von einem ‚absoluten‘, universellen Geist, einem ‚Weltgeist‘, der dazu strebt, über die internationalen Beziehungen Freiheit für alle Menschen auf Erden (und nicht nur bei den ‚germanischen‘ Völkern) zu verwirklichen. Diese ist als Hegels Meinung über den Sinne der Geschichte zu betrachten.

Hegel war also nicht in der Lage, in seinem Leben diese Kontrast zu lösen zwischen einem Weltgeist, der auf Erden überall die Freiheit für alle früher oder später stiften wird, und der Identifizierung zu damaliger Zeit mit der ‚germanischen‘ Zivilisation, die wir heute im Allgemeinen als Westen bezeichnen würden (wobei eigentlich auch die kommunistischen bzw. ex-kommunistischen Ländern dazu gehören könnten). Seine Philosophie enthält aber die Grundideen für eine solche Lösung, die sich zwar in dem Begriff ‚Weltgeist‘ befindet, wurde aber von ihm aaus historischen Gründen nicht adäquat entwickelt.

In Philosophie für alle habe ich diese Problematik gelöst und eine Vernunftreligion für die Menschheit präsentiert. Die intersubjektive Anerkennung spielt dabei eine entscheidende Rolle, da nur sie dem Menschen ermöglicht, seinen Geist zu verwirklichen, also frei im wahren Sinne des Wortes zu leben. In diesem Bezug spielt eine Schlüsselrolle der Unterschied zwischen wahrer und falscher Unendlichkeit. Diese ist die die logische Grundlage, worauf die Unterscheidung zwischen wahrer und falscher Freiheit, die Willkür eigentlich ist, begründet werden kann.

Die wahre Freiheit verwirklicht sich dagegen im ethischen Leben, d.h. in den Institutionen der Gesellschaft, in denen wir unausweichlich leben. Diese sind:

  1. der Staat, der als Weltstaat seinen philosophisch begründeten Ausdruck finden;
  2. die Arbeit, die als Dienst angesehen werden soll;
  3. die Familie, deren Grundlage die Liebe zwischen Frau und Mann ist.

Nur ein Leben, das bewusst innerhalb diesen Institutionen gelebt wird, kann die Selbstverwirklichung des Geistes und deswegen sein Glück im Sinne von Erfüllung, Zufriedenheit ermöglichen. Grund dafür ist, dass die wahre Unendlichkeit, also die Fähigkeit, sich kreative Ziele zu geben und diese im eigenen Leben zu verwirklichen, die logische Grundstruktur des Geistes, sein Wesen, seine Natur ist. Ein authentisch geistiges und deshalb glückliches, erfülltes Leben kann deshalb nur dann erfolgen, wenn man kreativ, also nach dem Prinzip der wahren Freiheit bzw. der wahren Unendlichkeit lebt.

In den letzten zwei Sitzungen beider Seminare werden wir uns mit dieser Problematik beschäftigen, wobei im Seminar über den ‚Populismus‘ wir uns eher auf die politischen Themen konzentrieren, während im Seminar über die ‚Wahrheit‘ eher psychologisch-existentielle Aspekte im Mittelpunkt stehen werden.

Dr. Marco de Angelis

Protokoll des 6. Treffens der PhilEuropa Gruppe Lüneburg

Protokoll des 6. Treffens der Philosophiegruppe Lüneburg

Dienstag, den 28.11.017 um 19:30 Uhr

Leuphana Universität Lüneburg

Beginnend mit einem Vortrag von Nico TöberichDer Weltstaat. Eine philosophische Auseinandersetzung mit dem Konzept von einer Weltgemeinschaft anhand der Ansichten Hegels“ knüpfen wir an das Ende des letzten Treffens an. Nico legt noch einmal seine Forschungsergebnisse im Bezug auf die Sichten Kants und Hegels bezüglich eines Weltstaates dar. Sein Forschungsinteresse lag beim Schreiben der Hausarbeit darin, Konflikte, Kriege und weitere Probleme der Welt und ihren Ursprung zu untersuchen. Hegel setzt hierbei die Vernunft über alles, sodass hinter allem ein sinnhafter Grund, also die Vernunft, stecken muss. Es gibt also eine höhere Macht, einen Sinn, in den sich langsam alles wandelt. Auf dem Weg dieser Wandlung kann es auch Kriege geben, diese sind jedoch dazu gedacht, dass der Mensch daraus lernt und sich schlussendlich weiter in Richtung Freiheit bewegt. Durch diese höher liegende Vernunft ist es ebenfalls möglich, andere als Personen anzuerkennen und somit Subjekte von Objekten zu unterscheiden. Dabei führt die Anerkennung anderer zur Selbsterkenntnis.

Dies wendet Hegel entsprechend auf die Geschichte an. Er betrachtet die einzelnen Staaten wie Individuen, die solange Krieg gegeneinander führen, bis sie erkennen, dass sie sich einigen und miteinander auskommen müssen. Da diese Kriege nun offenbar unausweichlich sind, stellt Hegel die Forderung, dass ein Krieg immer menschlich sein muss. Dies bedeutet für ihn, dass es immer eine Aussicht auf einen anschließenden Friedensschluss geben muss.

Realisierbar wird das Ganze, wenn große Zivilisationen anfangen, gemeinsame Lösungen zu erarbeiten und in dem Sinne zusammen arbeiten, dass sich daraus ein Weltstaat entwickeln kann. Ein Beispiel für eine solche Entwicklung ist die Europäische Union. Diese ist zwar noch weit weg von einem Weltstaat, hat aber erste Schritte in diese Richtung gemacht. Man hat aus dem zweiten Weltkrieg gelernt und ein Bündnis erschaffen – so wie Hegel es sich vorstellte.

Von dieser Informationsgrundlage gehen wir dann in eine Diskussion. Der erste Punkt war eine Art Warnung. Denn wenn die Menschen sich ihrer Geschichte nicht bewusst sind und diese nicht ehrlich verinnerlichen, so besteht die Gefahr, dass sie ihre Fehler immer und immer wiederholen und weitere Kriege führen, ohne dass diese zu einer Weiterentwicklung führen. Doch diese Weiterentwicklung in Richtung Freiheit setzt die Überwindung der „Unfreiheit“ voraus. Dies ergibt für uns die Schlussfolgerung, dass Kinder schon in der Schule lernen sollten, wie man philosophisch denkt, um diese Entwicklung zu verstehen und in ihr weiter schreiten zu wollen und zu können.

Momentan leben wir in Deutschland/ Europa in einem System, was vielleicht nicht optimal, dennoch aber ganz gut ist. Dies verleitet stark dazu, sich darauf auszuruhen und keine weiteren Verbesserungen anzustreben. Der Mensch sieht bzw. spürt keinen Anlass für Weiterentwicklung. Hier haben wir uns nun die Frage gestellt, ob der Mensch möglicherweise immer einem gewissen Druck ausgeliefert sein muss, um Gutes zu schaffen und sich weiter entwickeln zu wollen? Wenn man hierzu noch einmal das Beispiel der EU heranzieht, so stellt man fest, dass diese als Gegenreaktion auf die Gründung der Sowjetunion entstand. Um gegen halten zu können, musste man ein ähnlich starkes Bündnis schaffen. Schaut man unter diesem Gesichtspunkt in die heutige Zeit und stellt dabei fest, dass es momentan keine solche unmittelbare Bedrohung gibt, so sieht man auch recht schnell, dass dies keine weitere Einigung begünstigt. Ganz im Gegenteil. Spätestens mit dem Brexit löst sich die bestehende Gemeinschaft, die EU, langsam auf.

Ein sehr wichtiger Punkt war für uns, dass das Geschichtsbewusstsein niemals verloren gehen darf. Gerade jetzt, beginnend mit dem Ende des 2. Weltkrieges sind wir an einem Punkt angelangt, ab dem wir keine Kriege mehr benötigen. Wenn wir es jetzt schaffen, nicht zu vergessen, dann sind wir an dem Punkt an dem wir permanente friedliche Weiterentwicklung erreichen können.

Erinnerung + Bewusstsein → Weiterentwicklung

Der springende Punkt hierbei ist die aktuelle Situation. Einerseits sind wir so weit, dass es keinerlei Kriege mehr bedarf, andererseits leben wir in einem System, welches zunehmend des Egoismus des Menschen fördert und dadurch den Gedanken ans Gemeinwohl hemmt. Dem Menschen geht es gut, sodass Entwicklungen zu stagnieren drohen und der Egoismus möglicherweise einen Rückschritt erwirken kann. Somit ist uns klar, man solle, auch über die Verbreitung philosophischer Gedanken, möglichst vielen Leuten zeigen, dass die Förderung des Gemeinwohles das non plus ultra ist.

Weiter ging es mit dem Vortrag von Carla Denzinger Was bedeutet Familie? Eine philosophische Untersuchung des Familienbegriffs“.

Im ersten Teil des Vortrages bezieht auch sie sich auf Hegel und dessen Definition der Familie. Der Kern der Familie ist die Liebe, denn jeder Mensch hat das Bedürfnis nach Liebe. Durch diese Liebe kann der Mensch sich selbst finden und sich auch im Anderen wiederfinden. Die Eheschließung ist dann quasi nur der äußere Rahmen, dennoch aber wichtig, damit das Ganze ernsthaft ist und die Verbindung der Eheleute einer bewussten Entscheidung bedarf.

Innerhalb der Familie verteilt Hegel die Rollen sehr eindeutig. Er geht von einer heterosexuellen monogamen Zusammensetzung aus. Der Mann soll dabei die Familie nach außen vertreten, ist für die Finanzen und die Repräsentation zuständig. Die Frau ist dabei der nach innen gekehrte Part, der der Familie zugewandt ist und alle häusliche Arbeit verrichtet. Grundlegend sind die Ehepartner aber gleich gestellt, bekleiden eben nur unterschiedliche Aufgaben.

Nach Hegel besitzt eine Einzelperson Eigentum, eine Familie hingegen Vermögen, welches weitergegeben werden soll. Somit sind auch die Kinder als Produkt der Ehe, Teil der Familie, werden aber als eigenständige Personen betrachtet, die das Erbe der Eltern tragen und dazu bestimmt sind, eine eigene Familie zu gründen.

Des Weiteren beschäftigte Carla sich mit Regenbogenfamilien (gleichgeschlechtliches Paar mit Kindern; Zusammensetzung egal). Derzeit leben in Deutschland etwa 7.000 Kinder in Regenbogenfamilien, doch die fortwährende konservative Einstellung macht es diesen Familien nicht gerade leicht. Nicht nur die gesellschaftliche Anerkennung leidet darunter, auch finanzielle Mittel sind nicht allzu leicht zu beantragen.

Betrachtet man die Welt von einem monistischen Standpunkt aus, so setzt dies voraus, dass wir eins sind mit der Natur. Dies jedoch widerspricht all den Möglichkeiten, die ein gleichgeschlechtliches Paar hat, um Kinder in ihre Familie zu bringen: Adoption, Leihmutterschaft, Samenspende.

Die Zuneigung zwischen Eltern und Kindern ist die gleiche, egal in welcher Konstellation die Familie zusammengesetzt ist, doch die Biologie unterscheidet Regenbogenfamilie von „normalen Familien“. Hier stellt sich nun die Frage, ob man diese beiden Familientypen durch eine begriffliche Unterscheidung trennen sollte. Und dies wirft wiederum die Frage auf, in wie weit dies der grundsätzlich angestrebten Gleichberechtigung dienlich ist.

Der Begriff der Familie ist so sehr von Emotionen gefüllt, dass dieser niemals neutral sein kann, und somit ist es auch nicht wirklich fair, eine Gemeinschaft von liebenden Eltern und geliebten Kindern, ganz gleich wie diese gezeugt worden sind, nicht als Familie zu bezeichnen. Carla schlägt vor, die Begriffe beizubehalten und den Kindern gegenüber immer transparent zu zeigen, woher sie kommen, wie sie entstanden sind und deutlich zu machen, dass ihre Eltern sie, wenn sie auch nicht die Leiblichen sein mögen, von Herzen wollen und lieben. Somit steht gegenseitige Fürsorge, Zuneigung und Emotionalität im Vordergrund und ist Grundlage für etwas, das wir als „Familie“ bezeichnen.

In der anschließenden Diskussion wurden viele Punkte des Vortrags noch mal aufgegriffen und sollen hier nochmal kurz zusammen gefasst dargestellt werden.

Die philosophische Grundlage, auf der viele große Philosophen aufgebaut haben, bezieht sich auf die Natur. So tut es auch Hegel und prägt den Familienbegriff mit Mann und Frau als Charaktere der Ehe. Daraufhin stellten wir uns die Frage, ob das Eingreifen in die natürlichen menschlichen Prozesse grundsätzlich überhaupt mit den Aussagen Hegels vereinbar ist. Ein weiterer Punkt hierbei ist, dass die Fortpflanzung als eines der Merkmale des Lebens angesehen wird.

Von diesem Punkt aus ist es dann auch wieder allzu verständlich, dass auch gleichgeschlechtliche Paare den Wunsch verspüren, sich fortpflanzen zu wollen. Wenn auch die Frage im Raum steht, ob es möglicherweise egoistisch ist, ein Kind mit künstlicher Hilfe zu bekommen (Adoption ausgeschlossen), so muss man immer bedenken, dass ein Kind in einem gleichgeschlechtlichen Paar niemals ungewollt entsteht, sondern es weiter und anspruchsvoller Wege bedarf, ehe ein Kind in die Familie kommt. Somit kann man davon ausgehen, dass gleichgeschlechtliche Paare, die ein Kind bekommen möchten, sehr stark und gefestigt in ihrer Liebe sind und das Kind ein Herzenswunsch ist, denn der Weg dorthin ist lang.

(Alles ist auch auf  facebook https://www.facebook.com/philosophiefueralle.de/ zu lesen)

(Anna Caroline Bringmann)

Mit der 5. Sitzung unserer Seminare fürs Leuphana-Semester erfolgt die Wende von der theoretischen zur ethischen Philosophie

Mit der Erörterung der tiefen Bedeutung einer monistischen Weltauffassung haben wir bei der 4. Sitzung die Darstellung des theoretischen Teils des Systems der Philosophie zu Ende gebracht. Ergebnis davon ist, dass der Mensch in seinem Wesen logische Kreativität ist und diese darin besteht, ‚Begriffe‘, ‚Konzepte‘ auszuarbeiten und zu verwirklichen. Diese Tätigkeit allerdings ist auch die Tätigkeit des Absoluten, d.h. der Kraft, die dem Monos, dem Ganzen zugrundeliegt und überall im Universum sowie zu jederzeit neue Seienden schöpft, kreiert.

Dabei ist es hervorgekommen, wie wichtig es ist, das Denken richtig zu definieren. Insbesondere scheint das Denken als Vernunft nicht nur etwas Subjektives, sondern ebenso etwas Objektives zu sein. Es gibt selbstverständlich Vernunft im Menschen, es gibt aber auch Vernunft überall auf der Welt. Die Welt ist vernünftig strukturiert. Alles entwickelt sich nach einigen logischen Prinzipien, die dann die Grundlagen der Gesetze der Natur bilden. Diese logischen Prinzipien bilden  die Grundstruktur des ‚Monos‘, der einzigen Totalität von dem, was gibt (Welt, Universum, Seiendes, Ganzes usw. egal wie wir es ausdrücken wollen).

Wir können diese Prinzipien erkennen, indem wir unsere Vernunft erforschen, da eben diese Prinzipien sind die Kategorien, die reinen Begriffe, worüber insbesondere schon Aristoteles, Kant, Hegel geschrieben haben), worin unsere subjektive Vernunft besteht. Die Kategorien sind das Wesen der Vernunft, ihr Stoff, sozusagen.

Das Hauptmerkmal der Vernunft, also der Kategorien, ist die Kreativität. Die Kategorien sind nicht etwas Festes, sondern in ständiger Bewegung, in kontinuierlicher Entwicklung, und das bildet das Leben des Geistes. Wir sind eben ständig geistig in Bewegung, nie zufrieden, wir wollen immer etwas Neues erschaffen, erreichen im Leben.

Die Kreativität ist aber auch das Hauptmerkmal der Materie, also der Natur, die ebenso ständig in Bewegung, in Entwicklung ist. Es könnte nicht anders sein, weil eben die Vernunft also die Kreativität überall ist.

Diese Erkenntnis führt dazu, dem Menschen einen absoluten Wert, eine absolute Würde zuzusprechen. Der Mensch ist die Verkörperung der absoluten Vernunft, des Prinzips der Welt (im Sinne der ‚causa finalis‘).

Damit wird der Mensch als ‚absoluter Geist‘ definiert, d.h. der Mensch ist ein geistiges Wesen, das sich schon teilweise in der Religion, aber dann vollständig in der Philosophie mit dem Absoluten identifiziert.

Diese Auffassung des Absoluten gründet eine neue Zivilisation, eine philosophische Zivilisation. Dieser Zivilisation liegt eine philosophische Vernunftreligion bzw. Vernunftethik zugrunde.

Diesbezüglich werden wir einige sehr wichtigen Texte gelesen, und zwar aus Kants praktischer Philosophie und aus Hegels Philosophie des Geistes.

Kant fordert uns auf, die Menschheit sowohl in uns selbst als auch in den anderen Menschen immer als Zweck und nie als Mittel zu behandeln.

Hegel erklärt uns, dass die gegenseitige Anerkennung die Grundlage aller Formen des Zusammenseins ist, wie etwa Freundschaft, Familie, Staat und dass diese philosophische Haltung eine neue Phase in der Geschichte der Menschheit eröffnet.

Dem Verständnis dieser neuen philosophischen Zivilisation wollen wir uns in den letzten drei Sitzungen beider Seminare widmen.

(Dr. Marco de Angelis)

Die 2. und 3. Sitzung beider Philosophieseminare fürs Leuphana-Semester haben ein Zeichen gesetzt! (24.11.2017)

Es ist heutzutage eine weitverbreitete Meinung, dass es keine objektive, absolute Wahrheit gibt.  Daraus resultieren zwei Denk- und Lebenseinstellungen, Skeptizismus und Relativismus, die sich dann besonders in der  Ethik bemerkbar machen und verheerende Folgen haben. Wenn es keine objektive Wahrheit gibt, dann gibt es auch keine objektive, allgemeingeltende Werte Es ist alles richtig, Rassismus ist ebenso richtig wie Menschenliebe. Das wollen wir natürlich nicht, so ist es absolut wichtig, die Fähigkeit des Menschen zu verstehen und zu begründen, die Wahrheit zu erlangen. Das Gegenteil wäre in der Tat für die menschliche Gesellschaft fatal. Ein Minimum an Konsens über die Werte, wie etwa Respekt, Freiheit, Demokratie usw., ohne die selbst das Zusammenleben der Menschen unmöglich ist, ist in der Tat in jeder Gesellschaft absolut nötig. Ohne allgemeingeltende Werte würde es auch keine Menschenrechte geben wie auch keine Orientierung im Leben, die für alle gelten kann.

In diesen Sitzungen haben wir damit begonnen, die theoretischen und praktischen Gründe für die Objektivität und Absolutheit der Wahrheit zu erläutern. Es handelt sich um die von uns entwickelte Theorie des ‚ich verstehe‘. Diese ist in den Lektionen 4-6 des Buches Philosophie für alle behandelt.

Diese Theorie wird vor allem durch eine Umkehrung des Blickpunktes gekennzeichnet, aus dem wir die Objektivität bzw. die Welt betrachten. Das alltägliche Leben wie auch die obenerwähnten philosophischen Auffassungen des Skeptizismus und des Relativismus verbergen einen ‚dualistischen‘ Standpunkt. Damit ist gemeint, dass der Mensch, das Subjekt, sich von der Natur, vom Objekt, völlig unterschieden ansieht und die Natur als etwas ‚Fremdes‘ ansieht, etwas das außen ihm gegenüber ist. Subjekt und Objekt stehen sich aus der Perspektive dieses Blickpunktes  gegenüber, das Subjekt betrachtet die Welt als etwas, das vor ihm steht.

Aus dieser Perspektive heraus entwickelt sich die Problematik der Wahrheit, d.h. einer korrekten Korrespondenz zwischen dem, was das Subjekt vom Objekt weiß, und dem, was das Objekt an sich ist. Der letzte große, weltberühmte Philosoph, der diese Problematik besonders intensiv behandelt, hat, ist Immanuel Kant gewesen. Sein Hauptwerk Die Kritik der reinen Vernunft  ist genau aus diesem Blickpunkt heraus verfasst worden.

Die Trennung von Subjekt und Objekt, Geist und Materie, Mensch und Natur hat auch gravierende Folgen in der Ethik. Die verheerendste ist die Spaltung des Menschen in Seele und Körper, so dass die Sinnlichkeit, die Gefühle, die Leidenschaften und im Allgemeinen alles, was im menschlichen Körper seinen Ursprung hat,  als etwas Negatives, als Sünde betrachtet wird. Die christliche Religion und die monotheistischen Religionen überhaupt vertreten z.B. Moraltheorien, die das Glück des Menschen nicht in diesem materiellen Leben auf Erden, sondern in einem völlig spirituellen Leben im Jenseits ansehen.

Allen diesen Theorien, die unser Alltag nicht nur in der Vergangenheit bestimmt haben, sondern noch heute die Lebensweise von Millionen von Menschen prägen, liegt eben eine dualistische Vision des Verhältnisses zwischen Subjekt und Objekt zugrunde.

Dagegen hat sich in der Vergangenheit die gegensätzliche Auffassung gestellt, die des ‚Monismus‘. Während Dualismus kommt aus dem Lateinischen ‚duo‘, also zwei, das Wort ‚Monismus‘ kommt aus dem altgriechischen ‚Monos‘, d.h. ‚eins‘.

Dieser Auffassung nach sind Subjekt und Objekt eine untrennbare Einheit, sie sind ein einziges Ding, das zwei verschiedene Aspekte hat, ein materielles – die Natur als Materie und ‚Außenwelt‘ – sowie ein geistiges, der Mensch als Seele und ‚Innenwelt‘. Die ‚Innenwelt‘ unserer Seele ist aber gleichzeitig Teil der Außenwelt, die sie wiederspiegelt und zu erkennen versucht. Die Außenwelt ist, sozusagen, der Behälter, in dem die seelische Innenwelt lebt und tätig ist.

Das, was auf der Welt also richtig existiert, ist also das ‚Monos‘, das die Philosophen dieser Denkrichtung verschieden formuliert haben (z.B. der griechisch Parmenides im vierten Jahrhundert v. C. als ‚das Seiende‘, Spinoza im siebzehnten Jahrhundert als ‚die Substanz‘ von allem, Hegel im neunzehnten Jahrhundert als ‚das Absolute‘ usw.). Das Monos ist das Ganze, wovon Geist und Materie, Mensch und Natur die zwei Hauptteile darstellen.

Die Ergebnisse der Naturwissenschaften, z.B. die Evolutionstheorie, beweisen heutzutage die Richtigkeit einer solchen monistischen Weltauffassung.

Aus diesem ganzheitlichen Standpunkt heraus lässt sich sowohl die erkenntnistheoretische Problematik der Wahrheit als auch die ethische Problematik des Verhältnisses zwischen Körper und Seele im Menschen einfach lösen. Da die Menschen ein Teil der Natur sind, insbesondere derer selbstbewusstes und freies Teil, sind sie ihr total angepasst und deshalb fähig, mit der Natur zu kommunizieren, sie zu verstehen, also die Wahrheit zu erkennen. Die Menschen sind also wahrheitsfähig, genauso wie sie gehfähig, sprachfähig usw. sind. Was die Ethik betrifft, sind die Hauptinstinkte, die den Menschen zu Handlungen bewegen, in sich ‚gut‘, da sie in der Natur verankert sind und zu einem glücklichen Leben auf dieser Erde, nicht erst im Jenseits, führen können.

Diesbezüglich lässt es sich noch viel mehr sagen, was wir im Unterricht auch gesagt haben und sowohl in den entsprechenden Audioaufnahmen zu hören ist als auch in den Lektionen 4-6 des Buches Philosophie für alle, wo alles dargestellt und begründet wird, gelesen werden kann.

Nachforschungszweige sind in diesem Bezug folgende Begriffe und Themen:

Erkenntnistheorie,
Wahrheitstheorie
Subjekt-Objekt
Körper-Seele
Relativismus
Skeptizismus
Dualismus
Monismus
Die Philosophen, die erwähnt worden sind (Parmenides, Bruno, Spinoza, Kant, Hegel)

Jeder von diesen Themen könnten Gegenstand der Hausarbeit sein.

Am Montag, den 27. November, gehen beide Seminare weiter. Es wird die Begründung der Richtigkeit einer monistischen Welt- und Menschenauffassung abgeschlossen sowie die Schlüsse für die entsprechende Menschenauffassung gezogen. Danach werden sich dann ab der 5. Sitzung die Seminare auf verschiedenen Schienen weiterentwickeln: Das eine wird eher die politische Theorie des Staates und der Menschenrechte behandeln, während das andere sich vornehmlich mit der Theorie einer glücklichen Lebensführung beschäftigen wird. Da es aber keine glückliche Lebensführung in einem ungerechten Staat geben kann, werden sich auch in den folgenden Sitzungen die Themen beider Seminare unausweichlich kreuzen sowie sich aufeinander beziehen.

(Dr. Marco de Angelis)

 

 

Protokoll der 5. Sitzung der Lüneburger PhilEuropa-Gruppe

Protokoll des 5. Treffens der Philosophiegruppe Lüneburg
Dienstag, den 07.11.017 um 19:30 Uhr
Leuphana Universität Lüneburg

Marco de Angelis eröffnet das Treffen der von ihm gegründeten Gruppe der Philosophie. Direkt zu Beginn verweist er auf einen Beitrag, der am 19.11. um 23:05 Uhr im WDR5 ausgestrahlt und im Radio übertragen wird. In diesem werden Prof. Dr. Christoph Jamme und Dr. Richard David Precht, beide Professoren an der Leuphana Universität Lüneburg, zum Thema Aufklärung und Religion aus philosophischer Perspektive zu Wort kommen.

Für den inhaltlichen Einstieg sorgte Judith mit ihrem Vortrag über ihre Hausarbeit zum Thema „Sind die Grenzen in unseren Köpfen? Zum Umgang mit ‚kultureller Differenz‘ in der Vision eines Weltstaats“. Um der schon im Titel enthaltenen Frage auf den Grund gehen zu können, nahm sie uns andere zunächst mit auf die Reise, die sie für ihre Hausarbeit selbst auch gemacht hat.

Dabei beginnt sie mit dem Gedanken an einen Weltstaat, für den sich alle Nationalstaaten auflösen müssten und die Menschen zu Weltbürgern werden würden. Dies ginge also einher mit einem Verlust der Nationalität, den viele wohl tatsächlich als solchen empfinden würden, da die Nationalität ein bedeutender Ankerpunkt zur eigenen Identitätkenntnis ist. Die Nationalität, wenn sie auch künstlich konstruiert ist, schafft eine kulturelle Gemeinschaft. Die Voraussetzung um seine Identität fest stellen zu können, da waren wir uns alle einig, ist die Abgrenzung von etwas anderem. Denkt man nun also das Modell des Weltstaates weiter, so muss man weg von Nationen, die sich gegenseitig voneinander abgrenzen, hin zu einem Weltbürgertum, welches sich durch sein Menschsein von anderem und nicht von Teilen seiner selbst abgrenzt.

Ebenfalls unverzichtbar für einen Weltstaat wäre eine gemeinsame Weltanschauung – diese entsteht in aller Regel aus der Wechselwirkung vom Menschen selbst und der Umgebung, die er betrachtet. Eine allgemeine und für jeden annehmbare Weltanschauung müsste also allgemein gültig sein, aber dennoch Platz lassen, beispielsweise für Religion, den jeder Mensch für sich selbst füllen kann. Dies kann nur erreicht werden, wenn diese Weltsicht aus einem ausführlichen Diskurs hervorgeht.

An diese ersten Anregungen schloss sich unmittelbar eine zwischengeschobene Diskussion an, die zunächst mal in Frage stellt, ob man sich tatsächlich der Nation zugehörig fühlt, in die man hinein geboren wurde. Auch Einzelheiten über die Identität des Einzelnen und die einer Nation wurden angesprochen.

Hierbei entstand der Verweis auf den European Democracy Lab und Ulrike Guérot, die dem Gedanken an einen Staat für alle Menschen in Europa maßgeblich nachgeht. Ein interessantes Interview mit ihr findet man auch auf dem YouTube-Kanal http://www.jungundnaiv.de/ oder unter https://www.youtube.com/user/Nfes2005 von Tilo Jung.

Als Nächstes folgte ein Beitrag von Marco, der eine philosophische Idee zur Lösung vorstellt:

Um die Identität zu wahren und sich weiter identifizieren zu können, schlägt er vor, dass sich die Menschen anstatt von sich selbst, von der Natur abgrenzen. Der Mensch ist Einheit von Natur und Geist und sollte sich somit auf den Geist berufen und sich nicht davon los sagen. Die Natur ist dabei der materielle/ notwendige Teil, also der Gegenpart des Geistes.

Eine universelle Weltanschauung wäre dann, wie auch Kant es entwirft und als Vernunftsreligion bezeichnet, eine allgemeine Philosophie.

Daraufhin haben wir uns einige Zeit mit folgenden Fragen auseinander gesetzt:

Worin unterscheidet sich ein Dogma (Religion) von einer philosophischen Begründung?

Sollte man sich wirklich von der Natur abgrenzen? Würde man der Natur dann nicht vielleicht recht leicht händig schaden? Wenn die Natur ein Teil von uns ist, wie können wir uns dann von ihr abgrenzen?

Einen wirklich guten Abschluss zu diesem Thema fand Steffi dann, indem sie betonte, dass es sehr wichtig ist, Abgrenzung nicht in ein allzu schlechtes Bild zu rücken, sondern nach einem positiven Abgrenzungsmerkmal zu suchen. „Ich bin der Meinung, dass der Mensch sich schon dadurch von den genannten Dingen abgrenzt, dass er nach der Wahrheit strebt und sucht wohingegen die anderen Dinge wie Materie, Tiere usw. einfach existiert bzw. lebt.“, so fasst es Steffi zusammen und bietet damit einen ersten Lösungsansatz.

Anschließend begann Nico die beiden Hausarbeiten vorzustellen, die er in den letzten beiden Semestern geschrieben hat. 1 „Der Weltstaat – Eine philosophische Auseinandersetzung mit dem Konzept von Weltgemeinschaften erläutert anhand Kants Werk „Zum ewigen Frieden““ und 2 „Der Weltstaat – Eine philosophische Auseinandersetzung mit dem Konzept von einer Weltgemeinschaft erläutert anhand der Ansichten Hegels“. Er beschäftigt sich darin zunächst mit Immanuel Kant und seinem Werk „Zum ewigen Frieden“ und baut in der zweiten Hausarbeit darauf auf, wobei er sich darin mehr auf Georg Wilhelm Friedrich Hegel und dessen Kritik an Kant bezieht. Da die Zeit begrenzt ist, stellt Nico zunächst nur einige interessante Punkte exemplarisch fort, sein ausführlicher Vortrag wird in der nächsten Sitzung Platz finden.

Er erläutert kurz die Struktur von Kants Schreiben, erklärt, was es mit den Primär- und Definitivartikeln auf sich hat und beginnt dann erste Vorstellungen von Kants Theorie zum Erreichten eines Weltstaates darzulegen. Dazu gehört, dass ein Friedensvertrag, der geschlossen wird, immer auch langfristigen Frieden garantieren können muss. Erst so kann sich nach und nach ein Weltstaat entwickeln, so Kant. Jedoch schränkt Kant sich bereits während seines Schreibens wieder ein und zieht einen Völkerbund vor, da er die Umsetzung der Weltstaatidee sehr weit entfernt glaubt. Hegel kritisiert Kants Idee einer Weltrepublik, da er sie als Utopie ansah. Außerdem ließ Kant sich gedanklich maßgeblich durch die zeitgenössischen Umstände und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten beeinflussen und erdachte so nur ein theoretisches Konstrukt ohne die Absicht, es tatsächlich umsetzen zu wollen. Eben eine Utopie, wie Hegel es sagt.

Des Weiteren, und dies führt uns zu einer weiteren Diskussion, erzählt Nico, dass Hegel den Krieg nicht als etwas Schlechtes, sondern als Boten der Zivilisation sieht. Interessanterweise stellt Charles Darwin etwa 20 Jahre später ähnliches im Tierreich fest, woraus der Darwinismus entsteht.

Wir sind uns einig, Kriege hat es schon genug gegeben und wenn man Krieg als Beispiel sehen kann, aus dem der Mensch lernt, dann hat er bisher wirklich wenig gelernt und es hat uns herzlich wenig Frieden gebracht. Dennoch mag man die These von Hegel nicht gänzlich abstreiten. Krieg bringt Fortschritt – aber eben nicht unbegrenzt.

Weltsichten:

utopisch                                  Kant
realistisch/ idealistisch            Hegel
machtgesteuert                       Marx

Möglicherweise lässt sich gar nicht sagen, wer von den drein recht hat. Alle drei sind große Denker mit vielen Generationen an Menschen, die ihrer Idee glauben, sodass man davon ausgehen kann, dass alle ein Stück weit recht haben.

Der letzte Gesprächspunkt des Tages bezog sich auf die Einheit von Gefühl (Liebe) und Verstand. Dabei ist wichtig, Vernunft und Verstand säuberlich zu trennen, wobei dann die Vernunft die Einheit ist, Verständnis für Gleichgesinnte schafft und so Brücken zwischen den Menschen baut. Der Verstand ist eher berechnend, egoistisch und individuell.

Der Termin für die nächste Sitzung ist Dienstag der 28.11.2017. im Raum C 11.320.

Für die dann folgenden Sitzungen ist angedacht, sie jeweils mittwochs abzuhalten. Wer einen Einwand dazu hat, melde sich doch bitte bei Marco.

Hinweis: Wem ein Gedanke sehr wichtig ist und wer sicherstellen möchte, dass dieser im Protokoll erscheint, schreibt am besten nach der Sitzung eine Mail mit diesem Gedanken an Marco, dann kann dieser als wörtliches Zitat (so wie dieses Mal bei Steffi) eingefügt werden, ansonsten taucht er eher nur im Gesamtkontext auf.

(Anna Caroline Bringmann)

Protokoll der 4. Sitzung der Lüneburger Phileuropa-Gruppe am 17.10.2017

Lüneburger Phileuropa-Gruppe – 4. Treffen am 17.10.2017

Das 1. Philosophietreffen des WS 2017/18 (und insgesamt 4. Treffen seit Beginn in Lüneburg) erfolgte am 17.10.2017 im neuen Gebäude. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, um überhaupt den Raum im Labyrinth des Gebäudes zu finden, begann die Veranstaltung mit dem ersten Referat, gehalten von Alina Hildebrandt. Der Titel ihrer Hausarbeit, worüber Alina referierte, lautet:

Global kommunizieren – aber wie? Eine kritische Betrachtung der

Weltsprache Englisch im Vergleich zu konstruierten Sprachen

Es war ein sehr detailliertes Referat, das verschiedene Varianten einer Weltsprache unter die Lupe nahm. Insbesondere beschäftigte sich Alina in erster Linie selbstverständlich mit der englischen Sprache, dann aber auch mit dem Globisch, einer Art vereinfachten Englisch, und schließlich mit dem berühmten Esperanto.

Eine rege Diskussion versuchte Vor- uns Nachteile aller diesen Varianten zu evaluieren. Dabei kam insgesamt ans Licht, dass die englische Sprache sich mehr oder weniger weltweit durchgesetzt hat, obwohl sie nicht die meist gesprochene Sprache ist und eine nationale, keine Weltsprache ist. Ihr fehlt aber ein philosophischer Hintergrund, d.h. sie kommt nicht aus der kosmopolitischen Perspektive heraus, sondern ist das Ergebnis von historischen Machtverhältnissen. Esperanto dagegen ist eine philosophisch gedachte Weltsprache, die Menschen, die diese Sprache lernten, haben es früher gemacht, genau um sich mit fremden Menschen verständigen zu können, fehlt ihr aber an einer weltweiten Verbreitung. Globish schien nicht so interessant zu sein.

Es wurde unter anderem die Schwierigkeit unterstrichen, eine richtig gemeinsame Weltsprache zu finden, da die Sprachen weltweit schon in der Schreibweise viel zu unterschiedlich sind.

So wurde die Diskussion von Anna Bringmann abschließend zusammengefasst:

„Zunächst ging es um eine Weltsprache. Zunächst um die Versuche, die bisher unternommen wurden, eine Weltsprache zu entwickeln, anschließend über die Wahrscheinlichkeit der Möglichkeit der Umsetzung. Wir waren nahezu einig darüber, dass eine konstruierte und somit neutrale Sprache besser, also „gemeinsamer“ und philosophischer wäre, als Englisch als Weltsprache zu nutzen, mussten aber auch anerkennen, dass Englisch bereits sehr verbreitet und nur schwer ablösbar ist“.

Die ausführlichen Stellungnahmen von Georg Boldyreff und Carolina Ortega Guttack, die Notizen von Emina Hupe sowie die Hausarbeit von Alina füge ich anbei.

Das zweite Referat wurde von Carolina Ortega Guttak gehalten und betraf das Verhältnis zwischen Weltstaat und UNO. Titel von Carolinas Hausarbeit ist:

Von der Idee eines philosophischen Weltstaates zu

der Umsetzung in eine politische Friedensinstitution

Die Vereinten Nationen im 21. Jahrhundert

Auch in diesem Fall handelte es sich um eine sehr gute Hausarbeit und ein sehr intensives Referat. Carolinas Meinung sind nicht die Vereinigten Staaten von Europa, wie von mir als Hypothese behauptet, sondern bildet die UNO die Brücke zu einer möglichen Errichtung eines Weltstaates.

Darüber schreibt Carolina:

„Zur Umsetzung eines Weltstaates: Eine autoritäre Form der Umsetzung ist aufgrund mangelnden Umdenkens der Menschheit kaum noch zu vermeiden. Gerechtigkeit und Gemeinsinn muss erzogen werden. Die UNO muss sich an die politische Realität anpassen.“

Vom Gedanken des Weltstaates kam man bei der Diskussion schnell zum Gedanken der Demokratie. Darüber Carolina:

„Wie ist diese überhaupt zu verstehen? Jeder versteht sie anders und jeder würde sie anders vermitteln. Wichtig ist jedoch, dass sie vermittelt und vor Allem gelebt wird, sodass der Gedanke an einen Weltstaat allen plausibel und sinnvoll erscheinen kann und keinen privilegierten Gedankengang bleibt.“

Es folgte einen regen Austausch über den Begriff Demokratie, wie man diese weltweit verbreiten könnten, welche wichtige Funktion eine Weltschule dabei hätte usw.

Auch die Hausarbeit von Carolina wir hier anbei gefügt.

Es war insgesamt ein sehr intensiver Abend, es wurde viel diskutiert und philosophiert und sicher ist jeder dann mit einem Kopf voller Ideen nach Hause gegangen.

Bei der nächsten Sitzung, die am 7.11.17 stattfinden wird, werden wir das Referat von Nico Töberich hören dürfen, der über Kant und Hegel und ihre Weltstaatstheorien sprechen wird. Das ursprünglich für denselben Abend vorgesehene Referat von Carla Denzinger über den Begriff ‚Familie‘ wird zu einem späteren Termin stattfinden. Wahrscheinlich ist auch ein kurzes Referat von einer weiteren Studentin, Judith Moser.

Erfolgreicher Start der Seminare für das Leuphana-Semester 2017/18

Am 30.10.2017 sind die zwei Seminare gestartet, in denen ich, Marco de Angelis, mein Buch

Philosophie für alle. Manifest für die philosophische Identität des europäischen Volkes

sowie die philosophische Botschaft, die darin enthalten ist, beim Leuphana-Semester vorstellen werde.

Das kleine Buch verfolgt das Ziel, eine Philosophie als Welt- und Menschenauffassung darzustellen, die sich als Ergebnis der 2500 Jahre alten Philosophiegeschichte versteht. Denn es kann in der Tat nicht sein, dass es der Philosophie bisher nicht gelungen ist, über einen so langen Zeitraum zu greifbaren Ergebnissen zu kommen. Dem heutzutage vorherrschenden Relativismus und Skeptizismus setze ich eine streng logisch aufgebaute philosophische Theorie entgegen, die in sich die wichtigsten Gedanken der großen Philosophen trägt und weiter fortführt. Auch wenn es scheint, als ob sich die großen Philosophen im Laufe der Geschichte gegenseitig bekämpft und widersprochen haben, hat in Wirklichkeit jeder großer Denker die Gedanken seines Vorgängers weitergedacht und weiterentwickelt, sodass die Kritik eine positive, aufbauende und keine negative, zerstörende Kritik gewesen ist.

Auf der Grundlage dieser positiven Vision der Geschichte der Philosophie ist es mir, so glaube ich zumindest, gelungen, eine heutige Philosophie zu erarbeiten, die sich eindeutig auf die großen Denker der Vergangenheit stützt, ihr Gedankengut zusammenfasst, dieses aber an einigen wichtigen Stellen verbessert und weiterausbaut.

Die auf diese Weise erarbeitete Philosophie ist in leicht verständlicher Sprache niedergeschrieben, auf einen erschwerenden bibliographischen Apparat sowie auf Fußnoten wird verzichtet und die Länge des Buches beschränkt sich auf etwa 60-70 Seiten (in Abhängigkeit der Sprache; zurzeit liegt das Buch auf Italienisch und auf Deutsch vor, eine englische Übersetzung befindet sich in Vorbereitung).

Eine kleine Lektüre also, die aber in sich das große Ziel verfolgt, das gesamte bisher erlangte Wissen der Philosophiegeschichte nicht nur zusammenzufassen, sondern auch weiterzuführen.

Somit ist ein kleines Werk entstanden, das auf der einen Seite den Anspruch erhebt, eine Einführung in die Philosophie zu bieten, die selbst philosophisch ist – folglich nicht nur Informationen enthält, sondern eine richtige erste und grundlegende philosophische Bildung möglich macht; auf der anderen Seite ermöglicht es dieses Werk, die aktuellen Probleme unserer Gesellschaft von einem tieferen Blickwinkel aus zu betrachten, da die großen Denker der Vergangenheit in ihren Werken sehr oft schon inhaltsreiche Seiten verfasst haben, die für die Lösung vieler heutiger Probleme aufschlussreich sein können.

Das Ergebnis einer solchen philosophischen Arbeit, die nach jahrelangen Überlegungen und Studien schließlich in diesem Büchlein Ausdruck gefunden hat, sehe ich als die Identität des europäischen Volkes. Darunter verstehe ich die philosophische Art, die Welt und das Leben zu betrachten, das die Europäer aufgebaut und erreicht haben. Von Griechenland ausgehend, bis zu den großen deutschen Denkern des letzten und vor allem vorletzten Jahrhunderts über die entscheidenden Beiträge der römischen, spanischen, holländischen, französischen, englischen Denker bzw. insgesamt aller europäischen Völker und Kulturen.

Es ist meiner Meinung nach diese Vision der Dinge, die wir philosophisch bzw. rational bezeichnen, die das Wesen der europäischen Identität bilden und die Grundlage eines Volkes, die auf Papier und formell noch nicht existiert, aber in der Realität seit langem schon da ist. Es ist dieses schon existierende Volk, das dabei ist, trotz Krisenperiode und Rückschlägen seinen eigenen Staat als die Vereinten Staaten von Europa zu gründen. Diese werden einen richtig philosophischen Staat bilden (bzw. sollten zu diesem werden), also die philosophische Republik Europas, wie ich diese einst in einem Interview im WDR5 bezeichnet habe (s. auf dieser Website unter ‚Interview‘).

Das erste große Ergebnis, das diese philosophische Identität der europäischen Völker erreicht hat, ist der Frieden. Nach einer jahrtausendlangen Geschichte, in der sich die europäischen Staaten ständig bekriegt haben, ist nun endlich und auf eine Weise, die irreversibel scheint, ein Zustand des Friedens, der Anerkennung, aber auch der Sympathie und Freundschaft entstanden. Die Europäer bewohnen seit 1945 gerne diesen Raum, den wir als Europa bezeichnen, haben die internen Barrieren abgeschafft, Austauschprogramme unter Schülern und Studenten initiiert und die Sprachen der Nachbarländer gegenseitig erlernt. Zahlreiche europäische Familien sind entstanden, unzählige Menschen haben zwei europäische Staatsangehörigkeiten usw. usf.

Das vereinte Europa besteht also bereits in der Wirklichkeit, es bedarf nur noch einiger offizieller weiterer Schritte, wie der Überwindung der nationalen Souveränität, die sicherlich ein großes Hindernis sein wird (früher oder später wird aber auch die Stunde für die nationale Souveränität schlagen). Wenn sich ein Reformationsprozess in Gang gesetzt hat, ist er unaufhaltsam, kann verlangsamt und erschwert, aber niemals gestoppt werden.

Aus diesem Gedankenkomplex heraus entsteht aber eine neue philosophische Frage, die ohne Antwort zu bleiben scheint: Was wird aus den nicht-europäischen Völkern und Kulturen? Besteht bei einer solchen philosophischen Vision das Risiko, eurozentrisch zu sein und den Blick auf die ganze Menschheit zu verlieren?

Genau in diesem Bezug zeigt die philosophische Tradition ihre ganze Kraft und Energie, weil das europäische Volk, sobald es sich einmal seiner eigenen Identität als Volk bewusst geworden ist, auch gleichzeitig darüber bewusst wird, dass diese Identität auf Vernunft, Geist und Denken gegründet ist, sodass sich hierdurch automatisch auch die Tür zu allen anderen Menschen öffnet. Das, was identisch ist, ist also der Mensch als solcher, da er trotz der verschiedenen Traditionen, Kulturen, Religionen, Sprachen usw. am Ende doch etwas gemeinsam hat, was sein Wesen ist, und zwar die Vernunft. Die Unterschiede sind also unwesentlich, aber die Identität betrifft das Wesen des Menschseins über Europa hinaus Richtung Weltgemeinschaft.

Sich als ‚Europäer bewusst zu sein‘ wandelt sich unmittelbar in sich als ‚Weltbürger bewusst zu sein‘, das Herz öffnet sich zum dankbaren Empfang der schönen Unterschiede der Kulturen, die die Welt bunt und reizvoll machen, da ihr die Identität des Vernunftwesens zugrunde liegt.

Somit schlägt sich der Begriff ‚Europäische Identität‘ automatisch in ‚Weltbürgerliche Identität‘ nieder, was die Ausweitung des Friedens von einer innereuropäischen Angelegenheit zu einer weltpolitischen Angelegenheit mit sich bringt. Europa gilt danach als Friedensmuster, da, wenn es die Europäer dank der Philosophie und der Vernunft geschafft haben, den kriegerischen Zustand in einen friedlichen umzuschlagen, dies wohl auch alle andere Länder der Welt schaffen können.

Es entsteht somit die Mission, die die ‚Philosophische Republik Europas‘ übernehmen kann und soll: den Friedensprozess über ihre Grenze hinaus auszuweiten. Als große Macht, die sie sicherlich sein wird, wird die ‚Philosophische Republik Europas‘ diese Aufgabe mit Sicherheit übernehmen und mit Erfolg zu Ende bringen können.

Europäer zu sein bedeutet also Weltbürger zu sein: Scheint diese Aufgabe eine zu große und schwierige zu sein? Wir sollten nicht an unseren eigenen Kräften zweifeln und glauben, dass wir damit alleine stehen und die Aufgabe für uns zu groß oder schwierig sei. Die Klassiker der Philosophie geben uns Unterstützung, sie haben sich mit diesen Themen sehr tiefgehend auseinandergesetzt. Immanuel Kant hat z.B. schon 1795 ein Buch mit dem Titel veröffentlicht ‚Zum ewigen Frieden‘, in dem er genau die Grundlinien einer philosophischen Weltrepublik skizziert. Aber auch Platons Überlegungen über die Fähigkeit der Philosophie, Gerechtigkeit im Staat zu garantieren, sind dabei sehr wichtig und aufschlussreich. Natürlich dürfen wir nicht glauben, dass einzig die Übernahme dieser Gedanken und Anwendung auf unsere Gesellschaft genügt, da sie einer anderen Zeit entstammen. Jedoch behandeln diese Gedanken sehr tiefe und logische Problem, die zeitlos sind, weil der Frieden immer eine Herausforderung darstellt, wo  Menschen zusammenleben. Wir müssen also zunächst die Tiefe dieser Gedanken ergründen, indem wir uns mit den Autoren beschäftigen, um anschließend einen eigenen Weg zu finden, der in unserer Zeit gangbar ist. Genau dies ist, was ich in meinem Buch gemacht habe und in den Seminaren darstellen und diskutieren werde.

In ‚Gegen die Mode des Populismus‘, wie das erste Seminar heißt, werde ich zeigen, dass der Populismus sowie der Nationalismus keinen logischen Sinn haben, während nur eine europäische Mentalität, die einer weltbürgerlichen gleicht, Sinn macht.

In ‚Die Mode tötet die Wahrheit‘, so der Titel des zweiten Seminars, werde ich zeigen, wie sich die Wahrheit bei den klassischen Philosophen finden lässt, während zeitgenössische – oft hochgepriesene Autoren – unseren Durst nach tiefem und wahrem Denken nicht adäquat stillen können, obwohl sie ‚modisch‘ sind.

Ich habe mich über viele Jahre meiner Jugendzeit hinweg mit den nicht immer einfachen Klassikern der Philosophie beschäftigt und versuche nun in meinen Veröffentlichungen sowie in meinem Unterricht das Wissen, das ich dadurch erlangen konnte, weiterzuvermitteln. Dies mache ich aus der inneren Überzeugung heraus, dass allein die Philosophie es uns ermöglichen kann, das Licht zu sehen, das am Ende des Tunnels doch scheint.

(Dr. Marco de Angelis)