Protokoll der 4. Sitzung der Lüneburger Phileuropa-Gruppe am 17.10.2017

Lüneburger Phileuropa-Gruppe – 4. Treffen am 17.10.2017

Das 1. Philosophietreffen des WS 2017/18 (und insgesamt 4. Treffen seit Beginn in Lüneburg) erfolgte am 17.10.2017 im neuen Gebäude. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, um überhaupt den Raum im Labyrinth des Gebäudes zu finden, begann die Veranstaltung mit dem ersten Referat, gehalten von Alina Hildebrandt. Der Titel ihrer Hausarbeit, worüber Alina referierte, lautet:

Global kommunizieren – aber wie? Eine kritische Betrachtung der

Weltsprache Englisch im Vergleich zu konstruierten Sprachen

Es war ein sehr detailliertes Referat, das verschiedene Varianten einer Weltsprache unter die Lupe nahm. Insbesondere beschäftigte sich Alina in erster Linie selbstverständlich mit der englischen Sprache, dann aber auch mit dem Globisch, einer Art vereinfachten Englisch, und schließlich mit dem berühmten Esperanto.

Eine rege Diskussion versuchte Vor- uns Nachteile aller diesen Varianten zu evaluieren. Dabei kam insgesamt ans Licht, dass die englische Sprache sich mehr oder weniger weltweit durchgesetzt hat, obwohl sie nicht die meist gesprochene Sprache ist und eine nationale, keine Weltsprache ist. Ihr fehlt aber ein philosophischer Hintergrund, d.h. sie kommt nicht aus der kosmopolitischen Perspektive heraus, sondern ist das Ergebnis von historischen Machtverhältnissen. Esperanto dagegen ist eine philosophisch gedachte Weltsprache, die Menschen, die diese Sprache lernten, haben es früher gemacht, genau um sich mit fremden Menschen verständigen zu können, fehlt ihr aber an einer weltweiten Verbreitung. Globish schien nicht so interessant zu sein.

Es wurde unter anderem die Schwierigkeit unterstrichen, eine richtig gemeinsame Weltsprache zu finden, da die Sprachen weltweit schon in der Schreibweise viel zu unterschiedlich sind.

So wurde die Diskussion von Anna Bringmann abschließend zusammengefasst:

„Zunächst ging es um eine Weltsprache. Zunächst um die Versuche, die bisher unternommen wurden, eine Weltsprache zu entwickeln, anschließend über die Wahrscheinlichkeit der Möglichkeit der Umsetzung. Wir waren nahezu einig darüber, dass eine konstruierte und somit neutrale Sprache besser, also „gemeinsamer“ und philosophischer wäre, als Englisch als Weltsprache zu nutzen, mussten aber auch anerkennen, dass Englisch bereits sehr verbreitet und nur schwer ablösbar ist“.

Die ausführlichen Stellungnahmen von Georg Boldyreff und Carolina Ortega Guttack, die Notizen von Emina Hupe sowie die Hausarbeit von Alina füge ich anbei.

Das zweite Referat wurde von Carolina Ortega Guttak gehalten und betraf das Verhältnis zwischen Weltstaat und UNO. Titel von Carolinas Hausarbeit ist:

Von der Idee eines philosophischen Weltstaates zu

der Umsetzung in eine politische Friedensinstitution

Die Vereinten Nationen im 21. Jahrhundert

Auch in diesem Fall handelte es sich um eine sehr gute Hausarbeit und ein sehr intensives Referat. Carolinas Meinung sind nicht die Vereinigten Staaten von Europa, wie von mir als Hypothese behauptet, sondern bildet die UNO die Brücke zu einer möglichen Errichtung eines Weltstaates.

Darüber schreibt Carolina:

„Zur Umsetzung eines Weltstaates: Eine autoritäre Form der Umsetzung ist aufgrund mangelnden Umdenkens der Menschheit kaum noch zu vermeiden. Gerechtigkeit und Gemeinsinn muss erzogen werden. Die UNO muss sich an die politische Realität anpassen.“

Vom Gedanken des Weltstaates kam man bei der Diskussion schnell zum Gedanken der Demokratie. Darüber Carolina:

„Wie ist diese überhaupt zu verstehen? Jeder versteht sie anders und jeder würde sie anders vermitteln. Wichtig ist jedoch, dass sie vermittelt und vor Allem gelebt wird, sodass der Gedanke an einen Weltstaat allen plausibel und sinnvoll erscheinen kann und keinen privilegierten Gedankengang bleibt.“

Es folgte einen regen Austausch über den Begriff Demokratie, wie man diese weltweit verbreiten könnten, welche wichtige Funktion eine Weltschule dabei hätte usw.

Auch die Hausarbeit von Carolina wir hier anbei gefügt.

Es war insgesamt ein sehr intensiver Abend, es wurde viel diskutiert und philosophiert und sicher ist jeder dann mit einem Kopf voller Ideen nach Hause gegangen.

Bei der nächsten Sitzung, die am 7.11.17 stattfinden wird, werden wir das Referat von Nico Töberich hören dürfen, der über Kant und Hegel und ihre Weltstaatstheorien sprechen wird. Das ursprünglich für denselben Abend vorgesehene Referat von Carla Denzinger über den Begriff ‚Familie‘ wird zu einem späteren Termin stattfinden. Wahrscheinlich ist auch ein kurzes Referat von einer weiteren Studentin, Judith Moser.

Erfolgreicher Start der Seminare für das Leuphana-Semester 2017/18

Am 30.10.2017 sind die zwei Seminare gestartet, in denen ich, Marco de Angelis, mein Buch

Philosophie für alle. Manifest für die philosophische Identität des europäischen Volkes

sowie die philosophische Botschaft, die darin enthalten ist, beim Leuphana Semester 2017/18 vorstellen werde.

Das kleine Buch verfolgt das Ziel, eine Philosophie als Welt- und Menschenauffassung darzustellen, die sich als das Ergebnis der 2500 Jahre Philosophiegeschichte versteht. Es kann in der Tat nicht sein, dass es der Philosophie nicht gelungen sei, in einer so langen Zeitspanne zu festen Ergebnissen zu kommen.  Dem heutzutage herrschenden Relativismus und Skeptizismus entgegensetze ich eine streng logisch aufgebaute philosophische Theorie, die in sich die wichtigsten Gedanken der großen Philosophen behält und weiter bearbeitet. Es scheint so, als ob sich die großen Philosophen im Lauf der Geschichte gegenseitig bekämpft und widersprochen hätten, in Wirklichkeit hat aber jeder großer Denker die Gedanken seines Vorgängers weitergedacht und weiterentwickelt, so dass die Kritik eine positive, aufbauende und keine negative, zerstörende Kritik gewesen ist.

Auf der Grundlage dieser positiven Vision der Geschichte der Philosophie ist es mir, so glaube ich zumindest, gelungen, eine heutige Philosophie zu erarbeiten, die sich eindeutig auf die großen Denker der Vergangenheit stützt, ihr Gedankengut zusammenfasst, trotzdem dieses aber  an einigen wichtigen Stellen verbessert und weiterausbaut.

Die auf diese Weise erarbeitete Philosophie wird dann in einer verständlichen Sprache ausgedruckt, es werden Worte aus dem täglichen Gebrauch verwendet, es wird auf ein erschwerendes bibliographisches Apparat sowie auf Fußnoten verzichtet und die Länge des Buches beschränkt sich somit auf etwa 60-70 Seiten, je nach Sprache (zurzeit ist das Buch auf Italienisch und auf Deutsch verfasst, eine englische Übersetzung ist in Vorbereitung).

Eine kleine Lektüre also, die aber in sich das große Ziel verfolgt, das gesamte bisher erlangte Wissen der Philosophiegeschichte nicht nur zusammenzufassen, sondern auch weiterzuführen.

Somit ist ein kleines Werk entstanden, das auf der einen Seite den Anspruch erhebt, eine Einführung in die Philosophie zu bilden, die selber philosophisch ist, kleine bloße Informationen enthält, sondern eine richtige erste und grundlegende philosophische Bildung möglich macht; auf der anderen Seite gibt dieses Werk die Möglichkeit, die aktuelle Probleme unserer Gesellschaft von einer tieferen Blickwinkel aus zu betrachten, da die großen Denker der Vergangenheit in ihren Werken sehr oft schon inhaltsreiche Seiten verfasst haben, die für Lösung vieler heutigen Problem entscheidend aufschlussreich sein können.

Das Ergebnis einer solchen philosophischen Arbeit, die nach jahrelangen Überlegungen und Studien schließlich in dieses Büchlein Ausdruck gefunden hat,  sehe ich als die Identität des europäischen Volkes. Darunter meine ich die philosophische Art, die Welt und das Leben zu betrachten, dass die Europäer aufgebaut und erreicht haben, von Griechenland ausgehend, bis zu den großen deutschen Denkern des letzten und vor allem vorletzten Jahrhunderts über die entscheidenden Beiträge der römischen, spanischen, holländischen, französischen, englischen Denker bzw. insgesamt aller europäischen Völker und Kulturen.

Es ist meiner Meinung nach diese Vision der Dinge, die wir philosophisch bzw. rational bezeichnen, die das Wesen der europäischen Identität bildet und die Grundlage eines Volkes, die aufs Papier und formell noch nicht existiert, aber in der Realität seit langem schon da ist. Es ist dieses schon existierende Volk, das dabei ist, trotz Krisenperiode und Rückschläge seinen eigenen Staat als die Vereinte Staates von Europa zu gründen.  Diese werden ein richtig philosophischer Staat sein (bzw. sollten es werden), also die philosophische Republik Europas, wie ich diese einmal bei einem Interview an WDR5 bezeichnet habe (s. auf dieser Website unter ‚Interview‘).

Das erste größte Ergebnis, das diese philosophische Identität der europäischen Völker erreicht hat, ist der Frieden. Nach einer jahrtausendlangen Geschichte, in der sich die europäischen Staaten ständig bekriegt haben, ist nun endlich und auf eine Weise, die irreversibel scheint, einen Zustand von Frieden, Anerkennung, aber auch Sympathie und Freundschaft entstanden. Die Europäer bewohnen seit 1945 gern diesen Raum, den wir als Europa bezeichnen, haben die interne Barrieren abgeschafft, Austauchprogramm unter Schülern und Studenten initiiert, Sprachen gegenseitig gelernt, es sind unzählige europäische Familien entstanden, unzählige Menschen haben doppelte europäische Staatsangehörigkeiten, viele Menschen stammen aus zwei europäischen Familien usw. usf.

Europa ist also schon da in der Wirklichkeit, es bedarf nur noch an einige offiziellen weiteren Schritten, wie die Überwindung der nationalen Souveränität, die sicherlich ein großen Hindernis sein wird, aber früher oder später auch für die nationale Souveränität wird die Stunde schlagen. Wenn sich ein Reformationsprozess im Gange gesetzt hat, ist es unaufhaltbar, kann verlangsamet und erschwert, aber nie gestoppt werden.

Aus diesem Gedankenkomplex heraus entsteht aber eine neue philosophische Frage, die ohne Antwort zu bleiben scheint: Was ist denn mit den nicht-europäischen Völkern und Kulturen? Eine solche philosophische Vision läuft nicht das Risiko, eurozentrisch zu sein und den Blick auf die ganze Menschheit zu verlieren?

Genau in diesem Bezug zeigt die philosophische Tradition ihre ganze Kraft und Energie, weil das europäische Volk, einmal dass es von der eigenen Identität als Volk bewusst geworden ist, gleichzeitig auch davon bewusst wird, dass diese Identität auf Vernunft, Geist, Denken gegründet ist und deshalb automatisch die Tür zu allen anderen Menschen öffnet. Das, was identisch ist, ist also der Mensch als solcher, da er trotz der verschiedenen Traditionen, Kulturen, Religionen, Sprachen usw. am Ende doch etwas gemeinsam hat, was sein Wesen ist, und zwar die Vernunft. Die Unterschiede sind also unwesentlich, aber die Identität betrifft das Wesen des Menschseins über Europa hinaus Richtung Weltgemeinschaft.

Somit ‚Europäer bewusst zu sein‘ wandelt sich unmittelbar in ‚Weltbürger bewusst zu sein‘ , das Herz öffnet sich zum dankbaren Empfang der schönen Unterschiede der Kulturen, die die Welt bunt und reizvoll machen, da ihr die Identität des Vernunftwesens zugrunde liegt.

Somit schlägt sich der Begriff ‚Europäische Identität‘ automatisch in ‚Weltbürgerliche Identität‘, was mit sich die Ausweitung des Friedens von einer inneneuropäischen Angelegenheit zu einer weltpolitischen Angelegenheit bringt. Europa gilt danach als Friedensmuster, weil, wenn die Europäer dank der Philosophie und der Vernunft geschafft haben, den kriegerischen Zustand in einen friedlichen umzuschlagen, werden es wohl auch alle andere Länder der Welt schaffen können.

Somit entsteht die Mission, die die ‚Philosophische Republik Europas‘ übernehmen kann und soll: Den Friedensprozess über ihre Grenze hinaus auszuweiten. Als große Macht, die sie sicherlich sein wird, wird die ‚Philosophische Republik Europas‘ diese Aufgabe mit Sicherheit übernehmen und mit Erfolg zu Ende bringen können.

Europäer zu sein bedeutet also Weltbürger zu sein: Scheint diese Aufgabe eine zu große und schwierige zu sein?  Man sollte nicht an die eigenen Kräfte zweifeln und denken, wir sind alleine dabei und die Aufgabe ist für uns zu groß und schwierig. Die Klassiker der Philosophie geben uns Unterstützung, sie haben sich mit diesen Themen sehr tief auseinandergesetzt. Immanuel Kant hat z.B. schon 1795 ein Buch mit dem Titel veröffentlicht ‚Zum ewigen Frieden‘, in dem er genau die Grundlinien einer philosophischen Weltrepublik skizziert. Aber auch Platons Überlegungen über die Fähigkeit der Philosophie, Gerechtigkeit im Staat zu garantieren, sind dabei sehr wichtig und aufschlussreich. Natürlich dürfen wir nicht denken, einfach diese Gedanken so zu übernehmen und an unsere Gesellschaft anzuwenden, da sie zu einer anderen Zeit angehören. Jedoch behandeln sie sehr tief und logisch Probleme, die zeitlos sind, da der Frieden wird immer zu lösen sein, überall wo es Menschen geben wird. Wir sollen also die tiefe von diesen Gedanken zuerst erreichen, indem wir uns mit diesen Autoren beschäftigen, um dann eine eigenen Weg zu finden, die in unserer Zeit gangbar ist. Und das ist genau, was ich in meinem Buch gemacht habe und in den Seminaren darstellen und diskutieren werde.

In ‚Gegen die Mode des Populismus‘, wie sich das erste Seminar heißt, werde ich zeigen, dass der Populismus sowie der Nationalismus keinen logischen Sinn haben und nur eine europäische Mentalität, die sich wiederum in eine weltbürgerliche gleich umschlägt, Sinn macht.

In ‚Die Mode tötet die Wahrheit‘, wie sich das zweite Seminar nennt, werde ich zeigen, wie sich die Wahrheit bei den klassischen Philosophen finden lässt, während zeitgenössische oft hochgepriesene Autoren unsere Durst nach tiefem und wahrem Denken nicht adäquat stillen können, obwohl sie ‚modisch‘ sind.

Ich habe mich über viele Jahre meiner Jugendzeit hinweg mit den nicht immer einfacheren Klassikern der Philosophie beschäftigt und versuche nun in meinen Veröffentlichungen sowie in meinem Unterricht das Wissen, das ich dadurch erlangen könnte, weiterzuvermitteln. Dies mache ich aus der inneren Überzeugung heraus, dass allein die Philosophie uns ermöglichen kann, das Licht zu sehen, das am Ende des Tunnels doch scheint.

Dr. Marco de Angelis

 

 

Einladung zum 1. Philosophietreffen im WS 2017/18 am 17.10.2017

Liebe Philosophiefreunde,

hiermit lade ich Euch zum ersten Treffen unserer Philosophiegruppe im WS 2017/18 ein. Es wird am 17.10 um 19.30 an der Uni stattfinden (Raum C40.164).

Zu der Gelegenheit (bzw. kurz davor per Mail) werde ich Euch das Protokoll der letzten Sitzung zusenden, den ich unverzeihlich noch nicht angefertigt habe.

Am 17.10 werden wir einige wichtige Referate hören und diskutieren, und zwar von Studierenden, die zum 15.9. ihre Hausarbeit für ein Seminar von mir abgegeben haben. Es handelt sich um sehr interessante Hausarbeiten, in denen Themen vertieft werden, die sich unmittelbar auf die Problematik beziehen, die den Hauptgegenstand unserer Gruppe bildet, also auf die Problematik eines philosophischen (Welt)Staates.

Es handelt sich bisher um folgende Referate:

Alina Hildebrandt: Global kommunizieren – aber wie? Eine kritische Betrachtung der Weltsprache Englisch im Vergleich zu konstruierten Sprachen

Carla Denzinger: Was bedeutet Familie? Eine philosophische Untersuchung des Familienbegriffs)

Carolina Monika Ortega Guttack: Von der Idee eines philosophischen Weltstaates zu der Umsetzung in eine politische Friedensinstitution. Die Vereinten Nationen im 21. Jahrhundert

Nico Töberich: Der Weltstaat. Eine philosophische Auseinandersetzung mit dem Konzept von einer Weltgemeinschaft erläutert anhand der Ansichten Hegels

Wir werden wahrscheinlich nur schaffen, zwei von diesen Referaten zu hören und zu diskutieren. Die anderen zwei werden wir dann beim nächsten Mal behandeln.

Finja Löher und Bennet Buhrke, die ebenso gerne über ihre sehr gute Hausarbeiten berichtet hätten, befinden sich in einem Auslandssemester und werden deshalb erst nach ihrer Rückkehr vortragen können.

Wir werden uns dann regelmäßig weiter treffen, es werden weitere Hausarbeiten vorgestellt, die zum Teil dann erst zum zweiten Termin fertig werden sollen, sowie Arbeiten von mir bzw. von anderen Forschern, die ich vor habe, zu uns einzuladen.

Bis bald also!

Euer

Marco de Angelis

Das Seminarende nähert sich, es werden logische Schlüsse gezogen

Morgen, Montag den 26. Juni 2017, gehen die Seminare über die Agenda 2030 (Begriff Weltstaat) bzw. über die Anerkennung weiter. Beim Seminar über die Agenda 2030 wird die 6., während beim Anerkennungsseminar wird die 5. Sitzung sein.

Wir werden uns mit der neuen vorgeschlagenen philosophisch-idealistischen Auffassung beschäftigen, die ich in Philosophie für alle präsentiert habe und den Anspruch erhebt, als Vernunftreligion eine philosophisch-idealistische Globalisierung weltweit zu stiften.

Begriffe wie Vernunftreligion, universelle und unsichtbare Kirche wurden von Immanuel Kant 1793 in seinem Buch Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft formuliert. Es sind Begriffe, die heute aktueller denn je scheinen.

Darüber hinaus gründete Hegel in den darauffolgenden Jahren seine Auffassung einer Philosophie als Begründung einer selbstbewussten, freien Zivilisation. Wir finden diese in seiner ersten Ethikauffassung (Manuskript System der Sittlichkeit von 1802) und in dessen späterem Schluss, der mit dem Titel Fortsetzung des Systems der Sittlichkeit (1803-05) von seinem Biographen Karl Rosenkranz überliefert wurde. Darin definiert Hegel diese Zivilisation als ‚freies Volk‘, das er dann später in seiner Philosophie der Geschichte mit den germanischen Völkern identifizierte, gleichzeitig sprach er dabei aber auch von einem ‚absoluten‘, universellen Geist, einem ‚Weltgeist‘, der dazu strebt, Freiheit für alle Menschen auf Erden zu verwirklichen, was Hegels Meinung nach der Sinn der Geschichte bildet.

Hegel war also nicht in der Lage, in seinem Leben diesen Wiederspruch zu lösen zwischen einem Weltgeist, der auf Erden überall die Freiheit für alle früher oder später stiften wird und der Identifizierung zu damaliger Zeit mit der Zivilisation, die wir heute als Westen bezeichnen wurden. Seine Philosophie enthält aber die Grundideen für eine solche Lösung. Diese befindet sich in dem Begriff vom ‚Weltgeist‘.

In Philosophie für alle habe ich diese Problematik gelöst und eine Vernunftreligion für die Menschheit präsentiert. Die intersubjektive Anerkennung spielt dabei eine entscheidende Rolle, da nur sie dem Menschen ermöglicht, seinen Geist zu verwirklichen, also frei im wahren Sinne des Wortes zu leben (Unterschied zwischen wahrer und falscher Freiheit, die reine Willkür eigentlich ist).

Die wahre Freiheit verwirklicht sich im ethischen Leben, d.h. in den Institutionen der Gesellschaft, in denen wir unausweichlich leben.  Diese sind:

  • der Staat, der als Weltstaat seinen philosophisch begründeten Ausdruck finden;
  • die Arbeit, die als Dienst angesehen werden soll;
  • die Familie, deren Grundlage die Liebe zwischen Frau und Mann ist.

Nur ein Leben, das in diesen Institutionen gelebt wird, kann die Selbstverwirklichung des Geistes und deswegen sein Glück im Sinne von Erfüllung, Zufriedenheit ermöglichen.

In den letzten Sitzungen beider Seminare werden wir uns mit dieser Problematik beschäftigen, wobei im Seminar über die Agenda 2030 werden wir uns eher auf die politischen Themen konzentrieren, während im Seminar über die Anerkennung eher psychologisch-existentielle Aspekte im Mittelpunkt  stehen werden.

(In der Rubrik ‚Lehre‘ dieser Website sind heute die einzelnen Seminarpläne sowie Texte und Audiodateien beider Seminare aktualisiert und veröffentlicht worden).

Dr. Marco de Angelis

 

Im Seminar über die Agenda 2030 gehen wir morgen (12. Juni) von den theoretischen zu den ethischen Themen herüber

Mit der Erörterung der tiefen Bedeutung einer monistischen Weltauffassung haben wir bei der 4. Sitzung vom 22. Mai die Darstellung des theoretischen Teils des Systems der Philosophie zu Ende gebracht. Ergebnis davon ist, dass der Mensch in seinem Wesen logische Kreativität ist und diese darin besteht, ‚Begriffe‘, ‚Konzepte‘ auszuarbeiten und zu verwirklichen. Diese Tätigkeit allerdings ist auch die Tätigkeit des Absoluten, d.h. der Kraft, die dem Monos, dem Ganzen zugrundeliegt und überall im Universum jederzeit neue Seienden schöpft, kreiert.

Somit entsteht eine neue Vision der Welt und des Menschen, eine neue Religion, die eine Vernunftreligion ist. In der 5. Sitzung von morgen 12. Juni (16.30, Raum C14.203) werden wir uns der Darstellung dieser neuen Vernunftreligion widmen. Sie ist in den Lektionen 8, 9 und 10 des Handbuchs Philosophie für alle dargestellt.

Lüneburger Phileuropagruppe: Philosophisches Protokoll der 2. Sitzung vom 23.5.2017

Achtung: Nächste Sitzung findet am Dienstag den 27. Juni um 19.30 Uhr, Raum C11.319, statt

Am 23. Mai 2017 um 19.15 Uhr hat die 2. Sitzung der Philosophiegruppe stattgefunden. Es sind mehrere Studierende aus allen Seminaren gekommen, die ich bisher in Lüneburg gehalten habe. Darüber habe ich mich sehr gefreut! In erster Linie möchte ich mich hier also bei diesen Studierenden herzlichst bedanken. Um eine eindeutigere Identifizierung zu ermöglichen, möchte ich Sie hier namentlich nennen, und zwar von der Sitzposition an meiner rechten Seite bis zur Sitzposition an meiner linken Seite (so wie sie die eigenen Hausarbeiten dargestellt haben).

Anne-Caroline Bringmann (Seminar ‚Philosophie der Menschenrechte‘, Leuphana Semester, WS 2016/17; Hausarbeit über die Anerkennung)

Sara Diekmannshenke (Seminar ‚Philosophie als Lebensorientierung‘, Leuphana Semester, WS 2016/17; Hausarbeit über Umweltschutz und Weltstaat; in diesem Semester wird Sara eine weitere Hausarbeit bei mir schreiben) (Sara musste leider etwa gegen 20 Uhr weggehen)

Nico Töberich (Seminar ‚Philosophie als Lebensorientierung‘, Leuphana Semester, WS 2016/17; Hausarbeit über Kants Idee einer Weltrepublik; in diesem Semester arbeitet an einer Hausarbeit über Hegels Staatsphilosophie)

Georg Vohwinkel (Seminar ‚Die philosophische Identität Europas‘, Komplementärstudium SoSe 2016, Hausarbeit über die philosophische Identität Europas)

Cécile Nebel (Seminar ‚Die philosophische Identität Europas‘, Komplementärstudium SoSe 2016, Hausarbeit Appell zur philosophischen Identität der Menschheit; in diesem Semester wird auch Cécile eine weitere Hausarbeit bei mir schreiben)

Emina Hupe (mit Freund) (Seminar ‚Philosophie der Menschenrechte‘, Leuphana Semester, WS 2016/17; Hausarbeit über die Rolle der Gefühle im menschlichen Leben)

Steffi Graf (Seminar ‚Philosophie der Menschenrechte‘, Leuphana Semester, WS 2016/17; Hausarbeit über den Begriff ‚Weltstaat‘; in diesem Semester wird Steffi voraussichtlich eine Hausarbeit bei mir über Trotzskis Auffassung eines weltweiten Sozialismus gegenüber Stalins Auffassung des Sozialismus in einem einzigen Land)

Finja Löher (Seminar ‚Philosophie der Menschenrechte‘, Leuphana Semester, WS 2016/17; Hausarbeit über Umweltschutz und Weltstaat; in diesem Semester wird Finja bei mir eine zweite Hausarbeit schreiben, in der sie mehrere Aspekte der ersten Hausarbeit vertiefen wird , insbesondere Fukuyamas Interpretation vom 1989 als ‚Ende der Geschichte‘ sowie Hegels Auffassung der Bewusstseinsstufen)

Jan Rüpke (Seminar ‚Philosophie als Lebensorientierung‘, Leuphana Semester, WS 2016/17; Hausarbeit über die Wahrheitstheorie (Jan musste leider etwa gegen 20 Uhr weggehen)

Carolina Ortega Guttack (Seminar ‚Die philosophischen Voraussetzungen der Agenda 2030, Komplementärstudium SoSe 2017;  Carolina wird eine Hausarbeit über einen Vergleich zwischen dem Begriff Weltstaat und der UNO schreiben)

Patrick Schultz (Seminar ‚Philosophie der Menschenrechte‘, Leuphana Semester, WS 2016/17; Hausarbeit über Klonen und Ethik)

Georg Boldyreff (Gasthörer bei meinen Seminaren, Herr Boldyreff  folgt sehr sorgfältig die philosophische Diskussion in deutschen Zeitschriften (Zeit, Welt usw.) und im Radio (WDR – philosophisches Radio) und so hält uns über die Themen am Laufenden, die im deutschen öffentlichen Kulturleben am meisten diskutiert werden.

Wir Ihr sehen könnt, ist ein hochkarätiges Teilnehmerfeld. Es sind Themen in den Hausarbeiten behandelt worden, die heute hochaktuell sind und sich auf Philosophen wie Kant und Hegel beziehen, die die Grundlagen unserer heutigen Zeit gestellt haben.

Dank dieser positiven Voraussetzungen hatten wir eine sehr interessante Diskussion, die sich über 2 Stunden und 15 Min. erstreckte! Im Folgenden werde ich versuchen, die Hauptthemen der Diskussion zusammenzufassen. Sollte ich was vergessen bzw. nicht getreu dargestellt haben, bitte um Rückmeldung!

Zuerst begann Anna-Caroline Bringmann ihre Hausarbeit über die Anerkennung zu schildern. Diesen Begriff wurde wieder von Nico aufgegriffen, als er seine Lektüre von Kant und Hegel in Bezug auf die Geschichtstheorie kurz berichtete. Dazwischen hatte auch Sara ihre Hausarbeit über Umweltschutz und Weltstaat dargestellt.

Nico brachte sofort den Unterschied zur Diskussion, den er zwischen Kant Auffassung eines Weltfriedens und Hegels Auffassung der Notwendigkeit des Krieges in der Geschichte bemerkt hatte. In diesem Bezug äußerte ich mich über die Gründe, die für Hegels Auffassung sprechen, und die, die diese Auffassung als veraltet und überholt zeigen. Ich versuchte dabei zu deuten, wie eine Theorie heute zu erarbeiten wäre, die Kants Auffassung eines friedlichen Weltstaates und Hegels Auffassung des Krieges vereinbaren kann.

Dieses Thema wurde insbesondere in Bezug auf die Anerkennung bezogen: Musst die Anerkennung immer Kampf sein oder kann man den Kampf vermeiden, wenn man die Theorie der Anerkennung kennt? Kann man vermeiden, sich zu bekriegen, wenn die Menschen verstehen, welchen Zweck der Krieg hat? Kann man nicht diesen Zweck auch dann ohne Krieg erreichen? Europa scheint aus den Kriegen des letzten Jahrhunderts gelernt zu haben und eben den Weg des Friedens eingeschlagen zu haben.

Darüber wurde ziemlich intensiv diskutiert. Dann stellten zuerst Georg Vohwinkel und danach Cécile die eigenen Hausarbeiten dar. Beide waren am Seminar über die Identität Europas im SoSe 2016 dabei. Cécile setzte das Akzent auf den Begriff der Identität und stellte die interessante Frage: Wenn die Identität Ergebnis der Anerkennung ist und diese Kampf ist, wie kann man Identität ohne Kampf erreichen?  Meine Antwort lautete, dass die Erziehung  dabei eine enorm wichtige Rolle spielt, da sie die Menschen daran vorbereitet, die anderen Menschen ohne Kampf als Zweck anzuerkennen.  Die Erziehung soll in uns die Bereitschaft fördern, gegenüber anderen Menschen offen zu sein und diese nicht als Mittel, sondern immer als Zweck zu betrachten, auch wenn wir sie unausweichlich brauchen. Auch darüber wurde viel diskutiert. Georg Vohwinkel sprach sich eher für die Erfahrung als ‚Lehrerin‘ des Menschen als die Erziehung. Darüber wurde ebenso intensiv diskutiert.

Emina sprach dann über die eigene Hausarbeit und die Zentralstellung der Gefühle im menschlichen Leben. Diesbezüglich erklärte ich, dass genau die Problematik der Gefühle die große Kritik an Kant seitens der damaligen Studenten des Tübinger Stifts, wo Hegel, Schelling und Hölderlin studiert haben, gewesen sei. Kant Theorie war richtig in sich aber viel zu intellektuell, viel zu hart. Die Menschen brauchen auch Gefühle, nicht nur Gedanken. Auch in diesem Bezug wurde intensiv diskutiert.

Auch die Teilnehmer an meiner linken Seite (Steffi, Finja, Caralina, Patrick, Georg Boldyreff)  nahmen Stellung zu den verschiedenen Diskussionen, wir konnten aber die Runde nicht abschließen und auch ihre philosophischen Hauptinteressen sowie Hausarbeiten diskutieren, da die Zeit um war und wir alle auch müde waren.

Mein Vorschlag für das nächste Mal (Dienstag den 27. Juni um 19.30 Uhr, Raum C11.319), ist, dass wir zuerst die Runde abschließen, d.h. diese Teilnehmer der linken Seite zum Wort kommen und ihre Hausarbeiten kurz darstellen. Herr Georg Boldyreff  könnte dazu über einige Zeitungartikel berichten, die er in letzter Zeit gelesen hat und unsere Problematik betreffen.

Dann werde ich einige sehr kurze Referate über die verschiedenen Themen halten, die wir bisher behandelt haben (Krieg und Kampf, Gefühle und Gedanken, Erziehung und Erfahrung) und dabei einschlägige weiterführende Literatur empfehlen.

Es ist aber vorrangig gewünscht, dass die Teilnehmer zum Wort kommen, zum Beispiel mit kurzen Referaten (10-15 Minuten), bei denen jeder die Möglichkeit hat, die eigenen Überlegungen bzw. Lektüren vorzustellen, die er/sie in Bezug auf die diskutierten Themen gemacht hat (wie auch neue Themen einleiten, selbstverständlich).

Solche Kurzreferate können über die schon geschriebene Hausarbeit sein, über die nächste Hausarbeit, die noch nicht fertig ist, aber genau deswegen kann behilflich  sein, darüber mit Gleichgesinnten zu diskutieren (dabei kann es sich auch um eine Hausarbeit handeln, die für ein anderes Seminar angefertigt wird, solange die Themen ähnlich sind). Es kann auch über ein gelesen Buch sein, das man für besonders interessant gehalten hat und darüber in der Gruppe  diskutieren will (über eine besondere Reise, Erfahrung usw.).

Ich denke also, dass wir schon genug interessanten Gesprächsstoff  für die Sitzung in Juni haben, die die letzte vor der Sommerpause sein wird. Juli und August werde ich voraussichtlich nicht in Lüneburg sein, so dass die 4. Sitzung unserer Gruppe erst in September sein wird.

Ich freue mich schon auf die 3. Sitzung!

Dr. Marco de Angelis

PS. Bei der letzten Sitzung hat uns Herr Boldyreff auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht, die in Köln ab dem 6. Juni stattfinden wird. Alle Infos sind hier zu finden:

https://www.philcologne.de/de/programm/phil-cologne-2017/

Das Webseite www.philcologne.de ist prinzipiell sehr wichtig, da die Radioprogrammen des WDR über die Philosophie hier zu finden sind. Darüber werden wir bei der 3. Sitzung ebenso sprechen.

Wie immer: Diesen Text habe ich von meiner Lektorin nicht korrigieren lassen. Es ist nur für unsere interne Benutzung bestimmt und es ist sicherlich keine Tragödie, wenn ein paar Fehler bzw. Ungenauigkeiten darin geblieben sind.

 

Erfolgreicher Start des Lüneburger Seminars über den Begriff ‚Anerkennung‘

Am Montag den 26. April fand die erste Sitzung des Anerkennungsseminars statt. Dabei wurde in erster Linie über die zentrale Rolle des Begriffs ‚Anerkennung‘ im menschlichen Leben gesprochen. Zwei Texte wurden gelesen, einer von Kant und der andere von Hegel. Sie befinden sich im Handbuch Philosophie für alle, Lektion 11, Seite 49-50. Beide Texte enthalten eine klare und tiefe Erklärung dieses Begriffs.

Danach wurde mit der Darstellung und Erklärung der Philosophie begonnen, die den Inhalt des Handbuchs Philosophie für alle bildet. Insbesondere wurden die Lektionen von 1 bis 3 behandelt. Die Lektion 1 beschäftigt sich mit dem Begriff der Philosophie als Wissenschaft der Weisheit. Die Lektion 2 erstellt einen Vergleich zwischen Philosophie, Religionen und Einzelwissenschaften. Die Lektion 3 vertieft den logischen Inhalt des menschlichen Wissens und identifiziert ihn in den Ideen bzw. Begriffen, die den Stoff des Geistes ausmachen.

Am Mittwoch, den 10. Mai, hat dann die zweite Sitzung stattgefunden. Dabei wurde zuerst wieder über die Struktur des menschlichen Wissens diskutiert. Es gab viele Fragen bezüglich der Wahrheitsfähigkeit des Menschen, die in unserer Zeit eh kritisiert wird, während mir scheint es, dass es möglich ist, zu begründen, dass der Mensch fähig ist, eine komplette Wahrheit zu erreichen. Diese Begründung befindet sich in der Theorie des ‘ich verstehe‘, die in den Lektionen 4 bis 6 des Handbuches dargelegt wird.

Die Lektion 4 beinhaltet die erste Stufe dieser Theorie, d.h. die Begründung der Wahrheitsfähigkeit des Menschen. Dabei werden sowohl der theoretische als auch der praktische Grund dargestellt. Der theoretische Grund besteht in der Tatsache, dass sich der Relativismus bzw. Skeptizismus selber wiedersprechen, indem sie die Wahrheit verkünden würden, dass es keine Wahrheit möglich ist, was natürlich nicht akzeptabel ist. Der praktische Grund liegt darin, dass unser Leben Kenntnis voraussetzt, egal was wir machen. Dies bedeutet, wir setzen voraus, dass wir ‚wissen‘, also Wahrheit erlangt haben, z.B. wenn wir zum Arzt gehen. Dies bedeutet, dass wir in der Wahrheit leben, dass diese praktisch bewiesen ist und jeden Tag sowohl vorausgesetzt als auch angewendet wird.

Dabei wurde viel diskutiert, insbesondere wurde klargestellt, dass der Wahrheitsanspruch die Begriffe und Ideen, also die Auffassung und nicht die Empfindungen, Gefühle, Vorstellung betrifft. Diese sind allein subjektiv gültig, während die Begriffe und die Ideen, auch unabhängig von deren Wörtern, objektiv gelten (der Begriff ‚Baum‘ ist in jeder Sprache gleich und gilt objektiv, so wie in der Biologie festgelegt, während die Tatsache, dass man dann Bäume mag oder nicht, dass man damit ein positives bzw. negatives Gefühl verbindet, das ist alles nur subjektiv gültig).

Bei der nächsten Sitzung am 24.5. werden wir die nächste Stufe der Theorie des ‚ich verstehe‘ darstellen, und zwar der Frage nachgehen, wie es überhaupt möglich ist, dass die Menschen wahrheitsfähig sind. Die Antwort wird sehr überraschen!

(Dr. Marco de Angelis)

Wendepunkt im Seminar über die Agenda 2030 erreicht: die monistische Weltauffassung

Am vergangenen Montag, den 8. Mai, hat die dritte Sitzung des Seminars über die Agenda 2030 und die philosophische Begründung des Weltstaates stattgefunden. Inhalt der Sitzung war die Fortsetzung der Darstellung der Theorie des ‚ich verstehe‘, die in den Lektionen 4-6 des Handbuchs Philosophie für alle dargestellt wird. Insbesondere ist die monistische Auffassung der Einheit zwischen Mensch und Natur im Ganzen des Seins als die richtige Perspektive, aus der die Welt zu betrachten ist, erläutert worden.

Von dieser Perspektive aus lässt sich gut nachvollziehen, aus welchem Grund der Mensch wahrheitsfähig ist, was im ersten Teil der Theorie des ‚ich verstehe‘ begründet wurde (2. Seminarsitzung). Der Mensch ist wahrheitsfähig, das das Objekt, das er erkennen möchte, also die Natur, nichts Anderes ist als er selbst als Subjekt. Beides sind Vernunft bzw. Logik, mit einem Unterschied in der Quantität des Bewusstseinsgrades, aber nicht in der Qualität. Der Mensch ist Vernunft bzw. Logik in einer selbstbewussten Form, während die Natur bis zum Tier ist Vernunft bzw. Logik in einer nicht-bewussten Form. Das Tier ist bewusste Vernunft, doch scheint es nichtselbstbewusst zu sein, also nicht von seinem Bewusstsein bewusst.

Es entsteht dadurch eine evolutive, auf Entwicklung basierte Weltauffassung, nach der der Mensch die Spitze dieser Entwicklung (bisher) ist. Die Wahrheitsfähigkeit des Menschen ist also darin begründet, dass im Wissen, in der  Erkenntnis, die Natur über den Mensch erkennt sich selbst. Dieser Begriff kann man auch so erklären: Die der Natur zugrunde liegende Vernunft bzw. Logik wird von sich selbst im Menschen bewusst.

Es wurde viel darüber diskutiert, da es heute eher eine dualistische, auf Trennung von Mensch und Natur basierte Weltauffassung herrscht, die zu einer eh skeptischen bzw. relativistischen Auffassung der Erkenntnis kommt. Dabei wurde auch den Unterschied zwischen Verstand – rechnerisch und trennend – und Vernunft, die dagegen ganzheitlich und zusammenfügend ist, erklärt.

Seitens der Studierenden wurde angemerkt, dass die Verwendung des Wortes ‚Vernunft‘ verwirrend sei, da die Vernunft für den Menschen in Frage kommt aber nicht so sehr für die Natur.

Bei der kommenden Sitzung, am 22. Mai, werden wir den Begriff von Vernunft bzw. Logik, sowohl im Menschen als auch in der Natur, vertiefen. Dabei werden wir auch begründen, wie aus diesem Begriff eine Art neue Religion entsteht, die keine dogmatische, sondern eine rationale ist und deshalb mit der Philosophie zusammenfällt.

Die Audiodateien der 3. Sitzung ist unter diesem Link herunterzuladen:

https://www.dropbox.com/sh/vslm7zcl3rv2nmg/AAAMRICVpglsf9OeDRhaGQ7Za?dl=0

(Dr. Marco de Angelis)

Erfolgreicher Start des Lüneburger Seminars über die Agenda 2030 und den Begriff ‚Weltstaat‘

Am Montag den 3. April hat das Seminar über die Agenda 2030 begonnen. In der ersten Sitzung wurde im Allgemeinen über die Auffassung eines Weltstaates als die einzige Dauerlösung für die aktuellen Probleme der Menschheit gesprochen. Es wurden viele Begriffe angesprochen, die dann im Laufe der weiteren Sitzungen vertieft werden sollen. Es wurde insbesondere den Sinn von Europa als Hoffnungsträger für den Frieden auf Erden angesprochen. Europa hat geschafft, in seinem Inneren Frieden zu stiften und sein philosophischer Sinn müsste es sein, dazu beizutragen, dass Frieden weltweit etabliert wird.

Der Motor dazu soll die Philosophie sein. Es ist darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Geschichte von Europa und die Geschichte der Philosophie zusammenfallen. Im Laufe dieser Geschichte ist es den Philosophen gelungen, gemeinsame Werte zu verstehen und zu definieren, die die Identität des europäischen Volkes sowie auch die Identität von allen Menschen bilden sollen, die ihr Leben auf Vernunft gründen.

Dieses Ziel kann die Philosophie nur erreichen, indem sie sich als richtige Wissenschaft präsentiert, was sie definitiv auch ist. In diesem Bezug ist die Wichtigkeit der philosophischen Bewegung der Aufklärung hervorgehoben worden sowie auch die zentrale Stellung in der Geschichte aber auch in unserem Leben des logischen Prinzips der ‚Aufhebung‘ dargestellt. Dieser ganz wichtige Begriff wurde von Hegel in seiner Logik erläutert und begründet. Damit konnte der Philosoph aus Stuttgart dann auch erklären, wie die Geschichte der Philosophie von einem Fortschritt gekennzeichnet sei. Dieser Fortschritt ist die Grundlage der Wissenschaftlichkeit der Philosophie.

Als Wissenschaft führt die Philosophie zu einer Wahrheit, die ich sich gültig und objektiv ist. Darüber wird man sicherlich viel diskutieren, ist es aber wichtig, diese Auffassung richtig zu begreifen, weil es ohne Wahrheit kaum Wissenschaftlichkeit gibt, sondern nur subjektive Meinung, also kein richtiges Wissen. Das ist natürlich nie als Dogma anzusehen, jede Wahrheit kann immer verbessert werden, deswegen man soll gleichzeitig auch kritisch sein, also kritisch zu sein und von der Wahrheit überzeugt zu sein ist kein Widerspruch, man soll sicher von seinen Argumenten und Schlüssen sein, trotzdem immer auch denken, dass es auch bessere Argumente und bessere Schlüsse geben könnte. Die Würde des Menschen ist zum Beispiel eine solche Wahrheit, die wir objektiv erkennen und begründen können, wir können aber nicht zu 100% sagen, dass es unmöglich ist, dass jemand in Zukunft das Gegenteil beweisen kann.

Es wurde dann viel mit den Studierenden diskutiert und dabei wurden viele andere Begriffe angesprochen, die später im Laufe des Seminars erörtert und begründet werden.

Am Ende wurden einige Infos bezüglich der Bücher, der Hausarbeit und weitern praktischen Fragen gegeben. Es war insgesamt ein sehr erfolgreicher Start vor einem Publikum von etwa 40 Studierenden.

Am Montag den 24. April fand dann nach der Osterpause die zweite Lektion statt. Dabei wurde sofort mit der Darstellung und Erklärung der Philosophie begonnen, die den Inhalt des Buchs Philosophie für alle bildet. Insbesondere wurden die Lektionen (Kapitel) von 1 bis 4 behandelt.

Die Lektion 1 beschäftigt sich mit dem Begriff der Philosophie als Wissenschaft der Weisheit. Die Lektion 2 erstellt einen Vergleich zwischen Philosophie, Religionen und Einzelwissenschaften. Die Lektion 3 vertieft den logischen Inhalt des menschlichen Wissens und identifiziert ihn in den Ideen bzw. Begriffen, die den Stoff des Geistes ausmachen. Die Lektion 4 beinhaltet die erste Stufe der Theorie des ‚ich verstehe‘, d.h. die Begründung der Wahrheitsfähigkeit des Menschen. Dabei sind sowohl der theoretische als auch der praktische Grund dargestellt worden.

Morgen, den 8. Mai, geht das Seminar mit den Lektionen 5 und 6 weiter, d.h. mit der weiteren Darstellung der Theorie des ‚ich verstehe‘, d.h. mit der Begründung der Objektivität und Absolutheit des menschlichen Wissens.

Eine beträchtliche Gruppe von 43 Studierenden hat sich bei dem Seminar angemeldet. Etwa 25-30 besuchen regelmäßig die Veranstaltung. Interessante Diskussionen runden die Vorträge des Dozenten Marco de Angelis ab. Es haben sich schon die ersten Ideen für Hausarbeiten entwickelt. Alles deutet darauf hin, dass dieses Seminar genauso erfolgreich wie die zwei vom Lauphana-Semester (über Philosophie als Lebensorienteirung bzw. über die Menschenrechte) sein wird. Die Audiodateien der ersten zwei Sitzungen sind auf Dropbox hochgeladen worden, damit auch diejenige Studenten, die leider verhindert sind, das Seminar regelmäßig zu besuchen, jedoch in der Lage sein können, die Vorträge des Dozenten sowie die anschließenden Diskussionen nachzuarbeiten. Natürlich kann man nur bei Anwesenheit direkt zur Diskussion beitragen und so die Philosophie für alle live erleben. Trotzdem dürfen Hindernisse egal aus welcher Natur keine Studierenden benachteiligen. Aus diesem Grund haben wir uns für die Audioaufnahme sowie deren Veröffentlichung im Internet entschieden.

Zu den Dropboxdateien kommt man über dieses Link:

https://www.dropbox.com/sh/vslm7zcl3rv2nmg/AAAMRICVpglsf9OeDRhaGQ7Za?dl=0

Einzelheiten über das Seminar können in der Rubrik Lehre von dieser Webseite nachgelesen werden.

Inhalte der 6. und 7. Sitzungen des Seminars über ‚Philosophie als Lebensorientierung‘

In den 6. Sitzung des Seminars ‚Philosophie als Lebensorientierung‘ (16.1.17) haben wir uns vor zwei Wochen den logisch-metaphysischen Grundlagen der Theorie der Anerkennung gewidmet. Diese wurde von Hegel ist im § 436 seiner Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften  formuliert (dazu s. mein Buch Philosophie für alle, Lektion 11).

Dabei haben wir uns mit den Kategorien der Endlichkeit, der falschen und der wahren Unendlichkeit beschäftigt (s. dazu die Lektion 7 von Philosophie für alle).  Die Kategorie der wahren Unendlichkeit begründet die Ethik und die ethischen Werte des Staates (Weltstaates), der Arbeit und der Familie als Lebenssinn (s. dazu die Lektionen von 12 bis 14 von Philosophie für alle).

Grund dafür ist es, dass sich der Geist in einem für diese Werte gelebten Leben kreativ agiert, also sich ein Ziel setzt, das er zu verwirklichen versucht. Dadurch lebt er nach der Kategorie der wahren Unendlichkeit, die sein Vernunftwesen bildet. Indem der Geist nach seinem Wesen lebt, ist er frei und schließlich glücklich. Dabei handelt es sich um ein reifes, philosophisches Glück, also um das Gefühl eines erfüllten Lebens (Philosophie für alle, Lektion 15).

‚Sich im Leben philosophisch zu orientieren‘ heißt also, das eigene Leben nach dem Prinzip der wahren Unendlichkeit zu führen. Man soll demnach also versuchen, die lebensnotwendigen Bedürfnisse, die wir als Körper unausweichlich haben und uns zur Befriedigung zwingen, als Geist kreativ zu befriedigen, d.h.:

  • Das Bedürfnis der Assimilation (Aufnahme von Nahrung und im Allgemeinen die Absicherung unseres Überlebens als Individuen) soll womöglich durch eine kreative Arbeit  befriedigt werden bzw., falls es gar nicht möglich wäre, in der Freizeit eine kreative geistige Tätigkeit zu pflegen.
  • Das Bedürfnis der Reproduktion (sexuelle Anziehung und im Allgemeinen die Absicherung des Überlebens unserer Art) soll durch eine in der Zeit ausdauernde Familie befriedigt werden (natürliche Geburt der Kinder sowie auch ihre geistige Geburt durch die Erziehung – Begriff von 2. Natur).

Grundlage und Voraussetzung für diese zwei Werte ist der Wert des Staates, d.h. die geistige kreative Tätigkeit, die jeder von uns als Recht aber auch als Pflicht, eben als freien Lebenssinn, ansehen soll. Diese bildet den Rahmen innerhalb dessen die Menschen die Familie und die Arbeit geistig-frei und nicht körperlich-unfrei als Wert verwirklichen können.

Der Staat, dessen Inhalt Familie und Arbeitswelt sind, setzt die Anerkennung unten Menschen voraus (horizontale Anerkennung). Diese setzt aber ihrerseits die Anerkennung des Absoluten durch den Menschen, also die Erkennung der absoluten, kreativen Vernunft als des eigenen Wesens voraus. Das ist der ‚absolute Geist‘ (vertikale Anerkennung; für beide Begriffe s. Philosophie für alle, S. 50-51).

Das Individuum identifiziert sich hiermit mit dem Absoluten, er ist das Absolute wie eben seine Mitbürger auch zumindest für die Zeit des Lebens. Als das Absolute sagt er ‚ja‘ zu dem Leben, ‚ja‘ zum Leben trotz dessen negative Seiten, also trotz des Schmerzens und des Todes, trotz der Endlichkeit also, er akzeptiert diese Endlichkeit und sieht darin die wahre Unendlichkeit.

Der Mensch als das Absolute weiß, dass er in der Lage ist, die Materie zu verstehen und zumindest teilweise zu beherrschen. Er kann als Geist zwar die Materie zu 100% verstehen und beherrschen, als Körper aber eben noch nicht. Er versucht also so gut und so lange wie möglich als Körper zu leben. Die Medizinwissenschaft z.B. ist dazu ein wichtiges Werkzeug. Ob er als Körper unendlich im Sinne der falschen Unendlichkeit jemals leben können wird, ist es zurzeit unbekannt und eher unwahrscheinlich, obwohl die Frage noch offen ist. Aber als Geist kann er schon in diesem aktuellen Leben unendlich, im Sinne der wahren Unendlichkeit, leben. Er lebt unendlich nicht weil er immer als Körper in der Zeit leben wird, sondern weil er die begrenzte Zeit seines Lebens sinnvoll verbringen wird.

Das ist der Inhalt eines erfüllten, sinnvollen, reifen und in diesem Sinn glücklichen Lebens! Das ist ein philosophisch geführtes Leben, eine philosophische Orientierung im Leben!

(Dr. phil. Marco de Angelis)